GELD-Magazin, Nr. 4/2023

Vor allem im „Corona-Jahr“ 2020 spielte Gold seine Vorzüge aus und preschte in lichte Höhen vor: Wichtige Aktienindizes wie der Dow Jones oder der EuroStoxx50 konnten locker outperformt werden. Allerdings handelt es sich bei dem Edelmetall um keine „eierlegende Wollmilchsau“. So zog der Kurs zu Beginn des Kriegs gegen die Ukraine an, danach entwickelte er sich aber schwankungsfreudig. Das hat gleich mehrere Ursachen. Gegenwind So nehmen Anleger natürlich, wie bei jedem anderen Asset auch, immer wieder Gewinne mit – und die waren bei Gold beträchtlich. Es gibt aber auch fundamentalen Gegenwind von der makroökonomischen Seite, Stichwort Zinserhöhungen. Diese waren seitens der Zentralbanken radikal und in dieser Geschwindigkeit wie Höhe von den Marktteilnehmern nicht erwartet worden. Die Anlagekategorie Bonds, mit der vor der Zinswende keine goldene Nase verdient werden konnte, feiert jetzt ein Comeback und wirft wieder anschauliche Renditen ab. Das steht in direkter Konkurrenz zu Gold, weil das Edelmetall keine laufenden Erträge abwirft (Dividenden, Zinsen) und Staatsanleihen hoher Bonität als sichere Investments gelten. Dieses Wettbewerbsverhältnis hat Gold zu spüren bekommen. Langfristig denken Das sollte Investoren allerdings nicht beunruhigen; kurzfristige Schwankungen sind auch bei Gold normal, langfristig steht es nach wie vor als physisch begrenztes Gut für Werterhalt und Diversifikation. Deshalb sollte man auch nicht Kursbewegungen hinterherhetzen und nach dem „idealen Einstiegszeitpunkt“ suchen. Den gibt es nämlich nicht. Die Devise lautet: Statt kurzfristig zu spekulieren, sollte man schrittweise den Bestand in einem breit gefächerten Portfolio aufbauen, oft wird ein Anteil von circa fünf bis 15 Prozent empfohlen – zum Beispiel über Goldsparpläne namhafter Anbieter. Dabei wird regelmäßig ein kleinerer Betrag investiert und der Cost-Average-Effekt genützt. Natürlich kann Gold auch als physisches Edelmetall gekauft werden, wobei hier standardisierte Barren und international bekannte Münzen zu bevorzugen sind, denn ihr Wert lässt sich leicht ermitteln (im Gegensatz zu Schmuck). Fazit: Gold ist kein Sprinter, sondern der Marathonläufer unter den Asset-Klassen, historische Untersuchungen behaupten sogar, dass sich seine Kaufkraft seit Christi Geburt erhalten hat. Das kann natürlich keine Aktie oder kein Fonds von sich behaupten. Dauerläufer Gold gilt als Krisenwährung schlechthin. Dabei dürfen Investoren allerdings nicht vergessen, dass das Edelmetall auch durchaus Schwankungen unterworfen ist. Deshalb lautet die Devise: Nicht spekulieren, sondern regelmäßig investieren. HARALD KOLERUS Zentralbanken auf Goldsuche Seit mehr als zehn Jahren haben sich Zentralbanken rund um den Globus von Gold-Verkäufern zu -Einkäufern gewandelt. Zuletzt wurde sogar ein All-Time-High beim Erwerb des Edelmetalls verzeichnet: Ein Zeichen für die steigende Beliebtheit von Gold. Wie das Chartbild beweist, bewegt sich Gold nicht immer aufwärts, das wäre natürlich auch zu einfach. Langfristig dient das Edelmetall als Stabilisator in einem gut diversifizierten Portfolio. Quelle: IWF, World Gold Council, Incrementum AG Goldkäufe globaler Notenbanken in Tonnen, 1955-2022 Netto-Käufe Netto-Verkäufe 1950 250 500 750 1.000 1.250 -250 -500 -750 -1.000 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2020 0 All-Time-High GOLDPREIS 56 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2023 ROHSTOFFE . Gold in USD/Unze 1.400 1.600 1.700 1.800 1.900 2.000 1.500 2.100 2020 2021 2022 2023

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