GELD-Magazin, November 2021

Lieferengpässe erwartet. Auch die Nach- richtenlage aus China dämpft die Stim- mung. Bereits im Frühjahr haben Frühindi- katoren den Bruch von der Expansions- in die Abschwungphase angezeigt. Dennoch sieht der Experte mehr Licht als Schatten: „Die mittlerweile vierte Corona-Welle in den USA ist nicht mehr in der Lage, die Mär- kte aus dem Gleichgewicht zu bringen. Auch die Notenbanken agieren mit Bedacht und kommunizieren das Ende der ultraex- pansiven Geldpolitik in kleinen Dosie- rungen.“ Wolfgang Ules, Chief Investment Officer bei Schelhammer Capital 1832, fügt hinzu: „Dank billionenschwerer Stimulie- rungsmaßnahmen erholte sich die Welt- wirtschaft schnell aus der Corona-Depressi- on. Zusätzlichen Auftrieb erhielt die Kon- junktur vom Abbau des Nachfragerück- staus, den Konsumenten während der Lock- downs gebildet hatten.“ Mit der Zeit wür- den Konjunkturprogramme allerdings ihre Wirkung verlieren und auch der Hunger der Konsumenten ist einmal gestillt: „Im Ergeb- nis verliert die Konjunktur an Dynamik. Zu- dem werden uns Lieferengpässe in vielen Vorprodukten noch bis weit in das nächste Jahr hinein begleiten und das Wachstums- potential hemmen. Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft im nächsten Jahr weiter einbremsen wird.“ Aktien alternativlos Was bedeuten diese Einschätzungen nun für die Investmentstrategie? Ules: „Auf Grund der anhaltend hohen Inflationsraten sind Aktien trotz rückläufigen Wachstums alter- nativlos. In diesem Umfeld braucht es aller- dings Unternehmen mit starker Preisdurch- setzungskraft, um Margen halten zu kön- nen.“ Auch die anderen befragten Banker sprechen sich für Aktien aus. Nemeth von der Zürcher Kantonalbank meint: „Wir be- halten unsere moderate Übergewichtung im Aktienbereich bei, Investments in Aktien bleiben alternativlos. Anleihen stehen mit- telfristig unter Druck, da in vielen Regionen die Normalisierung der Geldpolitik einge- leitet wurde oder kurz bevorsteht. Festver- zinsliche Wertpapiere erfüllen aber weiter- hin eine wichtige Rolle bei der Risikosteue- Beliebte Börse Bei der Erstellung der „Investment- Ampeln“ für das GELD-Magazin haben fünf Privatbanken mitgehol- fen: Kathrein, Zürcher Kantonalbank (Österreich), Euram Bank, Schoeller- bank und Schelhammer Capital 1832. Bei den Ampeln steht grün für „die besten Chancen, übergewichten“. Gelb für „Vorsicht, abwarten, neutral gewichten“. Rot für „Stop, unterge- wichten bzw. nicht kaufen“. Interes- sant ist an den Umfrageergebnissen, dass die Anlageprofis auch weiterhin auf Aktien setzen, wobei die regionale Selektion meist nicht entscheidend ist. Qualitätstitel und Kriterien wie hoher Cash-Bestand stehen im Vordergund. Investments in Aktien werden dabei im gegenwärtigen Umfeld mehr- fach als „alternativlos“ bezeichnet. rung eines Portfolios, auch wenn sie aus Er- tragsgesichtspunkten nicht attraktiv sind.“ Euram-Vorsitzender Huber gewährt eben- falls Einblick in seine Strategie: „Wir legen unser Hauptaugenmerk auf ertrags- starke Unternehmen mit einem hohen Cash Bestand, sowohl auf der Aktien- als auch auf der Anleiheseite. Damit sehen wir uns für Zeiten verstärkter Schwankungen gut gewappnet.“ Kathrein-Vorstand Holzer sieht die Aktienmärkte durch die jüngsten Ent- scheidungen der Notenbanken gut unter- stützt: „Die V-Kurve, also die unglaublich rasche Erholung nach dem Corona-Schock ist schon deutlich abgeflacht.“ Wie lange diese erstaunliche wirtschaftliche Dynamik weitergehen kann, sei angesichts zuneh- mender Unsicherheiten zwar fraglich, aber: „Investieren war aber nie ein Sprint, man muss selektiver werden, dann kann man auch in diesem Umfeld eine gute Perfor- mance erzielen. Der Bullmarkt ist aber in- takt und längerfristig werden Aktien weiter- hin höhere Erträge als Anleihen erzielen“, so der Profi. Zu bedenken sei wiederum, dass eine Korrektur von zehn Prozent oder mehr schon lange nicht der Fall war und da- mit auch wahrscheinlicher wird. Holzer: „Solange aber nicht genügend Indikatoren ins Minus drehen, werden wir unsere Ak- tien-Übergewichtung beibehalten. Auf- grund des gestiegenen Inflationsausblicks und zur Risikodiversifikation erachten wir inflationsgeschützte US-Dollar- und Euro- Anleihen als sinnvolle Beimischung. Über die gesamte Anleihen-Allokation bevorzu- gen wir kurze Laufzeiten, das heißt, das Portfolio ist weniger sensibel gegenüber sich verändernden Zinsen positioniert.“ Teure USA Was interessante Regionen betrifft, meint Holzer: „Europa und Japan mit vielen Old- Economy Titeln bieten von den Bewer- tungen her noch günstigere Gelegenheiten im Vergleich zu den sehr teuren US-Aktien. Zinssteigerungen würden vielen Growth- Aktien etwas die Luft nehmen.“ Im Über- blick finden Sie die Investmenteinschät- zungen der Private Banker auf den vorher- gehenden Seiten 24 und 25. 26 . GELD-MAGAZIN – November 2021 BANKING . Strategie der Privatbanken

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