GELD-Magazin, November 2020

Wie lautet Ihr Investment Case für die EM? Unsere Einschätzung bezüglich Investments in den EM für 2021 ist positiv. Wir sehen zwei Hauptfak- toren: das höhere Wachstum in Nordasien (vor allem China) und die Wachstumserholung in den von Covid-19 am stärksten betroffenen Ländern. Die Rally wird aber breit angelegt sein und nicht nur China und die New Economy dort antreiben. Der Rü- ckenwind kommt auch von einigen globalen Makro- Faktoren wie der Entwicklung eines Corona-Impf- stoffes, den gewaltigen Konjunkturpaketen sowie tiefen oder negativen Zinsen. Das wird das Gewinn- wachstum steigern. Sind die Bewertungen nicht recht hoch? Die Bewertungen gegenüber den DM bzw. anderen Asset-Klassen sind günstig. Internationale Inve- storen haben als Folge der Handelskonflikte zwi- schen den USA und China fast 100 Milliarden Dollar an Kapital vor allem aus den asiatischen EM abgezo- gen und sind nun in diesem Bereich unterinvestiert. 2021 erwarten wir wieder Kapitalzuflüsse. Und lo- kale Investoren werden zunehmend von Anleihen auf Aktien umsteigen. Das KGV der EM-Aktien liegt bei rund 15 bei erwarteten Gewinnzuwächsen von 30 Prozent. Im MSCI World ist ein KGV von 23 ein- gepreist. Auch was konjunkturstützende Maßnah- men anbelangt, sind wir positiv gestimmt, da vor allem in Asien noch Potenzial besteht, weil hier durch das bessere Management der Coronakrise bis- her weniger solcher Maßnahmen ergriffen wurden. Daher besteht Spielraum für Konjunkturpakete und zusätzliche fiskalische Maßnahmen. Wo sehen Sie attraktive Opportunitäten? Diese sehen wir aufgrund einer zunehmenden Zwei- teilung zwischen Ländern und Sektoren, da sich das Wachstum nicht überall gleichermaßen stark erho- len wird, weiters wegen des Aufschwungs von Ex- porten und dem Konsum (vor allem infolge eines Corona-Impfstoffes) in zyklisch ausgerichteten Län- dern und Branchen, weiterer Konjunkturspritzen in China, einer stärkeren Rolle von inländischen Inve- storen und der Entwicklung im Bereich der Hoch- technologie. Regional gesehen bevorzugen wir Chi- na in den Sektoren E-Commerce, Technologie und Konsum, die von der Expansion in der dortigen New Economy am meisten profitieren, aber auch Taiwan und Südkorea, die (deren Technologie-Aktien) vom chinesischen Bestreben nach technologischer Autar- kie positiv betroffen sind. Warum favorisieren Sie China? China konnte schon im zweiten Quartal 80 Prozent des coronabedingten Wachstumseinbruchs wieder aufholen. Das BIP-Wachstum wird 2020 bei rund zwei Prozent liegen und China zum einzigen Land, das schon 2020 zum Vorkrisenniveau zurückkehrt, machen. Bisher war die „Old Economy“ in China (Immobilien, Automobilerzeugung, industrielle Sek- toren) besonders für die Wachstumserholung ver- antwortlich, während der Konsum hinterherhinkte. Dieser dürfte jedoch stark aufholen. Die Fiskalpoli- tik sollte die Wirtschaft stärker antreiben als die Geldpolitik der Notenbank. China wird auch im Ex- portgeschäft immer stärker. Das Pro-Kopf-Einkom- men hat sich seit 1999 verzehnfacht. Sean Taylor, Head of Emerging Markets Equities bei der DWS . INTERVIEW „Besonders China steht derzeit im Fokus. Trotz Handelskonflikt wird China seinen Anteil am globalen Exportgeschäft auf den Rekordwert von 14 Prozent erhöhen.“ Folge von Leistungsbilanzüberschüssen, fle- xiblen Währungen und weniger Abhängig- keit von Fremdwährungsfinanzierungen in einigen wichtigen EM deutlich reduziert“, meint Deltour. Die Urbanisierung, positive demografische Faktoren sowie der Aufbau von Sozialsystemen unterstützen die Kon- sumstory, wenn auch nicht in allen Schwel- lenländern. Auch die technologische Disrup- tion ist ein neuerer, aber immer stärkerer Trend auch in den EM. Die Performance be- günstigen zudem Kapitalzuflüsse internatio- naler Investoren vor allem in Asien. Auch sind die EM als Aggregat in positives Terrain vorgestoßen, es gibt in wichtigen EM wieder Leistungsbilanzüberschüsse. Immer mehr EM-Marktführer „Wir erwarten eine zunehmende EM-Markt- führerschaft vor allem in den Branchen Halbleiter, Online-Spiele, sowie im Bereich des 5G-Rollouts. Anders als viele westliche DM haben vor allem asiatische EM die Coro- na-Krise erfolgreich gemanagt. So ist die Vi- sibilität der Geschäftsentwicklung gestie- gen, sogar in ‚Old Economy‘-Sektoren mit re- lativ attraktiven Bewertungen. Diese Ent- wicklung sollte die Aktienerholung im kom- menden Jahr weiter antreiben“, analysiert Claus Born, Investment-Spezialist für Emerging Markets-Aktien bei Templeton. Die Bewertung der EM-Aktien insgesamt ist gestiegen, was der Marktführerschaft von Technologiewerten dient, die aufgrund ihrer starken Expansion eine höhere Marktkapita- lisierung und damit ein höheres Gewicht in den Indizes erhalten haben. Dies ist durch- aus gerechtfertigt und spricht mittelfristig für eine weiterhin gute Performance. MÄRKTE & FONDS . Emerging Markets Credit: bereitgestellt 46 . GELD-MAGAZIN – November 2020

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