GELD-Magazin, Juni 2020

„Wir sehen alles in allem keinen Grund, um von einer Bankenkrise in Europa auszugehen.“ Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt UniCredit Bank Austria Credit: UniCredit Bank Austria / Lukas Bezila 14 . GELD-MAGAZIN – Juni 2020 Eigenkapitalausstattung und ist damit auch entsprechend vorbereitet. Gemeinsam mit den guten Kapitalquoten stehen wir auf einem soliden Fundament zur Bewältigung der nächsten – ohne Zweifel schwierigeren – Jahre.“ KeineWiederholung der Krise Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria, zeigt sich ebenfalls recht zuversichtlich und wirft einen Blick auf die makroökonomischen Fundamental- daten: „Eine Wiederholung der Krise von 2008/09 ist nicht zu erwarten, da der deut- liche gesamtwirtschaftliche Rückgang nicht durch eine Schuldenkrise, also Überschul- dung, verursacht wurde, sondern durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Die Wirtschaftspolitik hat sehr schnell und umfangreich reagiert und vor allem mit den Garantien einen wesentlichen Beitrag zur Abfederung geleistet.“ Die Haushalte, die Unternehmen und vor allem die Banken gingen laut dem Ökonomen in einem deut- lich besseren Zustand in diese Krise als 2008. Vor allem durch erheblich risiko- schonenderes Verhalten haben die Banken heute ein deutlich besseres Kreditportfolio, aber auch die Kunden weisen weniger Ver- schuldung auf. Bruckbauer: „Wir gehen trotz des deutlichen wirtschaftlichen Ein- bruches davon aus, dass die Erholung dyna- mischer erfolgen wird als nach der Finanz- krise. Alles in allem sehen wir daher keinen Grund, von einer Bankenkrise in Europa auszugehen, auch wenn natürlich die Er- tragssituation 2020 spürbar angespannter sein wird als 2019.“ Auch speziell für sein eigenes Haus zeigt sich der Experte zuver- sichtlich: „Die UniCredit – ebenso wie die UniCredit Bank Austria – verfügt über ein sehr robustes, gut ausbalanciertes Ge- schäftsmodell, eine solide Bilanz und Ge- winn- und Verlustrechnung sowie über eine extrem starke Kapitalbasis und reichlich Li- quiditätsreserven. Die Kapitalposition der UniCredit ist mit einer Kernkapitalquote von 13,44 Prozent sehr stark – das liegt 22 Basispunkte höher als im Dezember 2019. Die Bank Austria hat zum 31.12.2019 eine harte Eigenkapitalquote von 18,9 Prozent, die eine der höchsten aller österreichischen Banken ist.“ Nachsatz: „Um die heimischen Haushalte finanziell zu entlasten, verzichtet die UniCredit Bank Austria in diesem Jahr auf Preisanpassungen bei allen Kontopro- dukten.“ Apropos Kundennutzen: Einige In- stitute bauen ihre digitalen Dienstlei- stungen weiter aus. So stellt etwa die Lloyds Bank ihren älteren Kunden Tablets zur Ver- fügung. Durch solche zusätzlichen Ausga- ben wird laut Kearny die durchschnittliche Kosten-Ertrags-Relation um durchschnitt- lich 80 Prozent steigen. Fazit:Verhaltener Optimismus Marktbeobachter und die Banken selbst glauben nicht an einen erneuten Crash der Bankenszene. Hoffentlich macht ihnen eine „zweite Pandemiewelle“ nicht einen Strich durch die Rechnung. Die zehn größten Banken Europas Heimische Institute sucht man im Ranking der größten Banken Europas vergeblich. So belief sich im Jahr 2019 etwa die Marktkapitalisierung der Erste Group auf 15,2 Milliarden Euro. Dafür sind die österreichischen Häuser beispielsweise beim Ertrag pro Kunden sehr gut aufgestellt. Quelle: Statista BRENNPUNKT . Bankenkrise 0 HSBC (GB) 150,2 66,9 52,6 45,4 40,7 39,9 33,2 32,7 30,9 30,1 Banco Santander (ES) BNP Paribas (FR) Lloyds Banking Group (GB) UBS (CH) ING Group (NL) BBVA (ES) Intesa Sanpaolo (IT) Crédit Agricole (FR) Royal Bank of Scotland (GB) 25 50 75 100 125 150 175 Marktkapital in Mrd. Euro

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