11. Juni 2021

Shell, ExxonMobil und die EU-Taxonomie

LedererPabstSusanne Neu1
Dr. Susanne Lederer-Pabst dragonfly finance

Vor einigen Tagen hat das Umweltbundesamt zu einer Informations­veranstaltung zum Thema EU-Taxonomie geladen und den Kreis der TeilnehmerInnen über den aktuellen Stand der Dinge aufgeklärt.

Die einleitenden Worte von Jürgen Schneider, Sektionschef Klima und Energie im Bundesministerium, ließen die Zuhörerschaft mit den jüngsten Beispielen Shell und ExxonMobil sofort in medias res gehen – und ja, es tut sich viel im Bereich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Die letzte Woche war extrem spannend mit dem absolut bemerkenswerten Urteil in den Niederlanden gegen den privaten Öl- und Gaskonzern Shell. Erstinstanzlich wurde Shell dazu verpflichtet, seinen CO2-Ausstoß bis 2030 drastisch zu reduzieren! Das beweist, dass Europa die Klimaziele ernst nimmt!

Bemerkenswertes Gerichtsurteil, dramatische Hauptversammlung

Und auch der Erfolg eines Hedgefonds gegen den amerikanischen Ölkonzern ExxonMobil ist ein Meilenstein für den Klimaschutz. Auf der dramatischen Hauptversammlung wählten die Aktionäre zwei Dissidenten ins zwölfköpfige Board des Öl-Konzerns und setzten sich so gegen das ExxonMobile Management durch. Hier wurde wohl Corporate Governance-Geschichte geschrieben.

Das sind Beispiele, die zeigen, dass der Frage, was denn eigentlich nachhaltige und grüne Wirtschaftsaktivitäten sind, immer mehr an Bedeutung zukommt. Die EU-Taxonomie ist in Zukunft wohl der Goldstandard mit dem dies festgestellt werden wird. Mit Verzögerung, aber doch, wurde im April der delegierte Rechtsakt als Meilenstein von der Europäischen Kommission vorgelegt. Schneider betont, dass Österreich sich aktiv gegen Greenwashing einsetzt und somit eine Taxonomie will, die wissenschaftsbasiert und mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel ist – und das bedeutet, dass für fossile Energien kein Platz mehr ist. Und tatsächlich verändert sich diesbezüglich gerade wohl wirklich einiges in der Welt. Net-Zero, wie das Ziel der CO2-Neutralität auch genannt wird, ist also noch nicht verloren. Die treibenden Faktoren dafür kommen aus zwei Richtungen.

Veränderte Marschrichtung der Banken

Es sind die Investmentbanken, die Energieprojekte weltweit finanzieren. Seit dem Klimaabkommen von Paris 2015 bekannten sich zwar immer mehr Finanzinstitute zum Klimaschutz, der Rückzug aus fossilen Brennstoffen ging allerdings nur langsam vonstatten. Erst heuer zeichnet sich eine Wende ab. In den letzten fünf Jahren pumpten Banken über Anleihen und Kredite 3,6 Billionen Dollar in Kohleminen und -kraftwerke, die Förderung und Verarbeitung von Öl und Gas. Fast dreimal mehr als in „saubere“ Energie. So ermittelte Bloomberg, die sich durch die Kredite und Anleihen von 140 Finanzinstituten weltweit gegraben hat. Für 2021 jedoch sagen die Zahlen etwas anderes. Erstmals finanzieren Banken grüne Projekte großzügiger als fossile: 203 Milliarden Dollar bis Mitte Mai stehen 189 Milliarden gegenüber. Immer mehr Staaten bekennen sich zu Net-Zero, zuletzt die drei großen asiatischen Volkswirtschaften China, Japan und Südkorea – und dies spiegelt sich auch im Verhalten der Finanzwirtschaft wider. In den kommenden zehn Jahren will man mindestens vier Billionen Dollar in nachhaltige und klimafreundliche Projekte leiten.

Anleger als Hoffnungsschimmer für Klimaschutz

Immer mehr Investoren verlangen von den Unternehmen ein Geschäftsmodell, das dem Szenario einer klimaneutralen Wirtschaft standhält. Diese Erfahrung durfte wie oben erwähnt ExxonMobil machen. „Engine No.1“, ein junger, kleiner Hedgefonds aus New York, brach zur Hauptversammlung einen sogenannten Proxy-Fight vom Zaun. Dabei ging es um die Frage, wer im Aufsichtsrat sitzt und so die Leitlinien des Unternehmens bestimmt. ExxonMobil stimmte gegen den Vorschlag von vier Kandidaten, die über Expertise beim Thema Nachhaltigkeit verfügen – und verlor die Abstimmung. So einfach ist das und gibt Zuversicht: Wenn es möglich ist, ExxonMobil ins Wanken zu bringen, dann ändert sich wohl wirklich gerade so einiges in unserer Welt!

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Dr. Susanne Lederer-Pabst dragonfly finance

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