GELD-Magazin, Nr. 1/2026

TACO: Trump always chickens out, also „Trump kneift immer“, ist zum geflügelten Spruch in der Politik und an den Finanzmärkten geworden. Verlassen darf man sich aber auf diese „Weisheit“ nicht, wie der Fall Venezuela drastisch vor Augen geführt hat. In einer Nacht-undNebel-Aktion zum Jahresauftakt 2026 hatten die USA den Langzeit-Autokraten Nicolás Maduro gekidnappt (Operation „Absolute Resolve“), er wartet nun auf seinen Prozess. Das war nicht das einzige militärische Muskelspiel Trumps in der jüngeren Vergangenheit: In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 2025 griffen sieben amerikanische Bomber im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ die drei zentralen Nuklearfertigungsstätten des Iran an. Insgesamt waren laut österreichischem Bundesheer 125 US-Flugzeuge sowie mehrere Schiffe der US Navy (darunter U-Boote) an der Gesamtoperation beteiligt. Völkerrecht - was ist das? Sowohl „Absolute Resolve“ als auch „Midnight Hammer“ gehen nicht mit dem Völkerrecht konform, beide Aktionen bewiesen aber die Schlagkraft und Überlegenheit des US-Militärs. Auch wenn es sich um Operationen gegen autokratische Regime handelte, ist der Verstoß gegen international geltendes Recht schlichtweg verstörend. Für Europa wirklich brenzlig wurde es, als Trump seinen Anspruch auf Grönland erneuerte und wiederum militärische Gewalt nicht ausschloss. Als sich massiver Widerstand regte, packte der US-Präsident zusätzlich wieder einmal die „Zoll-Keule“ aus. Es hat sich aber ausgezahlt, dass Europa geeint auftrat und sich hinter Grönland und Dänemark stellte. Auch in der Konfliktregion selbst will man nichts von einer US-Annexion wissen. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen stellte in Vertretung seiner rund 57.000 Bürgerinnen und Bürger klar: „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssen, dann entscheiden wir uns für Dänemark“. Gewisse Entspannung Trump ruderte tatsächlich zurück, schloss Gewalt aus, nahm auch die Zoll-Drohungen wieder vom Tisch. Was aber wohl nicht daran liegt, dass laut einer Umfrage von Verian 85 Prozent der Grönländer nicht zum US-Bundesstaat werden wollen. Strategische und machtpolitische Überlegungen stehen stattdessen im Vordergrund: Tatsächlich hätte eine Eskalation die Zusammenarbeit mit Europa und der NATO im arktischen Raum geschwächt – gerade angesichts von Russlands und Chinas wachsender Aktivität in der Region wäre das ein Schuss ins eigene Knie gewesen. Noch weiter gehend hätte eine Besetzung Grönlands die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Europa endgültig torpediert sowie die NATO höchstwahrscheinlich zerrissen. Inklusive Imageverlusten für den Narzissten Trump selbst, was für ihn Das Recht des Stärkeren Trump macht‘s möglich: Vom jahrzehntelangen Verbündeten wandeln sich die USA zum Problemfall für Europa. Der Grönland-Konflikt konnte gerade noch entschärft werden, die Zukunft bleibt aber unsicher. MARIO FRANZIN „Unter der Trump-Regierung verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik“ Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Credits: Georgiy/stock.adobe.com; beigestellt „Bitte geben Sie an, ob Sie eine sehr positive, eher positive, eher negative oder sehr negative Meinung über folgende globale Führungspersönlichkeiten haben.“ (internationale Umfrage) POSITIV NEGATIV NETTO-IMAGEWERT US-Präsident Donald Trump 30 % 61 % -31 % Russischer Präsident Wladimir Putin 25 % 66 % -41 % Chinesischer Präsident Xi Jinping 29 % 52 % -23 % Indischer Premierminister Narendra Modi 25 % 37 % -12 % Israelischer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 19 % 61 % -42 % Papst Leo XIV. 49 % 25 % 24% Quelle: Gallup Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 9

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