GELD-Magazin, Nr. 1/2026

56 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 Stablecoins haben sich von Nischeninstrumenten der Kryptobranche zu einem zentralen Instrument der digitalen Finanzinfrastruktur entwickelt. Die globale Marktkapitalisierung hat neue Höchststände erreicht, angeführt von Tether (USDT) und Circle (USDC). Allein auf Ethereum überstieg das vierteljährliche Transfervolumen zuletzt acht Billionen US-Dollar, während die On-Chain-Aktivität weiter zunimmt. Moody’s beschreibt Stablecoins inzwischen als eine Form institutionellen „digitalen Bargelds“, das zunehmend für Abwicklung, Handel und grenzüberschreitende Zahlungen genutzt wird. In den USA hat dieses Wachstum die Debatte um regulatorische Klarheit verschärft. Der vorgeschlagene Clarity Act soll Marktstrukturen definieren, Zuständigkeiten zwischen Behörden festlegen und Regeln für die Emission von Stablecoins schaffen. Befürworter sehen darin längst überfällige Rechtssicherheit. Kritiker warnen hingegen, das Gesetz könne Brancheninteressen verfestigen oder traditionelle Bankstrukturen destabilisieren. Der politische Streit um Stablecoins ist damit zu einer grundsätzlichen Auseinandersetzung über die zukünftige Architektur digitalen Geldes geworden. Der Coinbase-JPMorgan-Konflikt Die Debatte eskalierte, als Coinbase Teile des jüngsten Gesetzesentwurfes öffentlich ablehnte und argumentierte, dass einige Bestimmungen Krypto-native Unternehmen benachteiligen könnten. Gleichzeitig traten Spannungen zwischen Coinbase-Führungskräften und JPMorgan-Vertretern bei Gesprächen im Schweizerischen Davos zutage – ein Zeichen tieferer Bruchlinien zwischen Wall Street und der Kryptobranche. Bankvertreter warnten, dass renditetragende Stablecoins das klassische Einlagenmodell gefährden könnten. Führungskräfte von Standard Chartered und JPMorgan äußerten Bedenken hinsichtlich eines parallelen Bankensystems außerhalb bestehender Aufsichtsrahmen. Der Konflikt verdeutlicht einen strukturellen Gegensatz: Banken fürchten Einlagenabflüsse und Wettbewerbsdruck, während Kryptofirmen argumentieren, programmierbare digitale Dollar seien unausweichlich und sollten reguliert und nicht eingeschränkt werden. Vom Entwurf zur Blockade Der legislative Prozess verlief bislang holprig. Beratungen in Ausschüssen des Senats wurden verschoben, Sitzungen vertagt und Verhandlungen verlängert. Coinbase zog seine Unterstützung zeitweise zurück, nahm jedoch später erneut Gespräche auf. Vertreter des Weißen Hauses trafen sowohl KryptoUnternehmen als auch Banken. Ausschussvorsitzende bestätigten, dass trotz FristverBLOCKCHAIN . Kryptowährungen Stablecoin-Showdown Wie ein Gesetz die Kryptowelt lahmlegt – Banken, Kryptounternehmen und Washington ringen um den Clarity Act und um die Kontrolle über die nächste Generation digitaler Dollar im globalen Wettbewerb der Finanzsysteme. MORITZ SCHUH US-Senat: Die Verhandlungen zum Clarity Act endeten zuletzt in einer Pattsituation zwischen Vertretern der US-Banken und der Crypto-Lobby. Credits: bborriss/stock.adobe.com

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