Wird die Auflage von ETFs auch ein Trend in Österreich? Wie erwartet war das Jahr 2025 mit Mittelzuflüssen in Höhe von 332,5 Milliarden Euro das bislang erfolgreichste Jahr in der 25-jährigen Geschichte der europäischen ETF-Industrie. In dem insgesamt betrachtet sehr positiven Umfeld erreichte auch das von den ETF-Anbietern verwaltete Vermögen am Ende des Jahres 2025 mit 2.578 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Die stetig steigenden Absatzzahlen im ETF-Segment führen dazu, dass immer neue Anbieter in den Markt drängen. Auch bei den Anbietern von aktiv gemanagten Investmentfonds steigt das Interesse an dem ETF-Segment. Denn mit der Einführung aktiv gemanagter ETFs haben sich für die Manager aktiv gemanagter Publikumsfonds neue Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der ETFs eröffnet. Neue Anbieter im Wettbewerb In diesem Umfeld sollte es daher niemanden verwundern, dass auch die letzten beiden der großen vier Asset Manager in Deutschland jetzt in das Geschäft mit aktiv gemanagten ETFs einsteigen wollen. Auch wenn beide Anbieter über eine gute Reputation und ein vermeintlich großes Absatznetz verfügen, bleibt abzuwarten, wie erfolgreich diese Initiativen sein werden, da im ETF-Markt ein harter Wettbewerb herrscht. Nichtsdestotrotz zeigen diese Ankündigungen, dass sich die deutsche Fondsbranche mehr und mehr in Richtung ETFs orientiert. In diesem Zusammenhang ist es verwunderlich, dass derzeit keiner der großen österreichischen Fondsanbieter ETFs in seiner Produktpalette hat. Schließlich galt die österreichische Fondsindustrie als sehr progressiv, da die Anbieter neue Möglichkeiten bei der Produktgestaltung oft sehr schnell und erfolgreich umgesetzt haben. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass es während der Anfangsphase der europäischen ETFs sehr wohl auch österreichische ETFs gab. Diese Bemühungen der österreichischen Fondsanbieter wurden aber nach wenigen Jahren wieder eingestellt, da sie nicht den gewünschten Erfolg hatten. Dass viele Anbieter aus den frühen Tagen des ETFTrends heute keine entsprechenden Produkte mehr anbieten, ist ein Beweis dafür, dass der Vertrieb von ETFs kein Selbstläufer ist, sondern eine umfassende Vertriebsstrategie benötigt. Aufgrund des hohen Wettbewerbs im heutigen Marktumfeld ist es heutzutage noch wichtiger als früher, eine gute Vertriebsstrategie zu haben. Somit können die Anbieter von ETFs heute nicht mehr einfach ein neues Produkt auf den Markt bringen, sondern müssen dessen Vorteile für den Anleger sehr genau darstellen können, um die Investoren letztendlich von ihrem Produkt zu überzeugen. Da die ETF-Struktur genau genommen lediglich eine zusätzliche Vertriebshülle ist, die den herkömmlichen Investmentfonds im Vertrieb ergänzt, ist es aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit, bis auch die österreichischen Fondsanbieter wieder beginnen werden, ETFs anzubieten. Denn es ist davon auszugehen, dass auch die Investoren in Österreich in der Zukunft verstärkt sowohl passiv wie auch aktiv verwaltete ETFs nachfragen werden. Regulierung und Tokenisierung Schaut man auf die regulatorischen und produktspezifischen Trends, die sich am Horizont abzeichnen, ist es nur klar, dass viele Anbieter ihre Produkte zukünftig entweder als Investmentfonds mit einer ETF-Anteilsklasse oder nur als ETFs anbieten werden. Zum einen wird dieser Trend durch die regulatorischen Vorgaben zur Verkürzung der Abwicklungszeiten angetrieben, zum anderen könnte die fortschreitende Tokenisierung der Fondsindustrie dazu führen, dass zukünftig alle Finanzprodukte über eine Blockchain gehandelt werden – was dann dem heutigen ETF hinsichtlich der Transparenz und Handelbarkeit sehr ähnlich wäre. Allerdings ist die Tokenisierung der Fondsindustrie ein sehr weitreichendes Thema, das ich in einem anderen Artikel analysieren werde. [email protected] Detlef Glow, Research Lead ETFs, LSEG Data & Analytics GASTBEITRAG . Detlef Glow, LSEG Dieser Artikel dient nur der Information und stellt unter keinen Umständen eine Anlageempfehlung dar. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von der LSEG. Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 47 FOTO: beigestellt
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