GELD-Magazin, Nr. 1/2026

Der deutsche Leitindex konnte nach der Verteidigung der 23.000-Punkte-Marke einen kräftigen Anlauf nehmen und erreichte Mitte Januar bei 25.450 Punkten ein neues Rekordhoch. Positiv: Schwergewichte wie Siemens und Deutsche Telekom egalisierten die Schwäche bei SAP. Nach einer kurzen Korrektur ging es wieder über 25.000 Punkte hinauf, ein neuer Rekord ist nur eine Frage der Zeit. Der Stopp zur Gewinnsicherung bleibt bei 22.750 Punkten. Die Aussichten bleiben gut trotz gemischter Konjunkturdaten. Denn der wichtigste Stimmungsindikator der deutschen Wirtschaft (ifo-Index) stagnierte überraschend im Januar; nach zwei Rückgängen in Folge hatten Volkswirte einen Anstieg erwartet. Gut liefen die Industrie und der Baubereich, schlecht die Bereiche Dienstleistungen und Tourismus. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumserwartungen für 2026 nach unten revidiert. Neben den Zöllen belastet die Importschwemme aus China. Auftragseingänge positiv Eine Trendwende sehen Experten hingegen bei den Auftragseingängen. Die deutsche Industrie verbuchte im Dezember erneut ein dickes Auftragsplus: so groß wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Neugeschäft legte auch dank staatlicher Investitionen um 7,8 Prozent zum Vormonat zu. „Die deutsche Industrie steht vor einem Aufschwung“, erwartet der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Vor allem die Rüstungsindustrie, Infrastruktur und Klimainvestitionen profitieren. Werden Großaufträge ausgeklammert, fällt das Plus am Jahresende mit 0,9 Prozent zwar deutlich kleiner aus – aber auch dies war der vierte Zuwachs in Folge. Im weniger schwankenden Dreimonatsvergleich lag der Auftragseingang im vierten Quartal 2025 um insgesamt 9,5 Prozent höher als in den drei Monaten zuvor. Allerdings steht einem Boom in der Metallindustrie und bei Maschinenbauern eine schwache Entwicklung der Automobilhersteller gegenüber. Dagegen lief auch der Elektronikbereich gut. Comeback der Nebenwerte Als eines der wenigen deutschen Unternehmen profitiert der Chipzulieferer Suss Microtec vom KI-Halbleiterboom, neben Aixtron der wichtigste deutsche Chipausrüster. Der Konzern produziert Anlagen für verschiedene Schritte der Halbleiterfertigung. Bei FullField-UV-Scannern, die die gewünschten Strukturen auf die Wafer übertragen, ist Suss der weltweit einzige Produzent. Auch bei High-End-Photomaskenreinigungssystemen ist das Unternehmen unter den führenden Herstellern. Schon kleinste Verunreinigungen können ganze Chipchargen ruinieren. Die präzise Entfernung von Partikeln, Resten von Chemikalien und organischen Rückständen ist daher enorm wichtig. Beim sogenannten temporären Bonden, mittels dem verschiedene Bauelemente im Chip-Herstellungsprozess in einem Gehäuse verbunden werden, kommt Suss auf einen Marktanteil von 65 Prozent. 2026 plant Suss neue Produkteinführungen, die das Wachstum weiter ankurbeln dürften. 2027 soll die Produktoffensive weitergehen. Bis 2030 ist eine Umsatzverdopplung absehbar, die EBIT-Marge soll von 17 auf 22 Prozent ansteigen. Knorr-Bremse fährt wie auf Schienen Milliarden will die deutsche Regierung in den maroden Schienenverkehr investieren. Ein Profiteur wird Knorr-Bremse sein. Die Münchner liefern etwa für bis zu 90 neue Züge Brems- und Klimasysteme für die neue S-Bahn-Generation im Rheinland und im Ruhrgebiet. Erstmals orderte der französische Hersteller Alstom, Produzent des TGV, auch automatische Frontkupplungen. Folgeaufträge sind aufgrund der milliardenschweren Investitionsoffensiven im europäischen Schienenverkehr absehbar. An den Bayern kommt niemand vorbei: Mit über 50 Prozent sind sie mit Abstand Weltmarktführer bei Bahnbremsen. Dazu kommen SteuerungsDAX mit neuem Rekordhoch Dank positiver Konjunkturhoffnungen und guten Vorgaben aus den Überseebörsen konnten deutsche Standardaktien im Januar einen glänzenden Jahresstart hinlegen. Die Aussichten für 2026 bleiben gut. WOLFGANG REGNER ventile, intelligente Einstiegssysteme und Klimaanlagen. Vor kurzem kaufte Knorr die Schweizer Duagon Group, Spezialist für Steuerungslösungen und Signaltechnik, Profiteur der digitalen Transformation bei der Bahn. Mittelfristig peilt Knorr bei der EBITMarge die historische Bestmarke von 19 Prozent an. Nur der LKW-Bereich läuft derzeit noch recht schlecht. Wundersame Cash-Vermehrung bei VW Kurz vor dem Jahresende trieb der VW- Finanzvorstand noch sechs Milliarden Euro Cash auf – und sicherte seinen Vorstandskollegen damit ihre Boni. Allerdings nur dank – legaler – Kunstgriffe in der Bilanz. Zwar sind DAX . Neuer Rekord 26.000 25.000 17.000 20.000 21.000 22.000 23.000 24.000 18.000 19.000 16.000 2024 2025 42 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026

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