GELD-Magazin, Nr. 1/2026

Credit: beigestelt 30 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 Preissetzungsmacht, Inflation und Zyklen Ein zentrales Argument für Infrastruktur ist die Preissetzungsmacht. Kielkopf erklärt, dass „Gebühren häufig explizit an Konsumentenpreisindizes gekoppelt sind oder eine starke Verhandlungsmacht besteht“. Besonders hoch ist die Preissetzungsmacht bei Mautstraßen, Konzessionsflughäfen und Teilen des Schienen- und Pipeline-Segments. Bei regulierten Versorgern erfolgt die Inflationsweitergabe meist zeitverzögert über Tarifperioden, womit ein temporärer Margendruck möglich ist. Auswertungen von Pascal Kielkopf zeigen klare Zusammenhänge zwischen Inflations- und Zinsregimen in den USA und der Performance börsennotierter Infrastruktur: Bei niedriger Inflation unter zwei Prozent entwickelt sich Listed Infrastructure solide, aber schwächer als der Gesamtmarkt. Moderatere Inflation von zwei bis vier Prozent bringt leichte Outperformance, da inflationsindexierte Tarife wirken, ohne dass Zinsen restriktiv hoch sind. Hohe Inflation über drei bis vier Prozent führte historisch laut Kielkopf zu einer deutlichen Outperformance von globaler Listed Infrastructure von teils vier bis acht Prozentpunkten pro Jahr, da Gebühren und Tarife angepasst werden, während andere Sektoren unter Margendruck geraten. Auch das Zinsumfeld zählt. Historisch zeigt sich eine Outperformance gegenüber globalen Aktien in Perioden rückläufiger US-Renditen. In steigenden Zinsphasen bleibt die absolute Performance bei wachstumsgetriebenen Zinsanstiegen häufig positiv, fällt relativ gegenüber Growth-Aktien jedoch schwächer aus. In abrupten, inflationsgetriebenen Zinsanstiegen wie 2022 kam es zunächst zu Bewertungsdruck, bevor sich die Inflationsweitergabe zeitverzögert in den Cashflows niederschlug. Kielkopf verweist darauf, dass die relative Performance nach dem Ende eines Fed-Zinserhöhungszyklus bzw. in frühen Zinssenkungsphasen historisch signifikant positiv war. Performance-Treiber und aussichtsreiche Segmente „Insgesamt sehen wir die besten Wachstumsaussichten seit 20 Jahren, verbunden mit attraktiven Bewertungen und stabilen Renditen. Zu den wichtigsten strukturellen Themen zählen derzeit der steigende Strombedarf der Versorgungsunternehmen in den Industrieländern und mautpflichtige Straßen, die von der Notwendigkeit profitieren dürften, die Verkehrsüberlastung in vielen der größten Städte der Welt zu verringern“, so Sherlock und ergänzt: „Ein weiterer Faktor, der uns derzeit optimistisch stimmt, ist die rege M&A-Aktivität in diesem Sektor. Niedrigere Zinsen, erhebliche Kapitalzuflüsse aus privaten Infrastruktur- und Private-Equity-Fonds sowie eine wirtschaftsfreundliche Haltung in den Vereinigten Staaten schaffen in der Tat attraktive Chancen“. „Besonders optimistisch sind wir für USStromversorger“, so Sherlock weiter. Nach Jahren stagnierender Nachfrage steige der Stromverbrauch nun durch Rechenzentren, KI-Anwendungen, Reindustrialisierung und Elektrifizierung deutlich an. Auch nordamerikanische Güterbahnen bewertet sie positiv: „Neben den Vorteilen des Onshoring-Trends dürften die jüngsten M&AAktivitäten in diesem Bereich das Gewinnwachstum durch Verbesserungen der Zuverlässigkeit, schnellere Transitzeiten und Kosteneffizienz unterstützen“. MÄRKTE & FONDS . Infrastruktur „Insgesamt sehen wir die besten Wachstumsaussichten seit 20 Jahren, verbunden mit attraktiven Bewertungen und stabilen Renditen.“ Rebecca Sherlock, Portfolio Managerin der Global Listed Infrastructure Teams bei First Sentier Investors „Unsere Strategie wird mithilfe eines Anlageprozesses umgesetzt, bei dem Aktien nach Wert und Qualität bewertet werden, um Fehlbewertungen zu identifizieren. Wenn langfristige, strukturelle Treiber für das Gewinnwachstum identifiziert werden, spiegeln sich diese in den Discounted-Cashflow-Modellen wider, die die Wertbewertung der von uns abgedeckten Aktien untermauern“, erklärt Sherlock und ergänzt: „Sie fließen auch in die Qualitätsbewertung ein, und zwar anhand von Kriterien wie nachhaltiges Wachstum und Gewinnrisiko. Diese Faktoren dürften Aktien mit struktureller Ertragsunterstützung in unserem Anlageprozess zu einer höheren Gesamtbewertung verhelfen“. Hinzu kommen Recherchen vor Ort und eine Analyse politischer und regulatorischer Risiken. Übergewichtet sind derzeit Mautstraßen und Flughäfen. Geographisch sind laut Factsheet per Ende 2025 die USA mit 57 Prozent gewichtet, gefolgt von Australien (5,9 %) und Frankreich. Fondsbeispiel: First Sentier Global Listed Infrastructure (ISIN: IE00BYSJV039)

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=