I nfrastruktur umfasst reale, unverzichtbare Vermögenswerte wie Stromnetze, Pipelines, Mautstraßen, Flughäfen oder Funkmasten. Viele dieser Geschäftsmodelle sind reguliert oder langfristig vertraglich abgesichert und erlauben damit verlässliche Einnahmen sowie eine zumindest teilweise Weitergabe von Inflation. Rebecca Sherlock, Portfolio Managerin des Global Listed Infrastructure Teams bei First Sentier Investors, betont: „Infrastruktur besteht aus greifbaren Vermögenswerten, die grundlegende Dienstleistungen für die Gesellschaft erbringen. Regulierte oder vertraglich vereinbarte Geschäftsmodelle ermöglichen es vielen Unternehmen, zuverlässige Erträge zu erzielen und gleichzeitig Inflationsauswirkungen auszugleichen. Das Wachstum in diesem Bereich ist eher struktureller als zyklischer Natur und wird durch längerfristige Themen gestützt.“ Historische Performance Der S&P Global Infrastructure Index, der 75 große börsennotierte Infrastrukturunternehmen umfasst, erzielte seit 2002 eine jährliche Euro-Total-Return-Performance von rund 7,6 Prozent bei einer Volatilität von 14,5 Prozent und übertraf damit den MSCI World leicht. Seit Anfang 2009 performten die Infrastrukturaktien jedoch hinter dem Weltmarkt (8,8 Prozent pro Jahr vs. MSCI World mit 12,7 Prozent p.a.) – so eine Auswertung von Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust. Die Drawdowns fielen je nach Phase oft, aber nicht immer, tendenziell etwas geringer aus als beim MSCI World. Die sektorspezifischen Eigenschaften machten dabei meist den Unterschied. „Im Covid Crash folgte ein stärkerer Drawdown, da Segmente wie Transport und Versorger unter Lockdowns und Mobilitätseinschränkungen massiv litten“, so Kielkopf, und ergänzt: „Beim Inflationsanstieg 2022 war der Drawdown zunächst deutlich geringer, da Cashflows durch Inflationsindexierung und regulierte Tarife gestützt waren.“ 2023 folgte ein „verspäteter“ größerer Drawdown, da die steigenden Zinskosten erst mit Verzögerung die Margen belasteten. Der TrumpZollschock wirkte sich hingegen deutlich geringer aus. Innerhalb des Sektors zeigen sich laut Kielkopf deutliche Unterschiede: Energie-Midstream-Unternehmen (Pipelines, Speicher) profitierten stark von Phasen hoher Öl- und Gaspreise. Mautstraßen, Flughäfen und Schienenverkehr erzielten stabile bis sehr gute Total Returns, getragen von Urbanisierung und inflationsindexierten Konzessionen. Versorger lieferten stetige, aber moderatere Renditen, während Kommunikationsinfrastruktur wie Funkmasten und Glasfaser in den vergangenen zehn bis 15 Jahren zu den Outperformern zählte. Inflationsschutz mit Nebenwirkungen? Infrastrukturaktien bieten stabile Erträge und Preissetzungsmacht, reagieren aber sensibel auf Zinszyklen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Inflation, Regulierung und Finanzierungskosten. MICHAEL KORDOVSKY Credits: well/stock.adobe.com; beigestellt GLOBALE INFRASTRUKTURAKTIEN-FONDS ISIN FONDSNAME VOLUMEN PERF. 1 J. 3 JAHRE 5 JAHRE TER1) IE00B51PLJ46 Lazard Global Listed Infrastructure Equity 2.121 Mio.€ 26,7 % 43,1 % 78,7 % 0,99 % IE00BD4GTQ32 FTGF ClearBridge Infrastructure Value Fund 1.154 Mio.€ 13,6 % 27,0 % 59,4 % 1,97 % IE00BYSJV039 First Sentier Global Listed Infrastructure 705 Mio.€ 6,3 % 20,8 % 52,4 % 0,88 % LU0329760770 DWS Invest Global Infrastructure 2.492 Mio.€ 4,2 % 17,8 % 49,6 % 1,59 % LU0263855479 Partners Group Listed Infrastructure 423 Mio.€ 5,2 % 13,1 % 33,3 % 2,20 % LU1665237704 M&G (Lux) Global Listed Infrastructure Fund 1.257 Mio.€ 6,8 % 8,1 % 30,6 % 2,30 % Quellen: MountainView, (b)baha, Fondsgesellschaften; Erhebungsdatum: 10.02.2026; 1)Laufende Kosten laut Basisinformationsblatt „Beim Inflationsanstieg 2022 war der Drawdown zunächst deutlich geringer, da Cashflows durch Inflationsindexierung und regulierte Tarife gestützt waren.“ Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 29
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