GELD-Magazin, Nr. 1/2026

Credits: beigestellt/Archiv Der von KEPLER selbst entwickelte Sentiment-­ Indikator zeigte sich schon im November 2025 nicht mehr auffällig positiv. Daher wurde die Übergewichtung bei Aktien durch Gewinnmitnahmen auf neutral reduziert. KEPLER-Fondsmanagerin Marina Pawelka betont jedoch: „Wir bleiben weiterhin in Aktien investiert, für eine erneute Übergewichtung fehlen uns derzeit aber die überzeugenden Argumente.“ An den Anleihemärkten erachtet sie Hochzins‑Unternehmensanleihen sowie Emerging-Markets-Bonds trotz niedriger Risikoaufschläge als strategische Beimischung sinnvoll – allein aufgrund der attraktiven Zinskupons. „Besonders positiv beurteilen wir Emerging-Markets-Anleihen, wo zusätzliche Unterstützung durch weitere Zinssenkungen in den USA denkbar ist“, so Pawelka. Aktuell favorisiert KEPLER bei Aktien Value-Titel – also unterbewertete Unternehmen aus den Bereichen Finanzen, Industrie und Energie. „Um unsere Portfolios breiter aufzustellen und unabhängiger vom ausgeprägten Technologieboom zu agieren, haben wir gezielt Small Caps beigemischt. Damit erschließen wir zusätzliche Renditequellen und stärken zugleich die sektorale Diversifikation“, erläutert Pawelka. Rohstoffe allokiert KEPLER ausschließlich in jenen Portfolios, in denen sie strategisch vorgesehen sind. „Hier verfolgen wir einen klar diversifizierten Ansatz: ein ausgewogener Mix aus jeweils einem Drittel Edelmetallen, Industriemetallen und Energierohstoffen bildet die Basis. Zusätzlich ergänzt eine Goldposition das Portfolio“, erklärt die KEPLER-Fondsmanagerin. Ein Risiko, das ihres Erachtens aktuell unterschätzt wird, ist die zunehmend einheitlich positive Grundstimmung an den Märkten. „Unser Stimmungsindikator aus dem Bereich Behavioral Finance zeigt zwar nur eine leichte Tendenz zu Optimismus – von Euphorie kann keine Rede sein –, dennoch beobachten wir, dass positive Erwartungen fast zum Basisszenario geworden sind. In solchen Phasen bleibt eine gesunde Wachsamkeit daher aus unserer Sicht essenziell“, ist Pawelka überzeugt. In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit könnten klassische Staatsanleihen, die 2025 das Schlusslicht gebildet haben, ihre Funktion als stabilisierender Portfoliobaustein wieder unter Beweis stellen. „Aus antizyklischer Perspektive lohnt es sich daher, diese Anlageklasse wieder stärker in den Blick zu nehmen“, schließt Pawelka. Es könnte sich lohnen, nach Titeln Ausschau zu halten, die zuletzt von der Börse verschmäht wurden, etwa in defensiven Bereichen wie Basiskonsum und Gesundheit. Bert Flossbach, Gründer, Vorstand und Fondsmanager bei Flossbach von Storch, stellt unmissverständlich klar: „An unserer grundsätzlichen Ausrichtung wird sich nichts verändern. Der Fokus liegt auf liquiden Sachwerten, Aktien guter Unternehmen – und Gold. Angesichts der Preisrally des Edelmetalls haben wir einen Teil der Gewinne realisiert. Dessen Anteil am Fondsvermögen wird aber weitgehend stabil bleiben, da es sich um eine strategische Position handelt. Sie dient uns als Absicherung für Risiken im Finanzsystem.“ Das Chance-Risiko-Profil habe sich bei Bonds zuletzt eher verschlechtert. Denn die „Spreads“, also die Risikoaufschläge etwa bei Unternehmensanleihen oder staatlichen Bonds geringerer Bonität, seien derzeit in vielen Fällen zu niedrig. „Im Aktienbereich lassen die mit enormen Investitionen in den Ausbau der Künstlichen Intelligenz verbundenen Wachstumshoffnungen und Bewertungen vor allem im Tech-Sektor wenig Raum für Enttäuschungen. Zumal ihnen eine große Zahl solide aufgestellter Unternehmen mit moderaten Preisniveaus gegenübersteht. Viele dieser Firmen stammen aus eher defensiven Bereichen wie Basiskonsum oder Gesundheit. Das Wachstumspotenzial dieser Unternehmen ist zwar oftmals unspektakulär, die fundamentalen Risiken sind es allerdings auch“, ist Flossbach überzeugt. Die großen Indizes werden derzeit getrieben von wenigen Branchen, Titeln und Themen: In den USA von vermeintlichen KI-Profiteuren aus dem USTechnologiesektor, der für mehr als 40 Prozent des USGesamtmarktgewichts im Aktienbereich steht, oder – in Europa – von Rüstungsaktien und Banktiteln. „Wer sich mit Indexinvestments entsprechend positioniert, profitiert derzeit zwar überproportional, geht aber Klumpenrisiken ein“, warnt Flossbach. „In diesem Umfeld gilt es aus unserer Sicht, einen kühlen Kopf zu bewahren und breit zu diversifizieren – auch wenn eine solche Strategie derzeit (noch) hinter dem Markt zurückbleibt. So können Kapitalmarktrisiken reduziert werden, ohne dabei sämtliche Renditepotenziale opfern zu müssen. Chancen sehen wir derzeit in Geschäftsmodellen, die zuletzt von der Börse verschmäht wurden, etwa in den Bereichen Basiskonsum und Gesundheit.“ AKTIEN . Neue Chancen abseits des Technologiesektors GLOBALE AKTIEN . Risiko auf neutral reduziert MÄRKTE & FONDS . Experten-Umfrage 2026 „Die Konzentration auf vermeintliche KIProfiteure, Banken und Rüstung erscheint uns als Klumpenrisiko.“ Bert Flossbach, Gründer und Fondsmanager bei Flossbach von Storch „Wir erkennen aktuell eine zunehmend einheitlich positive Grundstimmung an den Finanzmärkten.“ Marina Pawelka, KEPLER Asset Allokation Team 26 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026

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