Favoritenwechsel in Sicht In den letzten Jahren haben die „Glorreichen Sieben“ der USA die Börsen eindeutig dominiert. Es mehren sich jedoch die Anzeichen, dass der breitere Aktienmarkt 2026 stärker performen könnte. Eine größere Branchen-Diversifikation ist gefragt. WOLFGANG REGNER (= Sonderzahlungen für jeden US-Bürger) wieder auszugleichen. Wie es hier weitergeht, aber auch welche Anlagechancen und Risken 2026 zu erwarten sind, hat das GELD-Magazin bei ausgewiesenen Experten nachgefragt. So herrscht etwa bei Vanguard ein ausgeprägter Konjunkturoptimismus vor. Chefökonom Joe Davis erwartet, dass die breitere Durchdringung der US-Wirtschaft mittels KI die meisten gängigen Prognosen über den Haufen werfen könnte. „In den kommenden fünf Jahren sehen wir eine 80‑Prozent‑Chance, dass das US-Wirtschaftswachstum deutlich von den KonsenserwarDie 3 Banken-Generali Investment erachtet eine Aufstellung mit einer Gleichgewichtung von Aktien und Anleihen mit je 45 Prozent sowie zehn Prozent in Rohstoffen für einen risikobewussten, aber soliden Zugang. „Wir sind für alle diese drei Segmente zuversichtlich; auch der Anleihebereich bringt gute Chancen, man muss sich aber etwas mutiger positionieren und auch Emerging-Market-Bonds berücksichtigen“, erklärt Fondsmanager Alois Wögerbauer. „Bei Aktien setzen wir thematisch zwei Zeichen. Erstens: Wir investieren beherzt in Emerging-Markets und empfehlen eine Gewichtung von zehn bis 15 Prozent des Aktienteils. Schwacher Dollar und tiefere US-Zinsen sollten dieses Segment unterstützen. Zweitens: Wir sehen weiterhin Aufholpotenzial bei europäischen Small- und Mid-Caps; speziell auch in Deutschland und Österreich. Rohstoffe werden auch 2026 eine attraktive Asset-Klasse sein. Wir empfehlen in einem Mischfonds eine Gewichtung im Bereich von fünf Prozent. Zuwenig Investments in neue Abbaumöglichkeiten sowie eine steigende Investorennachfrage treiben die Preise nach oben. Wir setzen vor allem auf die Industriemetalle um Kupfer. Was jene Risiken anbelangt, von denen wir denken, dass sie viele Investoren nicht oder noch zu wenig auf ihrem Radar haben, können wir festhalten, dass 2025 ein Jahr war, in dem die langlaufenden Staatsanleihen (30 Jahre) in vielen Ländern wie Großbritannien, USA, Frankreich und vor allem Japan neu gepreist wurden; die Renditen sind massiv angezogen, das heißt, die Kurse der Anleihen sind gefallen, denn die Finanzmärkte haben diesen Staaten aufgrund ihrer hohen Verschuldung sozusagen die ‚Gelbe Karte‘ gezeigt. Eine Fortsetzung dieses Trends würde früher oder später auf die breiten Kapitalmärkte negativ abfärben. Es gibt aber auch weiterhin Chancen, die von vielen Anlegern immer noch unterschätzt werden.“ So sieht Wögerbauer etwa einen globalen „Debasement-Trade“. Aus Furcht vor Währungsabwertungen gibt es Kapitalflüsse heraus aus Staatsanleihen und Papierwährungen und hinein in reale Assets wie Aktien, Gold und Rohstoffe. „Dieser Trend wird anhalten und dürfte auch weiterhin zu strukturell höheren Bewertungen im Aktienbereich führen. Bei Staatsanleihen sollte man daher dem Faktor Qualität besonderes Augenmerk schenken“, meint Wögerbauer. SMALL & MID CAPS-AKTIEN . Weiterhin Aufholpotenzial in Europa „Im Anleihebereich sehen wir Chancen, etwa bei EmergingMarket-Bonds.“ Alois Wögerbauer, Fondsmanager und Geschäftsführer der 3 BankenGenerali Investment-GmbH I m abgelaufenen Börsenjahr wurden die Aktien- und Anleihemärkte zwar durch ein Zoll-Chaos und Donald Trumps abenteuerliche geopolitische „Ideen“ zeitweise kräftig durchgeschüttelt, doch wegen miserabler Umfragewerte und der dieses Jahr anstehenden Zwischenwahlen in den USA blieb dem US-Präsidenten nichts anderes übrig, als einen Rückzieher nach dem anderen zu machen. Klar ist: Der unbeliebteste „Commander in Chief“ seit vielen Jahren muss alles daransetzen, die amerikanische Konjunktur anzukurbeln und die zollbedingten Preiserhöhungen mittels „Helikoptergeld“ tungen nach oben hin abweichen und die Finanzmärkte positiv, die Zentralbanken jedoch negativ überraschen könnte“, meint Davis. Allerdings müsste in einem solchen Szenario wohl der Großteil aller Zinssenkungshoffnungen abgeschrieben werden. Dies würde die dafür besonders sensitiven US-Technologiewerte hart treffen, dafür jedoch viele „Old-Economy-Titel“, besonders jene aus konjunkturzyklischen Bereichen, beflügeln. Ein Favoritenwechsel zeichnet sich derzeit bereits ab, wie der abgelaufene Januar gezeigt hat. Alle weiteren Einschätzungen finden sich auf den folgenden Seiten. Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 25
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