in der Vergangenheit gesehen, dass wir immer wieder Alternativen gefunden haben. Diese sind jedoch derzeit noch nicht so greifbar, weil im Bereich der Technologie die USA dominieren. Trotzdem gibt es in Europa starke Bereiche, wie Pharma oder Chemie, die weiterhin erfolgreich sein werden. In diesen Bereichen sind wir auch China überlegen, was man auch an den Exportzahlen sieht. Auch im Kfz-Bereich sind wir nicht gänzlich erfolglos, was Innovationen betrifft. Aber diese Bereiche werden weniger bedeutsam in einer Dienstleistungswelt, in der Produktivitätssteigerungen schwieriger zu erzielen sind als etwa im Industriebereich. Auch die Exporte gingen zuletzt zurück – warum sollte sich das bessern? Relativ zu Deutschland haben wir den Wettbewerbsnachteil durch Produktivitätssteigerungen und geringere Lohnabschlüsse wieder aufgeholt. Wir werden daher in einigen Bereichen wieder den Marktanteil zurückgewinnen, den wir verloren haben, speziell in Europa, wo auch die Nachfrage wieder ansteigen sollte. Das erlaubt einen leichten Optimismus. Das Problem im vergangenen Jahr war, dass die Importe deutlich stärker gestiegen sind als die Exporte, und so hatten wir einen negativen Beitrag zum BIP. Welche Rolle spielen die US-Zölle in der Kalkulation? Sechs Prozent unserer Industriewertschöpfung geht in die USA. Daher kostet die rigorose US-Zollpolitik am Ende rund einen Viertel Prozentpunkt und 10.000 Arbeitsplätze. Aber nicht nur die Zölle, sondern der starke Euro haben einen Effekt auf die Außenhandelsbilanz. Insgesamt ist die Gesamtwirtschaft in Österreich zu drei Prozent von den USA abhängig, aber 97 Prozent eben nicht – und dort spielt sich das Wachstum auch ab. Vor allem, wenn wir wieder an den Bau und den Konsum denken. Wenn diese Themen nicht so laufen, dann sind die Prognosen zu optimistisch. Und warum sollten sie so laufen? Beim Bau haben die Nullzinsen und die Migration in den Jahren vor Corona zu einem Boom geführt. Bei den Zinsen gab es wiederum zwei Aspekte. Einerseits konnten sich mehr Leute einen Kredit leisten und zweitens wurde die Immobilie als Veranlagungsinstrument genutzt, weil alternative Veranlagung in Zinsprodukte unattraktiv war. Dieses Segment wird sich im Wesentlichen nicht verbessern. Die Alternative ist derzeit eine Verzinsung von zwei Prozent im FixedIncome-Bereich und das kann man mit einer Immobilieninvestition momentan schwerer erwirtschaften. Dieses Segment wird auch nicht so schnell zurückkehren. Aber die Immobilienkäufe sind deutlich gestiegen, auch weil Immobilienpreise viel weniger gestiegen sind als die Löhne. Der Konsum wiederum wird durch die sinkende Inflationsrate unterstützt. Wir erwarten 2,4 Prozent in diesem Jahr. Eine niedrige Inflation sollte die Sparquote ein wenig nach unten bringen, was nicht nur positive Effekte für den Konsum, sondern auch im internationalen Wettbewerb hat. Was bringt uns der Mercosur-Abschluss? Der Mercosur-Abschluss bringt etwas, aber er kann die USA nicht ersetzen. Sechs Prozent der Industriewertschöpfung geht in die USA und rund 0,7 Prozent in den MercosurRaum. Mittelfristig wird es aber für Österreich ein Nettowachstum bringen. Der Abschluss ist wichtig, da das globale Handelssystem stark unter Druck steht und die WTO zahnlos geworden ist. Umso wichtiger ist es, Alternativen zu finden, die die Abhängigkeit von den USA verringern – auch aus psychologischen Gründen. Am Ende des Tages müssen alle Länder, die zwischen den USA und China leben, versuchen, zusammenzuarbeiten, ansonsten werden sie aufgerieben. Wie können wir dabei noch auf unsere Umwelt achtgeben? Da ist sicher das große Thema, wie wir in den nächsten Jahren mit dem Thema CO2 umgehen. Sind wir innovativ, können wir im Wettbewerb erfolgreich sein. Aber die großen Stahlkocher und Grunderzeuger der Welt werden wir in Europa nicht mehr sein. www.bankaustria.at Es gibt zwar eine Erholung, aber nicht in einem Tempo, das wir auf Dauer als angenehm empfinden. ZUR PERSON Geboren in Ried im Innkreis studierte Stefan Bruckbauer Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz. Er war lange Jahre als Lektor für Volkswirtschaftstheorie an der Uni Linz und als Lektor an der Fachhochschule für Bank- & Finanzwirtschaft Wien tätig. Seit 2009 ist Bruckbauer Leiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria und Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria. Sein Arbeitsschwerpunkt sind die Wirtschaft Österreichs, der Finanzmarkt allgemein, CEE und die EU, der Euro, der Bankenmarkt in Österreich und in der EU. Er ist auch gerne als Vortragender gesehen, zuletzt beim IIC des GELD-Magazins. Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 17
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