GELD-Magazin, Nr. 1/2026

Miniwachstum Nach dem längsten Abschwung der Zweiten Republik 2023 und 2024 sieht das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) „Licht am Ende des Tunnels“. Nach 0,5 Prozent Wachstum 2025 wurde für dieses Jahr eine Steigerung von einem Prozent prognostiziert. Folgen Sie der WIFO-Prognose von einem Prozent BIP-Plus 2026? Ja, grundsätzlich war es so, dass ein Teil der konjunkturellen Schwäche Österreichs, auch im Vergleich zu europäischen Ländern, stark vom Bau geprägt war. In der Bauwirtschaft findet nun eine Normalisierung statt, damit stabilisiert sich auch das Wachstum. Der Konsum sollte heuer auch besser laufen und so kommen wir auf rund ein Prozent Wachstum für 2026. Das könnte auch so weitergehen. Ist ein Prozent Wachstum genug? Wahrscheinlich nicht. Ja, es gibt zwar eine Erholung, aber nicht in einem Tempo, das wir auf Dauer als angenehm empfinden werden. Wir wünschen uns mehr Wachstum. Und wie könnten wir das bekommen? Indem wir wettbewerbsfähiger werden. Schaffen wir das? Nein, ich denke nicht. Ist das nun ein düsterer Ausblick? Nein, meine ich im Sinne von: Wir sehen es noch nicht, wie wir es schaffen können. Es gibt zwar Ansätze und Strategien, bei denen man über den Standort Europa nachdenkt, aber das ist ein gesamteuropäisches Thema. Welche Herausforderungen sehen Sie für den Standort? Es gibt zwei Herausforderungen. Auf der einen Seite im traditionellen Güterbereich, wo Asien respektive China mit niedrigen Löhnen und Wechselkursen agiert und gleichzeitig in der Qualität deutlich aufgeholt hat. Dort gibt es bessere strukturelle Voraussetzungen, um im traditionellen Güterbereich erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite steht der immer bedeutsamere Handel mit IT- und AI-Dienstleistungen, wo wir in Europa noch immer nicht gut aufgestellt sind. Diese zwei Aspekte belasten die zukünftige Verbesserung unseres Wohlstands. Das heißt nicht, dass wir in den Abgrund stürzen und verarmen, aber der Ausbau des Wohlstands wird erschwert. Sind die aktuellen BIP-Zuwächse nur vorübergehender Optimismus? Für die großen Unternehmen bin ich etwas optimistischer als für den Standort Österreich selbst, weil diese sich besser anpassen können, z.B. mit dem Aufbau von Standorten außerhalb von Europa. Wir haben auch Der Chefökonom der Bank-Austria Stefan Bruckbauer im Gespräch mit dem GELD-Magazin über den Ausblick der österreichischen Wirtschaft für 2026 und darüber hinaus. CHRISTIAN SEC Credit: beigestellt/Archiv 16 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 INTERVIEW . Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria

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