Welche Märkte & Branchen 2026 die höchsten Renditen versprechen! DIE BESTEN TIPPS DER ANLAGEPROFIS Österreichische Post AG | MZ 03Z035262 M | 4profit Verlag GmbH, Rotenturmstraße 19/1/29 B, 1010 Wien | Ausgabe Nr. 1/2026 | 6,90 Euro Finanzpolitik + Volkswirtschaft + Länder- und Branchenanalysen + Banking + Investmentfonds + Aktien + Immobilien + Rohstoffe + Blockchain + Alternative Investments + Versicherungen DAS MAGAZIN FÜR WIRTSCHAFT, POLITIK & INVESTMENTPRODUKTE Strategien zum Erfolg Expansion der USA Mit unschönen Methoden will Donald Trump die USA "Great Again" machen. Welche Gefahren daraus für die Welt entstehen. Börse Wien Nach fulminanten Kursanstiegen. Welche Aktien noch Potenzial haben und welche Sie besser meiden sollten. Immo-Finanzierung Sichern Sie sich noch niedrige Zinsen bei Hypothekarkrediten und sparen Sie damit viel Geld! Alternative Investments Award 2026 Alle Gewinner ab Seite 58.
Langweilig stark. www.arts.co.at [email protected] Diese Marketingmitteilung dient unverbindlichen Informationszwecken und stellt kein Angebot/Aufforderung zum Kauf/Verkauf von Fondsanteilen dar, noch ist sie als Aufforderung anzusehen, ein Angebot zum Abschluss eines Vertrages über eine Wertpapierdienstleistung/Nebenleistung abzugeben. Dieses Dokument kann eine Beratung durch Ihren persönlichen Anlageberater nicht ersetzen. Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Jede Kapitalveranlagung ist mit einem Risiko verbunden. Kurse können sowohl steigen als auch fallen. Grundlage für den Kauf von Fondsanteilen ist der gültige Verkaufsprospekt, das Basisinformationsblatt (PRIPPs – KID) sowie der Jahresbericht und, falls älter als acht Monate, der Halbjahresbericht. Diese Unterlagen stehen dem Interessenten bei der Kapitalanlagegesellschaft Ampega Investment GmbH, Charles-de-Gaulle-Platz 1, D-50679 Köln, ARTS Asset Management GmbH, Schottenfeldgasse 20, A-1070 Wien, und am Sitz der Zahl- und Informationsstelle in Deutschland, Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Kaiserstraße 24, D-60311 Frankfurt am Main, sowie unter www.ampega.de, www.arts.co.at kostenlos in Deutsch zur Verfügung. Trends können sich ändern und negative Renditeentwicklungen nach sich ziehen. Ein trendfolgendes Handelssystem kann Trends über- oder untergewichten. Informationen über Bandbreiten für marktübliche Entgelte der Wertpapierfirmen sind unter www.fma.gv.at veröffentlicht. C-QUADRAT ARTS Total Return Bond 1. Platz – Österreichischer Dachfonds Award 2025 des GELD-Magazins über 1, 3 und 5 Jahre
Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 3 Die Korrektur bei vielen US-Tech-Werten kam nicht ganz überraschend. Die hohen Investitionen in KI und Rechenzentren verschlingen praktisch deren gesamte Free Cashflows. 2025 investierten alleine die „Magnificent Seven“ 400 Milliarden Dollar in den Aufbau von KI-Infrastruktur, 2026 sind weitere 600 Milliarden Dollar geplant. Die Frage ist, ob sich die hohen Investitionen rechnen werden, oder, ob die nun folgenden Abschreibungen zu Gewinnrückgängen führen und damit die noch immer hohen Bewertungen nicht gerechtfertigt sind. Positiv ist es hingegen für die Marktbreite, Anleger schichten zunehmend von Technologie- zu Value-Werten und Small Caps um – was weniger eine Fluchtreaktion ist als ein zunehmendes Vertrauen in die wirtschaftliche Erholung. In den USA lag das BIP-Wachstum zuletzt bei etwa vier Prozent, auch in Europa werden heuer wieder reale Zuwächse im Bereich von ein bis 1,5 Prozent erwartet. Hintergrund sind eine lockerere Geldpolitik und KI-getriebene Produktivitätssteigerungen, die zu höheren Unternehmensgewinnen führen. In den USA werden heuer im Laufe des Jahres noch zwei bis drei Zinssenkungen erwartet. Als „Goldilocks-Szenario“ sind das genau die Bedingungen, die viele zuvor vernachlässigte Small Caps, zyklische Werte (Banken, Energie, Industrie und Rohstoffe), Schwellenländer- und Value-Aktien begünstigen. Aber lesen Sie selbst ab Seite 24, wie sich Anlageprofis im Jahr 2026 positionieren – eine Nachahmung ist durchaus empfehlenswert. Wie jedes Jahr untersuchten wir auch heuer wieder den Markt für Alternative Investments – Hedge- und Strategiefonds, Immobilien(aktien)fonds sowie Rohstoff(aktien)investments – und zeichneten aus den insgesamt rund 500 Produkten im Rahmen des Alternative Investments Award 2026 die besten aus. All jene, die über drei, fünf und zehn Jahre die höchsten risikoadjustierten Erträge erzielen konnten. Die Kategorie „Private Equities“ kam neu hinzu, nachdem zunehmend viel Kapital in dieses Segment geflossen ist und nun ausreichend viele Fonds für eine Bewertung zur Verfügung stehen. Wir wünschen Ihnen mit den zahlreichen Anlagetipps in dieser Ausgabe des GELD-Magazins viel Erfolg. Mario Franzin, Chefredakteur GELD-Magazin Attraktives Umfeld editorial impressum MEDIENEIGENTÜMER UND HERAUSGEBER 4profit Verlag GmbH · MEDIENEIGENTÜMER-, HERAUSGEBER- UND REDAKTIONSADRESSE Rotenturmstraße 19/1/29B, 1010 Wien · T: +43/676/570 95 10 · E: [email protected] · GESCHÄFTSFÜHRUNG Snezana Jovic, Mario Franzin · CHEFREDAKTEUR Mario Franzin REDAKTION Mario Franzin, Michael Kordovsky, Wolfgang Regner, Moritz Schuh MSc, Mag. Christian Sec · LEKTORAT Mag. Rudolf Preyer · GRAFISCHE LEITUNG Noura El-Kordy · COVERFOTO mamasudhossen/stock.adobe.com · DATENANBIETER Lipper Thomson Reuters*, Morningstar · VERLAGSLEITUNG Snezana Jovic · BACKOFFICE & ONLINE REDAKTION Ivana Jovic · MARKETING & ANZEIGENVERKAUF Dr. Anatol Eschelmüller · IT-MANAGEMENT Oliver Uhlir · DRUCK Berger Druck, 3580 Horn, Wiener Str. 80 · VERTRIEB PGV Austria, 5412 Puch, Urstein Süd 13. www.geld-magazin.at ABO-HOTLINE: +43/699/1922 0326 · [email protected] * Weder Lipper noch andere Mitglieder der Reuters-Gruppe oder ihre Datenanbieter haften für Fehler, die den Inhalt betreffen. Performance-Ranglisten verwenden die zur Zeit der Kalkulation verfügbaren Daten. Die Beistellung der Performance-Daten stellt kein Angebot zum Kauf von Anteilen der genannten Fonds dar, noch gilt sie als Kaufempfehlung für Investmentfonds. Für Investoren gilt es zu beachten, dass die vergangenen Performancewerte keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen. FOTO: ivanashoots.com
BRENNPUNKT 06 Kurzmeldungen Mercosur: EU-Bürokratie schlägt zu + Ernährungstrends: Billionen-Markt. 08 Grönland-Konflikt Trump will seinen Machtbereich ausdehnen – so ist er aufzuhalten. 12 Künstliche Intelligenz KI bringt in der Geldanlage einige Vorteile, wahre Wunder darf man sich aber (noch) nicht erwarten. WIRTSCHAFT 14 Kurzmeldungen Industrie Österreich: Optimismus flammt auf + Deutschland: BIP zieht leicht an. 16 Interview Stefan Bruckbauer Der Chefökonom der Bank Austria wirft einen Blick auf Österreichs Wirtschaft 2026 – und darüber hinaus. BANKING 18 Kurzmeldungen Banken-Trends: Wichtiges Jahr + Kredite: Nachfrage gestiegen. 20 Immobilienkredite Was heute für die Finanzierung des Eigenheims entscheidend ist. MÄRKTE & FONDS 22 Kurzmeldungen Dividenden-Titel: Attraktiv + TechnologieAktien: Unter Druck. 24 Experten-Umfrage Börsen-Profis meinen: „Jetzt ist wieder mehr Branchen-Diversifikation gefragt.“ 28 Infrastruktur Investments mit stabilen Erträgen, Preissetzungsmacht und Inflationsschutz. 32 Emerging Markets Im aktuellen Umfeld spricht vieles für Anleihen aus Schwellenländern. 34 Rohstoff-Radar Edelmetalle: Crash! + Öl: Politischer Markt. AKTIEN 36 Kurzmeldungen Voestalpine: Ergebnis gesteigert + Polytec: Kurssturz durch falsche Analyse! Ausgabe Nr. 1/2026 inhalt Offenlegung gemäß §25 Med.G. GELD-Magazin erscheint 5x jährlich Medieneigentümer: 4profit Verlag GmbH, 1010 Wien, Rotenturmstraße 19/1/29 B T: 0043/699/1922 0326, E: [email protected]; www.geld-magazin.at Eigentümer der Gesellschaft: Mario Franzin, Snezana Jovic; Geschäftsführer: Mario Franzin, Snezana Jovic Chefredakteur: Mario Franzin Verlagspostamt: A-1010 Wien, Fleischmarkt 19 Unternehmensgegenstand: a) Die Herausgabe von periodischen Druckwerken, insbesondere von Publikumszeitschriften im Themenbereich „Finanzmarkt“, deren Produktion als Medieninhaber und Verleger, der Verlag von Druckwerken und Büchern sowie die vertragliche Erbringung von Verlagsfunktionen gegenüber Dritten einschließlich der Gestaltung von Medien und anderen Druckwerken, deren Anzeigenverwaltung und Anzeigenakquisition, des Drucks und des Vertriebs. b) Der Buch-, Kunst- und Musikalienhandel sowie die Verwertung von Urheberrechten, Ausführungsrechten und verwandten Schutzrechten. c) Die Ausstellungsgestaltung und -verwertung, die Organisation von Veranstaltungen, die Verwertung von Verlagsrechten und jedweden Lizenzrechten, die geeignet sind, dem Geschäftsgegenstand dienlich zu sein. d) Die Beteiligung an Unternehmen jedweder Art, die geeignet sind, dem Geschäftsgegenstand dienlich zu sein, insbesondere an Verlagen und Medienunternehmen. Erklärung über die grundlegende Richtung: Unabhängige Wirtschaftszeitschrift zur Information der Leser speziell im Themenbereich „Geldanlage“. Das Copyright der Artikel liegt beim 4profit Verlag. Namentlich gezeichnete Beiträge müssen sich nicht mit der Meinung der Redaktion decken. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Bilder kann keine Haftung übernommen werden bzw. es entfallen sämtliche Honoraransprüche. Rücksendungen erfolgen nur gegen beiliegendes Rückporto. Titel und Leads stammen in der Regel von der Redaktion. Credits: mamasudhossen & well/stock.adobe.com; Archiv/beigestellt Ökonom Bruckbauer: „Österreich kommt heuer auf rund ein Prozent Wachstum.“ Seite 16 4 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026
38 Weltbörsen Europa: EZB hält Zinsen stabil +USA: FEDNominierung überrascht. 40 Anlagetipps AstraZeneca: Profiteuer + Linde: Tech-Fantasie + Richemont: Schweizer Luxus. 42 Börse Deutschland Der DAX startet glänzend ins neue Jahr – die Aussichten bleiben gut. 44 Börse Wien Nach dem ATX-Boom 2025 erscheinen manche Titel jetzt etwas ausgereizt. IMMOBILIEN 48 Kurzmeldungen Neubau: Starker Rückgang + Investmentmarkt: Institutionelle kaufen wieder. VERSICHERUNG & VORSORGE 50 Kurzmeldungen Pensionskassen: Gutes Ergebnis + Wiener Städtische: Neue Ablebensversicherung. 51 FLV-Listing Der monatliche Überblick zu fondsgebundenen Lebensversicherungen. 52 Finanzplanung Fondsgebundene Lebensversicherungen und ETF-Strategien werden in der privaten Vorsorge immer wichtiger. BLOCKCHAIN 54 Kurzmeldungen Bitpanda: Börsengang geplant + Binance: Bitcoin als Reservewährung. 56 Stablecoins Banken, Kryptounternehmen und Washington ringen um den Clarity Act – und damit um die Kontrolle über die nächste Generation digitaler Vermögenswerte. ALTERNATIVE INVESTMENTS AWARD 2026 58 Ehre, wem Ehre gebührt Alternative Investments weisen zumeist eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen auf. Außerdem punkten gerade in volatilen Zeiten viele Fonds mit stabilen Renditen. Das GELD-Magazin zeichnet in langer Tradition auch 2026 wieder die besten Produkte am Markt aus. 74 Buchtipps Christopher Blattman: Warum wir Kriege führen + Herfried Münkler: Imperien. COVERSTORY Experten-Tipps: Börsenprofis verraten dem GELD-Magazin, welche Investments 2026 das Rennen machen. Seite 24 INFRASTRUKTUR Der Bau-Boom hat erst begonnen. Seite 28 Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 5
6 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 BRENNPUNKT . Kurzmeldungen Credits: beigestellt/Archiv; Towering Goals & PX Media/stock.adobe.com;pixabay Versorger Entscheidend für KI-Boom Wertvolle Energie. Der globale KI-Boom entscheidet sich vor allem im Stromnetz. Während Hyperscaler Rechenleistung skalieren, schaffen Energieversorger die physische Grundlage: Stromerzeugung, Netze und Verteilinfrastruktur. Marc Decker, Co-Leiter Aktien bei der Quintet Private Bank: „Unsere Analyse des europäischen und US-amerikanischen Marktes zeigt, dass KI weniger ein Digitalthema als ein Infrastrukturprojekt ist.“ In den USA wächst die Stromnachfrage so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Studien zufolge könnten KI-Rechenzentren ihren Anteil am US-Stromverbrauch von heute rund vier bis fünf auf etwa acht bis zwölf Prozent bis 2030 erhöhen. Das entspricht dem zusätzlichen Energiebedarf von mehr als 20 Millionen Haushalten. Namasté. Die Europäische Union und Indien haben sich am 27. Jänner 2026 auf ein umfassendes Handelsabkommen geeinigt. Mit dem geplanten Vertrag soll ein Großteil der bestehenden Zölle und handelspolitischen Hürden abgebaut werden. Indien ist einer der dynamischsten Wachstumsmärkte und der bevölkerungsreichste Staat weltweit. „Das EU-Indien-Abkommen eröffnet der österreichischen Industrie zusätzliche Exportmöglichkeiten und stärkt ihre Position in globalen Wertschöpfungsketten“, sagt dazu Stefan Bruckbauer, Chefökonom der UniCredit Bank Austria. Österreich exportierte im Jahr 2024 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro in den Subkontinent, das sind 0,7 Prozent der gesamten Ausfuhren. Maschinen, Elektronik und synthetische Fasern zählen zu den wichtigsten Exportgütern. Oberösterreich war mit 445 Millionen Euro das exportstärkste Bundesland, gefolgt von der Steiermark (231 Mio. Euro) und Vorarlberg (149 Mio. Euro). Durchschnittliche Zölle von über 12 Prozent (gewichtet mit dem Exportvolumen) auf österreichische Exporte belasten derzeit insbesondere die KFZ-Industrie, den Getränkesektor sowie Teile des Maschinenbaus. Indien - EU: Wichtiger Schritt Optimismus. Trotz großer geopolitischer Risiken und des kräftigen Gegenwinds aus Übersee durch Trumps Zölle und Chinas subventionierte Exportoffensive ist die Wirtschaft in der Eurozone im vergangenen Jahr solide gewachsen. Sechs Gründe sprechen laut einem Bericht von Berenberg dafür, dass die Konjunktur in der Eurozone in diesem Jahr sogar noch etwas besser abschneiden könnte als 2025. Hierzu zählen (hoffentlich) weniger Störfeuer aus dem Weißen Haus, die lockere Geldpolitik der EZB, der nachlassende Energiepreisschock, ein robuster Arbeitsmarkt, eine etwas stabilere Lage in Frankreich sowie der deutsche Fiskalimpuls. Somit könnte die Eurozone im heurigen Jahr sogar ein Wachstum leicht über ihrer Trendrate von 1,2 Prozent erreichen. Dank einer robusten Binnennachfrage kann sich das Wachstum im Jahr 2027 sogar auf 1,5 Prozent beschleunigen. Als Reaktion auf dieses Wachstum oberhalb der Trendrate dürfte die EZB ihren Einlagensatz ab Mitte 2027 von seinem derzeitigen Tiefstand von zwei auf einen weitgehend neutralen Wert von drei Prozent bis Anfang 2028 anheben. DIE ZAHL DES MONATS 1,5 % Billionen-Geschäft. Das GELD-Magazin hat bereits berichtet: Die Robotik steht 2026 an einem Wendepunkt, der weit über klassische Maschinenbauzyklen hinausgeht. Absehbar ist eine Verschmelzung von KI, Sensorik, Daten und physischer Aktorik. Das bedeutet den Eintritt der KI in die „Physical Economy“ (sozusagen von der virtuellen in die reale Welt). Auch Mike Glöckner, Analyst für den Technologiesektor bei DJE Kapital, meint: „Wie bei der Elektrifizierung, dem Internet oder dem Smartphone geht es um eine Basistechnologie, die ganze Branchen umbaut.“ Entsprechend groß sind die Erwartungen: Morgan Stanley prognostiziert, dass sich der weltweite Robotik-Umsatz von heute rund 100 Milliarden Dollar bis 2035 auf etwa 2,6 Billionen Dollar (das 25-Fache) erhöhen und bis 2050 weiter auf rund 25 Billionen Dollar (das Zehnfache ab 2035) steigen wird. Das entspräche rund 20 Prozent des heutigen weltweiten BIP von rund 115 Billionen Dollar. Physical AI: Die nächste Revolution Mike Glöckner, Analyst für den Technologiesektor bei DJE Kapital
Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 7 Riesiger Markt. Die globale Lebensmittelwirtschaft befindet sich in einer der tiefgreifendsten Umbruchsphasen ihrer Geschichte. Bis 2035 entsteht durch grundlegende Veränderungen im Anbau, Verkauf und Konsum von Lebensmitteln ein Marktvolumen von etwa 3,1 Billionen Dollar in innovativen Wachstumsfeldern, die viermal schneller wachsen als die Branche insgesamt. Das zeigt die aktuelle Studie „Future of Food 2.0“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. Überträgt man das globale Wachstum auf die österreichische Marktgröße, ergeben sich hierzulande Wachstumschancen von bis zu 9,3 Milliarden Dollar. Getrieben wird die Transformation insbesondere durch drei Tiefenströmungen: den derzeitigen Gesundheitsboom, das Bedürfnis vieler Kunden nach schneller und bequemer Lebensmittelversorgung, sowie Klimarisiken – zusätzlich gepaart mit Technologiesprüngen und Künstlicher Intelligenz. Ernährung: Gesunder Trend Unendliche Geschichte. Über 25 Jahre lang verhandelten die EU und die Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) über ein umfassendes Handelsabkommen. Im heurigen Jänner schien dann endlich der Durchbruch geschafft – der Vertrag wurde unterzeichnet. Doch zu früh gefreut: Das Europäische Parlament hatte bald darauf den Europäischen Gerichtshof beauftragt, zu prüfen, ob das Abkommen mit den EU-Verträgen vereinbar ist. Ein knappes Votum mit 334 Ja- und 324 Nein-Stimmen sowie elf Enthaltungen. Aus Österreich sprachen sich ein Vertreter der ÖVP sowie Abgeordnete von Grünen und FPÖ gegen das Abkommen aus. Eine bemerkenswerte „Mischung“. Zusammengenommen bilden die Mercosur-Länder mit einer Gesamtbevölkerung von 270 Millionen Menschen die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Mit dem Abkommen soll eine neue Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern geschaffen werden. Mercosur: Das Parlament schlägt zurück Vorsichtige Positionierung. Staatsanleihen sind mit Rückenwind ins neue Jahr gestartet, wie geht es jetzt weiter? Anhaltend hohe Short-Positionierungen sowie wachsende Sorgen um die fiskalische Disziplin großer Volkswirtschaften haben die Renditen am langen Ende spürbar nach oben getrieben. Vor dem Hintergrund steiler werdender Zinskurven rückt der Roll-down-Effekt stärker in den Fokus und lässt Staatsanleihen laut dem Vermögensverwalter Bantleon als Ertragsalternative zu Dividendenaktien erscheinen. (Roll-down tritt ein, wenn sich die Restlaufzeit von Anleihen im Zeitverlauf verkürzt und ihre Rendite durch die positive Kurvensteilheit fällt.) Charttechnisch bleibt das Umfeld für US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen laut den Bantleon-Experten jedoch vorerst angespannt. Auch die Konjunkturentwicklung spreche eher für weiter steigende Anleihenrenditen. Diese Gemengelage lege eine vorsichtige Positionierung im mittleren und langen Laufzeiten-Segment nahe. Anleihen: Renditen steigen Europa profitiert. Institutionelle Anleger weltweit passen ihre Investmentansätze neu an, da drei starke Megatrends – Künstliche Intelligenz, Energiewende und Deglobalisierung – die Weltwirtschaft neu ordnet. So eine aktuelle Studie von Nuveen. Und noch ein weiterer Faktor kommt ins Spiel: Fast alle Befragten (91 %) nahmen aufgrund von Handels-, Zoll- und geopolitischen Themen im Jahr 2025 Änderungen an ihrem Portfolio vor. Unter den Investoren, die ihr Kapital nach Regionen umschichteten, erhöhte mehr als ein Drittel (36 %) ihr Engagement in Europa, was eine strategische Verlagerung hin zur stärkerer Diversifizierung angesichts erhöhter Unsicherheit widerspiegelt. Etwa acht von zehn Anleger planen außerdem, ihre Allokationen in Private Markets in den nächsten fünf Jahren zu erhöhen. Nuveen-Expertin Harriet Steel: „Das Ausmaß und das Tempo des Zuflusses von institutionellem Kapital in private Märkte ist weiterhin beträchtlich.“ Zölle: Portfolios im Wandel Harriet Steel, Global Head of Institutional Distribution bei Nuveen
BRENNPUNKT . Geopolitik 8 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 Eiszeit: Die Vereinigten Staaten nehmen nicht nur Grönland ins Visier.
TACO: Trump always chickens out, also „Trump kneift immer“, ist zum geflügelten Spruch in der Politik und an den Finanzmärkten geworden. Verlassen darf man sich aber auf diese „Weisheit“ nicht, wie der Fall Venezuela drastisch vor Augen geführt hat. In einer Nacht-undNebel-Aktion zum Jahresauftakt 2026 hatten die USA den Langzeit-Autokraten Nicolás Maduro gekidnappt (Operation „Absolute Resolve“), er wartet nun auf seinen Prozess. Das war nicht das einzige militärische Muskelspiel Trumps in der jüngeren Vergangenheit: In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 2025 griffen sieben amerikanische Bomber im Rahmen der Operation „Midnight Hammer“ die drei zentralen Nuklearfertigungsstätten des Iran an. Insgesamt waren laut österreichischem Bundesheer 125 US-Flugzeuge sowie mehrere Schiffe der US Navy (darunter U-Boote) an der Gesamtoperation beteiligt. Völkerrecht - was ist das? Sowohl „Absolute Resolve“ als auch „Midnight Hammer“ gehen nicht mit dem Völkerrecht konform, beide Aktionen bewiesen aber die Schlagkraft und Überlegenheit des US-Militärs. Auch wenn es sich um Operationen gegen autokratische Regime handelte, ist der Verstoß gegen international geltendes Recht schlichtweg verstörend. Für Europa wirklich brenzlig wurde es, als Trump seinen Anspruch auf Grönland erneuerte und wiederum militärische Gewalt nicht ausschloss. Als sich massiver Widerstand regte, packte der US-Präsident zusätzlich wieder einmal die „Zoll-Keule“ aus. Es hat sich aber ausgezahlt, dass Europa geeint auftrat und sich hinter Grönland und Dänemark stellte. Auch in der Konfliktregion selbst will man nichts von einer US-Annexion wissen. Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen stellte in Vertretung seiner rund 57.000 Bürgerinnen und Bürger klar: „Wenn wir uns hier und jetzt zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark entscheiden müssen, dann entscheiden wir uns für Dänemark“. Gewisse Entspannung Trump ruderte tatsächlich zurück, schloss Gewalt aus, nahm auch die Zoll-Drohungen wieder vom Tisch. Was aber wohl nicht daran liegt, dass laut einer Umfrage von Verian 85 Prozent der Grönländer nicht zum US-Bundesstaat werden wollen. Strategische und machtpolitische Überlegungen stehen stattdessen im Vordergrund: Tatsächlich hätte eine Eskalation die Zusammenarbeit mit Europa und der NATO im arktischen Raum geschwächt – gerade angesichts von Russlands und Chinas wachsender Aktivität in der Region wäre das ein Schuss ins eigene Knie gewesen. Noch weiter gehend hätte eine Besetzung Grönlands die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Europa endgültig torpediert sowie die NATO höchstwahrscheinlich zerrissen. Inklusive Imageverlusten für den Narzissten Trump selbst, was für ihn Das Recht des Stärkeren Trump macht‘s möglich: Vom jahrzehntelangen Verbündeten wandeln sich die USA zum Problemfall für Europa. Der Grönland-Konflikt konnte gerade noch entschärft werden, die Zukunft bleibt aber unsicher. MARIO FRANZIN „Unter der Trump-Regierung verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik“ Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Credits: Georgiy/stock.adobe.com; beigestellt „Bitte geben Sie an, ob Sie eine sehr positive, eher positive, eher negative oder sehr negative Meinung über folgende globale Führungspersönlichkeiten haben.“ (internationale Umfrage) POSITIV NEGATIV NETTO-IMAGEWERT US-Präsident Donald Trump 30 % 61 % -31 % Russischer Präsident Wladimir Putin 25 % 66 % -41 % Chinesischer Präsident Xi Jinping 29 % 52 % -23 % Indischer Premierminister Narendra Modi 25 % 37 % -12 % Israelischer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 19 % 61 % -42 % Papst Leo XIV. 49 % 25 % 24% Quelle: Gallup Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 9
Credit: flickr.com/Finish Government 10 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 aber wohl das geringste Übel gewesen wäre, schon heute rangiert seine Beliebtheit laut einer globalen Gallup-Umfrage nur knapp vor der Wladimir Putins. Umfragewerte im Sturzflug Apropos Beliebtheit: Auch in den USA selbst schwindet die Zustimmung der Bevölkerung zur Politik Trumps (siehe Grafik unten). Das ist von Bedeutung, weil im heurigen November Midterm-Wahlen anstehen. Hier werden die Karten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat neu gemischt, beide zusammen bilden den Kongress. Wobei ein Kongress, der von der Oppositionspartei dominiert wird, Gesetze blockieren, Ermittlungen einleiten oder die Agenda des Präsidenten stark einschränken kann. Im Falle eines Wahlsieges der Demokraten würde Trump zur „Lame Duck“, also einem weitgehend handlungsunfähigen Präsidenten. Das will Trump natürlich tunlichst vermeiden, wobei hinzukommt, dass die „Grönland-Karte“ bei den US-Wählerinnen und Wählern nicht sticht: Eine Untersuchung der Universität Quinnipiac vom Januar 2026 ergibt, dass sich 86 Prozent der Befragten gegen den Einsatz militärischer Gewalt zur Eroberung der Insel und 55 Prozent gegen einen Kauf aussprechen. Wie geht es weiter? Die Eskalation des Grönland-Konflikts wurde zum Wohle aller Beteiligten abgewendet, gelöst ist die Angelegenheit damit aber noch nicht. Ein realistisches Szenario ist, dass Dänemark weiterhin die formale Souveränität über Grönland behält, die Vereinigten Staaten aber ihren Einfluss weiter ausbauen werden. Das betrifft sowohl die militärische Präsenz als auch das Interesse an Rohstoffen. Vor allem die Vorkommen an Seltenen Erden als unverzichtbarer Bestandteil von Zukunftstechnologien wecken Begehrlichkeiten. Geopolitisch ist die größte Insel der Welt so wichtig, weil sie Atlantik und Arktis verbindet und die sogenannte GIUK-Lücke (Grönland–Island–UK) besetzt. Wer hier die Kontrolle hat, überwacht den Zugang zum Nordatlantik und somit auch U-Boot-Routen. Durch den Klimawandel schmilzt außerdem das Meereis, dadurch entstehen neue Schifffahrtswege zwischen Europa und Asien. Bedeutend ist Grönland auch für Frühwarn- und Raketenabwehrsysteme, wobei die USA mit der Pituffik Space Base hier bereits vor Ort präsent sind. Fazit: In enger und noch ausbaufähiger NATO-Kooperation kann die sensible Region vor den Interessen Russlands und Chinas sicher besser geschützt werden als durch einen Alleingang der Vereinigten Staaten. Verschwimmende Grenzen Was bleibt, ist das mehr als beunruhigende Verständnis Trumps von Diplomatie und Politik. „Unter der Trump-Regierung verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen Wirtschafts- und Sicherheitspolitik“, sagt Anthony Willis, Senior Economist bei Trump: Guter Job? Die Ablehnung der US-Bürgerinnen und Bürger zur Amtsführung Donald Trumps steigt. Das hängt auch damit zusammen, dass die internationale Interventionspolitik der Vereinigten Staaten wenig mit dem Wahlversprechen „America first“ zu tun hat. Geschichte Grönlands Vor rund 4400 Jahren fassten erstmals Inuit auf der größten Insel der Welt Fuß. Um 985 n. Chr. gründeten Wikinger unter Erik dem Roten nordische Siedlungen, die im 15. Jahrhundert wieder verschwanden. (Mittlerweile grassiert der Scherz, dass eigentlich Grönland Anspruch auf die USA hätte, weil Wikinger um das Jahr 1000 n. Chr. kurzzeitig Teile Nordamerikas besiedelten.) Ab dem 18. Jahrhundert geriet die Insel unter dänische Kontrolle und wurde 1953 offiziell Teil des Königreichs. 1979 erhielt Grönland eine begrenzte Selbstverwaltung, die 2009 deutlich ausgeweitet wurde. Heute ist Grönland ein autonomes Gebiet innerhalb Dänemarks. Reich an Rohstoffen Wirtschaftlich spielen Fischerei und Rohstoffe eine zentrale Rolle. Die Letzteren haben auch den Appetit der USA auf Grönland geweckt. „Wir entscheiden uns für Dänemark.“ Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen Quelle: Real Clear Politics Ablehnung Zustimmung 40% 42% 44% 46% 48% 28.01.2025 03.02.2026 50% 52% 54% 56% 58% BRENNPUNKT . Geopolitik
Verschuldung pro Kopf, Februar 2026 (in USD; Prognose) Die USA betreiben eine aggressive Außenpolitik, dabei gibt es im eigenen Land Probleme zur Genüge: So übertrifft die Pro-Kopf-Verschuldung der Vereinigten Staaten etwa die Quote von Japan, Italien oder gar Griechenland. USA auf Shopping-Tour Im Laufe ihrer Geschichte haben die Vereinigten Staaten eine ganze Reihe an Territorien erworben und ihr Staatsgebiet so erheblich ausgedehnt. Das „Filetstück“ war dabei der Louisiana-Kauf von 1803, bei dem die USA von Frankreich ein riesiges Gebiet (2.144.476 km²) westlich des Mississippi erwarben. Dieser Deal verdoppelte nahezu die Fläche der jungen Nation und umfasste ganz oder teilweise die heutigen Bundesstaaten wie Louisiana, Missouri, Kansas, Nebraska, Iowa und weitere Regionen bis zu den Rocky Mountains. Florida, Alaska & Co Auch nicht unbedeutend: 1819 erwarben die USA Florida von Spanien im sogenannten Adams-Onís-Vertrag. Spanien trat das Gebiet gegen finanzielle Entschädigungen und die Klärung von Grenzfragen ab. Ein weiterer wichtiger Schritt war der GadsdenKauf von 1853, bei dem die USA von Mexiko Landstriche im Süden des heutigen Arizona und New Mexico erwarben, um eine südliche Eisenbahntrasse zu ermöglichen. Der letzte große Erwerb erfolgte 1867 mit dem Kauf Alaskas von Russland (damaliger Schnäppchenpreis: 7,2 Millionen Dollar). Obwohl diese Erweiterung zunächst in den Vereinigten Staaten innenpolitisch umstritten war, erwies sich Alaska später als strategisch und wirtschaftlich äußerst wertvoll. Zusätzlich erwarben die USA kleinere Gebiete, etwa die Jungferninseln, die 1917 von Dänemark gekauft wurden. Diese Käufe zeigen, dass territoriale Expansion in der US-Geschichte nicht nur durch Kriege und Verträge, sondern auch gezielt durch finanzielle Transaktionen erfolgte. Columbia Threadneedle Investments. Das spezielle Druckmittel bilden dabei: Zölle. Unabhängig von den Kehrtwenden des amerikanischen Präsidenten in der Causa Grönland finden wir uns in einer Welt mit höheren US-Zöllen wieder. Willis analysiert: „Zwischen den 1950er Jahren und 2018, als Donald Trump erstmals offen über Zölle sprach, lag der durchschnittliche effektive US-Zollsatz bei etwa vier Prozent. Zu Beginn des Jahres 2025 lag er sogar bei 2,5 Prozent, ist dann aber auf 14,4 Prozent gestiegen. Obwohl viele von TACO sprechen und glauben, dass er seine Zollpolitik nicht konsequent umsetzt, muss die Weltwirtschaft heute dennoch mit wesentlich höheren Zöllen umgehen als in den letzten 70 Jahren summa summarum.“ Im Zoll-Krieg Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie Nationen auf Zölle reagieren. Zum einen können sie einfach akzeptiert werden – das dient der Beschwichtigung der US-Regierung und um andere negative Konsequenzen zu vermeiden. Die EU hat dies letztes Jahr getan und einen Zollsatz von 15 Prozent akzeptiert, um die weitere Unterstützung der Ukraine durch die USA sicherzustellen. (Hier sieht man wiederum deutlich die Vermischung von Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.) Willis: „Die zweite Reaktion ist Widerstand. China verfolgte diese Strategie und hat als einzige große Wirtschaftsmacht eigene Vergeltungszölle verhängt. Nach einem kurzen, intensiven Handelskrieg führte dieses Vorgehen dann zu einer Einigung.“ Wandeln wir ein bekanntes Zitat des berühmt-berüchtigten Militärtheoretikers Carl von Clausewitz ab, kann man sagen: „Zoll-Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Der EU sei angeraten, nicht zu eskalieren, aber Stärke und Einigkeit zu beweisen. Das ist eine Gratwanderung, im Falle Grönlands hat sie sich aber ausgezahlt. Trump: Nicht allmächtig Was wir auch am Beispiel Grönlands wieder einmal gelernt haben, ist, dass Trump in seinem weltpolitischen Pokerspiel mit hohen Einsätzen Maximalforderungen stellt, um dann gegebenenfalls einzulenken, wenn der Widerstand zu groß ist. Fazit: Die Vereinigten Staaten bleiben die führende militärische und wirtschaftliche Supermacht; allerdings mit massiven Problemen im Inneren. Eine riesige Staatsverschuldung und die gefährliche Spaltung der Gesellschaft sprechen für sich. Abenteuer wie die „Grönland-Expedition“ werden Amerika sicher nicht wieder „great“ machen. Quellen: USDebtClock.org, WorldPopulationReview.com, TechGaged.com USA 110.848,- Japan 90.502,- Belgien 72.943,- Kanada 72.573,- Italien 66.524,- Frankreich 65.771,- UK 64.635,- Irland 47.970,- Schweiz 46.563,- Griechenland 45.675,- Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 11
Künstliche Intelligenz hat sich von einem Randthema zu einem festen Bestandteil vieler Investmentprozesse entwickelt. In der Praxis ersetzt KI Fondsmanager nicht, unterstützt aber Effizienz, Analyse und Risikokontrolle. Kein „Autopilot“ „Der aktuelle Stand der Technologie in der Vermögensverwaltung ist durch zwei komplementäre Entwicklungslinien geprägt. Einerseits ist klassisches Machine Learning für strukturierte Daten in vielen Institutionen operativ angekommen – überwiegend als Entscheidungsunterstützung und nicht als vollständig autonomes Portfoliosteuerungssystem. Besonders groß ist der Nutzen dort, wo Zielgrößen klar messbar sind, und sich Modelle zeitnah validieren lassen, etwa bei Ausführungskosten, Liquiditätskennzahlen, Volatilitäts- und Risikoparametern“, erklärt Michael Murg, Leiter des Instituts Bank- und Versicherungswirtschaft der FH JOANNEUM, und ergänzt: „Zweitens hat generative KI BRENNPUNKT . Künstliche Intelligenz Vorteil bei der Geldanlage Ob Machine Learning oder generative KI: Der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Geldanlage ist vielfältig, aber begrenzt. Der größte Nutzen liegt weniger im Erzielen von Alpha, sondern in der Effizienz und in der Datenqualität. MICHAEL KORDOVSKY Credits: APA/Vicky Posch; Roland Rudolph; Paul Kuchel / PYKADO Media GmbH; FJM/stock.adobe.com KI im Fondsmanagement von RCM Karin Kunrath, Chief Investment Officer bei Raiffeisen Capital Management, und ihr Team nutzen KI-Tools vor allem beim Durchsuchen von Unternehmensberichten, Newsfeeds, makroökonomischen Einschätzungen und Stimmungsindikatoren. Auch bei der Identifikation struktureller Muster in Fundamentaldaten und bei Risikoszenarien komme KI zum Einsatz. „Die bisherigen Erfahrungen sind durchwegs positiv: Nicht im Sinne einer Automatisierung der Anlageentscheidungen, sondern als deutlicher Zugewinn an Geschwindigkeit und analytischer Tiefe. Die endgültige Bewertung, Gewichtung und Entscheidung bleibt jedoch klar bei der Fondsmanagerin bzw. beim Fondsmanager.“ „In unserem Fondsmanagement setzen wir KI vor allem in der Voranalyse ein.“ Karin Kunrath, Raiffeisen Capital Management den Anwendungsraum stark erweitert, vor allem im Umgang mit unstrukturierten Informationen wie Research-Dokumenten, Earnings-Call-Transkripten, regulatorischen Texten, internen Richtlinien und Reportings. Der kurzfristig größte Hebel liegt hier weniger in neuem Alpha, sondern in der Steigerung der Produktivität, der Konsistenz, der Dokumentationsqualität und des Wissensmanagements.“ In regulierten Umgebungen sei dieser Nutzen untrennbar mit Governance-Anforderungen verbunden: „Die Verantwortlichkeit verbleibt aber beim Management; Nachvollziehbarkeit, Dokumentation, Freigabeprozesse und laufendes Monitoring sind integraler Bestandteil eines seriösen Einsatzes“, so Murg. Wo KI stark ist Nach Einschätzung von Murg kann KI dort besonders gut unterstützen, „wo Aufgaben stark datengetrieben, wiederholbar oder durch große Mengen unstrukturierter Informationen geprägt sind“. Dazu zählen Daten12 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026
Die größten Stolpersteine beim Einsatz von KI „Zentral ist, dass viele KI-Ansätze im Investmentkontext – insbesondere solche, die stark kursgetrieben und überwiegend auf vergangenheitsbezogene Preisdaten trainiert sind – dazu neigen, Zufallsmuster zu lernen.“ In Backtests erscheine dies oft als Prognosefähigkeit, „ist aber häufig das Ergebnis von Data Snooping, Multiple Testing und Curve Fitting“. Je größer der Suchraum, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass ein scheinbar gutes Ergebnis rein zufallsgetrieben entsteht“, so Murg. Hinzu kommen praktische Hürden: „Transaktionskosten, Slippage, Kapazitätsgrenzen, Latenzen, Datenverfügbarkeit in Echtzeit sowie organisatorische Reibung werden oft unterschätzt.“ Bei generativer KI treten zusätzliche Risiken auf: „Halluzinationen, inkonsistente Begründungen, schwer auditierbare Outputs“. Daher sind Faktenchecks, Logging und klare Verantwortlichkeiten erforderlich. Punkto LLMs warnt Hornuf: „Ohne eine finanzielle Grundbildung gibt man die falschen Prompts ein und erhält keine sinnvolle Anlageberatung.“ bereinigung, Anomalie-Erkennung, Signalextraktion sowie die NLP-basierte Verarbeitung von Textdaten. Auch im Risikomanagement könne KI Muster in Volatilität, Korrelationen und Liquidität identifizieren und damit Stress- und Szenarioanalysen unterstützen. „Ein weiteres Feld mit hoher Praxisreife ist die Optimierung der Handelsausführung (Execution) und die Abschätzung von Market Impact bzw. Slippage, weil Zielgrößen operativ messbar sind“, so Murg. Unersetzlich bleiben Menschen hingegen „dort, wo Treuhandlogik, normative Abwägungen und echte Unsicherheit dominieren: bei der Definition von Anlagezielen und Risikobudgets, beim Umgang mit Interessenskonflikten, bei der Mandatsauslegung sowie bei verantwortungsvoller Kommunikation gegenüber Kunden und Aufsicht“. Gerade in Phasen von Strukturbrüchen steige der Wert menschlicher Urteilsfähigkeit, da historische Muster an Aussagekraft verlieren. Einsatz im Fondsmanagement Auch in der Praxis großer Asset Manager steht nicht die Automatisierung von Anlageentscheidungen im Vordergrund. „Bei Raiffeisen Capital Management nutzen wir Künstliche Intelligenz inzwischen als wichtigen Bestandteil unserer Analyse- und Researchprozesse, wobei stets der verantwortungsvolle, regulierungskonforme und risikobewusste Einsatz im Vordergrund steht“, so Karin Kunrath, Chief Investment Officer, Raiffeisen Capital Management. KI verarbeitet, klassifiziert und wertet große Mengen an Markt-, Unternehmens- und Makrodaten aus und die Algorithmen erkennen Muster, Zusammenhänge und Ausreißer, „die dem Menschen aufgrund der Datenfülle oft verborgen bleiben“. Die Vorteile, die sich durch den Einsatz von KI ergeben, sind schnellere Recherchen, bessere Datenqualität und frühere Trenderkennung, wobei der aktuelle Stand von einer starken Professionalisierung der Werkzeuge geprägt sei. „Heute kann KI Sentimentanalysen in Echtzeit durchführen, komplexe Dokumente automatisiert zusammenfassen, Anomalien in Unternehmensdaten erkennen und Szenarien simulieren.“ Gleichzeitig betont Kunrath aber klare Grenzen beim Einsatz von KI: „Modelle können zwar Muster erkennen, aber nicht ökonomische Logik ersetzen. Marktregimewechsel, geopolitische Schocks oder unerwartete politische Entscheidungen sind Bereiche, in denen Erfahrung, Einschätzungskraft und Kontextwissen des Menschen unverzichtbar bleiben“, so Kunrath. Prognosekraft bleibt begrenzt „Wir haben inzwischen 32 unterschiedliche Large-Language-Modelle (LLMs) untersucht. Dabei ist uns noch bewusster geworden, dass diese Modelle nicht speziell für die Anlageberatung entwickelt wurden und bei Renditetests unter einem sogenannten LookAhead-Bias leiden“, erklärt Lars Hornuf, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität Dresden. LLMs wissen, wie sich bestimmte Portfolios in der Vergangenheit entwickelt haben und stimmten darauf ihre Empfehlungen ab. „In der Rückschau fallen diese Empfehlungen daher nahezu zwangsläufig sehr gut aus“, beschreibt Hornuf. Daher differenziert Hornuf klar zwischen dem klassischen maschinellen Lernen und LLMs: „Klassische Machine-Learning-Verfahren können das Portfolio-Management deutlich gezielter unterstützen, während LLMs vor allem darauf trainiert sind, Texte zu erzeugen, die Nutzer mit hoher Wahrscheinlichkeit lesen möchten und gut nachvollziehen können. Besonders spannend wird es dort, wo beide Ansätze zusammenkommen. Klassisches maschinelles Lernen optimiert die Portfolios und die LLMs übernehmen die verständliche Kommunikation der Ergebnisse gegenüber den Kunden“. „Klassisches maschinelles Lernen optimiert die Portfolios, die LLMs übernehmen die Kommunikation gegenüber den Kunden.“ Lars Hornuf, Technische Universität Dresden „Transaktionskosten, Slippage, Kapazitätsgrenzen, Latenzen, Datenverfügbarkeit in Echtzeit sowie organisatorische Reibung werden in der Praxis oft unterschätzt.“ Michael Murg, FH JOANNEUM Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 13
14 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 Fusionen und Übernehmen Aktivitäten gesunken Industrie Österreich: Optimismus flammt auf Credit: Oleksii Hlembotskyi/stock.adobe.com Kostendruck. 2025 ist die Zahl der M&ATransaktionen (Fusionen und Übernehmen) in Österreich um rund neun Prozent gesunken und liegt damit wieder auf dem Niveau der Vorjahre. Gleichzeitig haben österreichische Unternehmen im Ausland akquiriert: Mehrere großvolumige Deals – darunter zwei Transaktionen über jeweils fünf Milliarden Dollar in der Petrochemie und im Finanzdienstleistungssektor – haben den Markt getragen. Das ergibt ein Bericht von PwC, wobei die Experten hinzufügen: „In Österreich ist die M&ADynamik im internationalen Vergleich weniger von KI- und Tech-Innovationen getrieben. Vielmehr stehen Konsolidierungs- und Kostendruck in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld im Vordergrund – daher sehen wir zunehmend auch Transaktionen im Zuge von Restrukturierungen und Insolvenzen.“ WIRTSCHAFT . Kurzmeldungen 012345 DIE ZAHL DES MONATS 0,3 % Blick zum Nachbarn. Das deutsche BIP konnte im Schlussquartal 2025 um erfreuliche 0,3 Prozent im Vorquartalsvergleich zulegen. „Angesichts der schwachen Produktionsdaten könnte man meinen, dass der Ausblick gedämpft ist. Doch in Anbetracht der Entwicklung der Auftragseingänge und der Tatsache, dass möglicherweise Verzerrungen durch Betriebsferien am Wirken waren, darf man zuversichtlich sein“, heißt es in einer Analyse der DekaBank. Mit Blick auf den Konsum deuten zudem die Daten des ifo-Geschäftsklimas auf besseres Business im Handel hin. Die Bauwirtschaft sollte schließlich zunehmend von den deutschen Infrastrukturmaßnahmen profitieren. Dass die Bäume aber nicht in den Himmel wachsen, dafür sorgt die verhaltene Entwicklung bei den Dienstleistern. Unterm Strich könnte laut den Experten das erste Quartal eine leichte Expansion des BIPs bringen. Isoliert. Ein grundlegender politischer Wandel im Iran und eine anschließende Wiedereingliederung des Landes in die Weltwirtschaft könnten erhebliche ökonomische Vorteile für Österreich und Europa bringen. Das zeigt eine neue Studie des WIFO in Kooperation mit dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche. „Die wirtschaftliche Isolation des Iran ist enorm – entsprechend groß sind die potenziellen Gewinne einer regelbasierten Wiedereingliederung“, sagt WIFO-Direktor Gabriel Felbermayr. Allein die Aufhebung der EUSanktionen würde das reale BIP des Iran langfristig um mehr als 80 Prozent steigern. Gleichzeitig könnte das BIP in der EU und in Österreich um 0,3 bzw. 0,5 Prozent wachsen. Das entspricht einem zusätzlichen Jahreseinkommen von fast 2,51 Milliarden Euro für Österreich und mehr als 54 Milliarden Euro für die EU. Iran: Chancen für die Wirtschaft UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex Licht und Schatten. Die österreichische Industrie startete schwach ins neue Jahr: Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex sank im Jänner auf 47,2 Punkte. Der Indikator rutschte damit noch tiefer unter die Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum signalisiert wird. Dies war der niedrigste Wert seit Juni vorigen Jahres, aber trotzdem bleiben die Industriebetriebe in Österreich aufgrund der positiven Erwartungen optimistisch. „Die günstigeren Vorgaben aus Europa lassen hoffen, dass es sich bei der aktuellen Eintrübung der heimischen Industriekonjunktur nur um eine Delle handelt, die in den kommenden Monaten überwunden werden kann“, kommentiert UniCredit Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer die Entwicklung. Quelle: S&P Global, UniCredit Research saisonbereinigt unbereinigt 70 65 60 55 50 45 40 35 30 2020 2021 2022 2023 2024 2025 70 65 60 55 50 45 40 35 30
5 24. – 25. März 2026 Austria Trend Hotel Savoyen | Wien Details und Anmeldung: www.imh.at/kurs 21. österreichischer Bankenkongress 5 Konferenzen 250+ Teilnehmende 120+ Vortragende 60h+ Expertise IT | Zahlungsverkehr | Compliance & Geldwäsche | Kreditgeschäft | Retail
Miniwachstum Nach dem längsten Abschwung der Zweiten Republik 2023 und 2024 sieht das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) „Licht am Ende des Tunnels“. Nach 0,5 Prozent Wachstum 2025 wurde für dieses Jahr eine Steigerung von einem Prozent prognostiziert. Folgen Sie der WIFO-Prognose von einem Prozent BIP-Plus 2026? Ja, grundsätzlich war es so, dass ein Teil der konjunkturellen Schwäche Österreichs, auch im Vergleich zu europäischen Ländern, stark vom Bau geprägt war. In der Bauwirtschaft findet nun eine Normalisierung statt, damit stabilisiert sich auch das Wachstum. Der Konsum sollte heuer auch besser laufen und so kommen wir auf rund ein Prozent Wachstum für 2026. Das könnte auch so weitergehen. Ist ein Prozent Wachstum genug? Wahrscheinlich nicht. Ja, es gibt zwar eine Erholung, aber nicht in einem Tempo, das wir auf Dauer als angenehm empfinden werden. Wir wünschen uns mehr Wachstum. Und wie könnten wir das bekommen? Indem wir wettbewerbsfähiger werden. Schaffen wir das? Nein, ich denke nicht. Ist das nun ein düsterer Ausblick? Nein, meine ich im Sinne von: Wir sehen es noch nicht, wie wir es schaffen können. Es gibt zwar Ansätze und Strategien, bei denen man über den Standort Europa nachdenkt, aber das ist ein gesamteuropäisches Thema. Welche Herausforderungen sehen Sie für den Standort? Es gibt zwei Herausforderungen. Auf der einen Seite im traditionellen Güterbereich, wo Asien respektive China mit niedrigen Löhnen und Wechselkursen agiert und gleichzeitig in der Qualität deutlich aufgeholt hat. Dort gibt es bessere strukturelle Voraussetzungen, um im traditionellen Güterbereich erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite steht der immer bedeutsamere Handel mit IT- und AI-Dienstleistungen, wo wir in Europa noch immer nicht gut aufgestellt sind. Diese zwei Aspekte belasten die zukünftige Verbesserung unseres Wohlstands. Das heißt nicht, dass wir in den Abgrund stürzen und verarmen, aber der Ausbau des Wohlstands wird erschwert. Sind die aktuellen BIP-Zuwächse nur vorübergehender Optimismus? Für die großen Unternehmen bin ich etwas optimistischer als für den Standort Österreich selbst, weil diese sich besser anpassen können, z.B. mit dem Aufbau von Standorten außerhalb von Europa. Wir haben auch Der Chefökonom der Bank-Austria Stefan Bruckbauer im Gespräch mit dem GELD-Magazin über den Ausblick der österreichischen Wirtschaft für 2026 und darüber hinaus. CHRISTIAN SEC Credit: beigestellt/Archiv 16 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 1/2026 INTERVIEW . Stefan Bruckbauer, UniCredit Bank Austria
in der Vergangenheit gesehen, dass wir immer wieder Alternativen gefunden haben. Diese sind jedoch derzeit noch nicht so greifbar, weil im Bereich der Technologie die USA dominieren. Trotzdem gibt es in Europa starke Bereiche, wie Pharma oder Chemie, die weiterhin erfolgreich sein werden. In diesen Bereichen sind wir auch China überlegen, was man auch an den Exportzahlen sieht. Auch im Kfz-Bereich sind wir nicht gänzlich erfolglos, was Innovationen betrifft. Aber diese Bereiche werden weniger bedeutsam in einer Dienstleistungswelt, in der Produktivitätssteigerungen schwieriger zu erzielen sind als etwa im Industriebereich. Auch die Exporte gingen zuletzt zurück – warum sollte sich das bessern? Relativ zu Deutschland haben wir den Wettbewerbsnachteil durch Produktivitätssteigerungen und geringere Lohnabschlüsse wieder aufgeholt. Wir werden daher in einigen Bereichen wieder den Marktanteil zurückgewinnen, den wir verloren haben, speziell in Europa, wo auch die Nachfrage wieder ansteigen sollte. Das erlaubt einen leichten Optimismus. Das Problem im vergangenen Jahr war, dass die Importe deutlich stärker gestiegen sind als die Exporte, und so hatten wir einen negativen Beitrag zum BIP. Welche Rolle spielen die US-Zölle in der Kalkulation? Sechs Prozent unserer Industriewertschöpfung geht in die USA. Daher kostet die rigorose US-Zollpolitik am Ende rund einen Viertel Prozentpunkt und 10.000 Arbeitsplätze. Aber nicht nur die Zölle, sondern der starke Euro haben einen Effekt auf die Außenhandelsbilanz. Insgesamt ist die Gesamtwirtschaft in Österreich zu drei Prozent von den USA abhängig, aber 97 Prozent eben nicht – und dort spielt sich das Wachstum auch ab. Vor allem, wenn wir wieder an den Bau und den Konsum denken. Wenn diese Themen nicht so laufen, dann sind die Prognosen zu optimistisch. Und warum sollten sie so laufen? Beim Bau haben die Nullzinsen und die Migration in den Jahren vor Corona zu einem Boom geführt. Bei den Zinsen gab es wiederum zwei Aspekte. Einerseits konnten sich mehr Leute einen Kredit leisten und zweitens wurde die Immobilie als Veranlagungsinstrument genutzt, weil alternative Veranlagung in Zinsprodukte unattraktiv war. Dieses Segment wird sich im Wesentlichen nicht verbessern. Die Alternative ist derzeit eine Verzinsung von zwei Prozent im FixedIncome-Bereich und das kann man mit einer Immobilieninvestition momentan schwerer erwirtschaften. Dieses Segment wird auch nicht so schnell zurückkehren. Aber die Immobilienkäufe sind deutlich gestiegen, auch weil Immobilienpreise viel weniger gestiegen sind als die Löhne. Der Konsum wiederum wird durch die sinkende Inflationsrate unterstützt. Wir erwarten 2,4 Prozent in diesem Jahr. Eine niedrige Inflation sollte die Sparquote ein wenig nach unten bringen, was nicht nur positive Effekte für den Konsum, sondern auch im internationalen Wettbewerb hat. Was bringt uns der Mercosur-Abschluss? Der Mercosur-Abschluss bringt etwas, aber er kann die USA nicht ersetzen. Sechs Prozent der Industriewertschöpfung geht in die USA und rund 0,7 Prozent in den MercosurRaum. Mittelfristig wird es aber für Österreich ein Nettowachstum bringen. Der Abschluss ist wichtig, da das globale Handelssystem stark unter Druck steht und die WTO zahnlos geworden ist. Umso wichtiger ist es, Alternativen zu finden, die die Abhängigkeit von den USA verringern – auch aus psychologischen Gründen. Am Ende des Tages müssen alle Länder, die zwischen den USA und China leben, versuchen, zusammenzuarbeiten, ansonsten werden sie aufgerieben. Wie können wir dabei noch auf unsere Umwelt achtgeben? Da ist sicher das große Thema, wie wir in den nächsten Jahren mit dem Thema CO2 umgehen. Sind wir innovativ, können wir im Wettbewerb erfolgreich sein. Aber die großen Stahlkocher und Grunderzeuger der Welt werden wir in Europa nicht mehr sein. www.bankaustria.at Es gibt zwar eine Erholung, aber nicht in einem Tempo, das wir auf Dauer als angenehm empfinden. ZUR PERSON Geboren in Ried im Innkreis studierte Stefan Bruckbauer Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz. Er war lange Jahre als Lektor für Volkswirtschaftstheorie an der Uni Linz und als Lektor an der Fachhochschule für Bank- & Finanzwirtschaft Wien tätig. Seit 2009 ist Bruckbauer Leiter der Abteilung Economics & Market Analysis Austria und Chefvolkswirt der UniCredit Bank Austria. Sein Arbeitsschwerpunkt sind die Wirtschaft Österreichs, der Finanzmarkt allgemein, CEE und die EU, der Euro, der Bankenmarkt in Österreich und in der EU. Er ist auch gerne als Vortragender gesehen, zuletzt beim IIC des GELD-Magazins. Ausgabe Nr. 1/2026 – GELD-MAGAZIN . 17
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