GELD-Magazin, Nr. 6/2025

ETF, der dies seinerzeit auch so benannt hat, war der am 11. Jänner 2011 aufgelegte PIMCO Euro Short Maturity UCITS ETF EUR“, so Glow. Aktive ETFs im Rückblick „Da der Markt der aktiven ETFs noch sehr jung ist und die meisten dieser Produkte noch nicht über einen belastbaren Track-Record verfügen, macht es aus meiner Sicht derzeit wenig Sinn, über die relative Wertentwicklung der Produkte zu sprechen. Zurzeit sind 286 ETFs (Hauptanteilsklassen) in der Lipper Datenbank als aktiv gemanagte ETFs geführt. Von diesen 286 ETFs wurden 132 im Jahr 2025 und 57 im Jahr 2024 aufgelegt. Somit fehlt sowohl eine kritische Anzahl an Produkten (Grundgesamtheit zu klein und zu heterogen), als auch ein ausreichend langer Track-Record, um belastbare Aussagen auf Basis einer statistischen Analyse tätigen zu können“, erklärt Glow und zeigt noch einen weiteren Aspekt: „Zudem ist es in Mode gekommen, dass aktive Manager keine Benchmark mehr benennen, was einen ,fairen‘ Vergleich mit einem Marktindex erschwert, da dieser in der Regel nie die Portfoliostrategie abbildet.“ Glows Einschätzung: „Müsste ich eine Prognose zu der zukünftigen Wertentwicklung von aktiv gemanagten ETFs abgeben, lautet diese wie folgt: Es ist davon auszugehen, dass auch bei den aktiv gemanagten ETFs die Mehrzahl der Produkte sich schlechter entwickeln, als die jeweiligen Indizes. Allerdings sollte das Verhältnis von Under- zu Outperformer im Bereich der aktiven ETFs besser sein als im Bereich der aktiv gemanagten Investmentfonds, da aktiv gemanagte ETFs aufgrund ihrer im Allgemeinen niedrigeren Gesamtkostenbelastung (TER) hier im Vorteil sind.“ In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Daniel Kanzler, Head of Investment der Gerd Kommer Invest: „Tatsächlich liegen die Hauptvorteile aktiv gemanagter ETFs gegenüber traditionellen aktiven Fonds primär in der Kostenstruktur und Transparenz, nicht unbedingt in der Überlegenheit der Anlagestrategie. Ein aktiv gemanagter ETF hat typischerweise eine niedrigere Gesamtkostenquote als ein klassischer Publikumsfonds, was seine relative Wettbewerbsfähigkeit leicht verbessert. Auch sind ETFs in der Regel transparenter, was die Veröffentlichung der Titel auf täglicher Basis anbelangt, und es gibt keine Ausgabeaufschläge oder Rücknahmegebühren. Durch niedrigere Kosten sinkt damit der Nachteil. Dieses Phänomen sieht man auch bei aktiven konventionellen Fonds. Auch dort performen innerhalb einer Assetklasse im Schnitt diejenigen Fonds besser, die günstiger sind.“ Als eine „Zwischenstufe“ zwischen passiven und aktiven ETFs werden häufig Factor-ETFs gesehen. Factor Investing – Outperformance für Geduldige Es gibt für passive Anleger das Marktportfolio auf Basis eines bestimmten Index und es gibt statistisch identifizierbare Treiber von Rendite und Risiko in einer Vermögensklasse wie Aktien oder Anleihen. Die Übergewichtung von Faktorprämien in einem Portfolio kann gegenüber dem Gesamtmarkt eine Zusatzrendite nach Kosten und Steuern bringen (daher der Begriff „Prämie“). Zu den etabliertesten Prämien zählen Small Size (kleine AGs mit höheren Renditen als große), Value (niedriges KGV oder KursBuchwert-Verhältnis etc. – besser als höhere Bewertungen), Quality/Profitability (niedrige Verschuldung und höhere Rentabilität), Momentum (Aktien, die outperformen), Political Risk (Aktien von Firmen an politisch riskanten Standorten, primär Emerging Markets-Aktien) und Minimum Volatility (geringe Kursschwankungsbreiten). Eine unter „gerd-kommer.de“ mit Quellenverweis MSCI, Dimensional Fund Advisors und Deutsche Bundesbank veröffentlichte Auswertung über verschiedene Teilzeiträume in den Jahren 1975 bis 2020 zeigt zwar starke Schwankungen der jeweiligen Prämien mit zeitweise langjährigen Durststrecken, doch sehr langfristig betrachtet sind sie dann doch wieder positiv. Beispielsweise 1995 bis 2020 lagen die Überrenditen gegenüber der marktneutralen Benchmark (Weltmarkt) im Fall kleiner Unternehmen bei 1,7 Prozentpunkten p.a., während es die Faktoren „Quality“ und „Momentum“ sogar „Es ist in Mode gekommen, dass aktive Manager keine Benchmark mehr benennen, was einen ,fairen‘ Vergleich mit einem Marktindex erschwert, da dieser in der Regel nie die Portfoliostrategie abbildet.“ Detlef Glow, Head of Lipper ETF Research, LSEG Data & Analytics Ausgabe Nr. 6/2025 – GELD-MAGAZIN . 47 Core-Satellit-Strategie „Die klassische Core-Satellit-Strategie bildet die großen Kernmärkte oder den Portfolioschwerpunkt passiv ab, um so die Vorteile einer kostengünstigen langfristigen Anlage zu realisieren“, so Glow. Grundlage dieser Herangehensweise ist die wissenschaftliche Erkenntnis, „dass aktives Management in effizienten Märkten langfristig keine Vorteile bietet.“ Zugleich zeigen Studien, „dass die Kosten für die Kapitalanlage ein entscheidender Faktor für den Erfolg von langfristigen Anlagestrategien sind.“ Trotzdem können Teile der CoreAllocation auch in Faktor-basierten Strategien investiert werden, wie z.B. Quality oder SmallCaps. „Im Gegensatz dazu sollte aktives Management in allen nicht-effizienten Märkten zum Einsatz kommen, da der aktive Manager hier durch Research und diskretionäre Entscheidungen zum Timing und der Gewichtung einzelner Titel in der Lage sein sollte, langfristig einen Mehrertrag im Vergleich zum Index zu erzielen“, so Glow. Und: „In jedem Core-Portfolio wird es Teile geben, die aktiv gemanagt sind und Teile, die passiv abgebildet werden.“

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