GELD-Magazin, Dezember 2022 / Jänner 2023

12 . GELD-MAGAZIN – Jänner 2023 Dringlichkeit der Problematik ist jeder Stillstand ein Rückschritt.“ Im Südwind-Papier heißt es abschließend: „Es ist jetzt entscheidend, dass die Zivilgesellschaft den Druck erhöht, und den Regierungen klarmacht, dass die Zeit der Minimal-Kompromisse vorbei ist. Es braucht jetzt große Schritte und viel mehr Mut.“ KlaffendeWunde Das Resümee der COP27 fällt somit also zwiespältig aus, Kritik hagelte es von vielen Seiten. Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, kommentierte treffend: „Am Ende dieser Klimakonferenz klebt ein kleines Pflaster auf einer riesigen klaffenden Wunde. Es ist ein Skandal, dass die ägyptische COP-Präsidentschaft Petrostaaten wie Saudi-Arabien den Raum geboten hat, jeden wirksamen Klimaschutz zu torpedieren. Sie haben verhindert, dass es eine klare Entscheidung zum dringend notwendigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gibt. Die COP27 riskiert damit in fahrlässiger Weise die Einhaltung des 1,5-Grad-Limits.“ Nicht nur am Rande erwähnt sei der Austragungsort der Konferenz selbst: Ägypten erweist sich bekanntlich nicht als Hort der Demokratie. Laut Südwind fanden Repressionen sowie Verhaftungen von Aktivistinnen und Aktivisten bereits im Vorfeld statt. Die abgelegene Lage des Konferenz-Geländes sowie 60.000 politische Gefangene ergeben ein verheerendes Bild der Menschenrechtslage. Es liegt der Gedanke nahe, dass zivilgesellschaftliche Beteiligung bei der COP27 möglichst schwer gemacht werden sollte. Daran wird sich auch so schnell nichts ändern: Der nächste Weltklimagipfel wird in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) stattfinden. Also in einem Erdöl-Staat, der Menschenrechte nicht ernst nimmt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Jeder ist betroffen Fazit: Das Klima wird immer heißer – die Ergebnisse des COP27 fallen lauwarm aus, unter Ausnahme des geplanten Ausgleichsfonds. Wobei man sich natürlich nicht alleine auf die große Weltpolitik verlassen darf: Gefragt sind auch Konsumenten, Industrie und der Finanzsektor. Gerade Letzterer hat erkannt, dass ohne ESG viele Kunden davonlaufen, und dass sich Nachhaltigkeit auch aus Renditesicht lohnt. Elena Maria Drew, Director of Research Responsible Investing bei T. Rowe Price, resümiert: „ESG-Investitionen sind einer der am schnellsten wachsenden Trends auf den Finanzmärkten.“ Das sollte ein weiterer Ansporn sein, dem Klimawandel entschlossen entgegenzutreten. BRENNPUNKT . Umweltpolitik Konferenz-Splitter Die mit Abstand wichtigste Entscheidung amWeltklimagipfel war das Bekenntnis zur Einrichtung eines Fonds für die verheerenden Verluste und Schäden der Klimakrise. Davon sollen die Länder des globalen Südens profitieren, die ja am stärksten unter der Klimakrise leiden. Die Frage der Finanzierung ist aber noch nicht geklärt, das soll am COP28 in den Vereinigten Arabischen Emiraten passieren. Was die Vorfreude allerdings trübt: Die 100 Milliarden Euro für Klimaschutz und Klimaanpassung, die eigentlich seit 2020 jährlich verbindlich fällig wären, sind die Industriestaaten bis heute schuldig geblieben. Kritik Was fehlte, ist ein klares Nein zu fossilen Brennstoffen. Es wurde auf die Umsetzung der Ziele des Klimagipfels von Glasgow verwiesen. Ein sehr unbefriedigendes Resultat. Branchen: Die Kohlenstoff-Schleudern Die Kohleindustrie stößt das meiste CO2 aus, über 15 Gigatonnen (GT) sollen es heuer laut Prognose sein. Dicht auf den Fersen folgt der Erdölbereich (12,1 GT). Die Klimakonferenz schaffte es aber nicht, die fossilen Energieträger zu „ächten“. Quelle: Global Carbon Project Wachstum globaler CO2-Emissionen 0 4 8 12 Öl: 12,1 2,2% Gas: 7,9 0,2% Zement: 1,6 1,6% Kohle: 15,1 1,0% 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2022* *Prognose Gigatonnen CO2 in 2022* „Am Ende dieser Klimakonferenz klebt ein kleines Pflaster auf einer riesigen klaffenden Wunde.“ Martin Kaiser, Vorstand von Greenpeace Deutschland 16 in GT CO2

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