GELD-Magazin, März 2022

Inflationsgeschützte Anleihen als Schutzschirm für das Portfolio Die im Jahr 2021 stark gestiegene Teuerungsrate hat das schon fast in Vergessenheit geratene Thema Inflation wieder in das Bewusstsein der Investoren gerückt. Auch wenn es sich bei dem sprunghaften Anstieg der Inflationsrate seit Sommer 2021 sehr wahrscheinlich um einen von Basiseffekten getriebenen vorüberge- henden Anstieg handelt, müssen Anleger auf der Hut sein. Die Staaten und Zentralbanken versorgen die Märkte im Rahmen der Corona-Hilfspakete auch weiterhin mit billigem Geld und die hohe Liquidität in den Märkten hat die Preise für fast alle Anlagegü- ter steigen lassen. In der Folge fragen sich die Inve- storen, ob klassischerweise die zum Inflationsschutz genutzten Sachwerte wie Aktien oder Immobilien aufgrund der zum Teil sehr ambitionierten Bewer- tungen tatsächlich noch einen Schutz gegen eine steigende Inflation bieten. Aktuell eventuell ein geeignetes Anlagevehikel Die niedrige Inflation der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass inflationsgeschützte Anleihen trotz der gestiegenen Inflationserwartungen im Be- wusstsein der Anleger immer noch ein Nischenda- sein führen. Doch gerade in Marktphasen, wie wir sie gerade erleben, könnten inflationsgeschützte An- leihen, die sogenannten Inflation-Linked-Bonds, ein geeignetes Anlagevehikel sein. Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten Allerdings sind inflationsgeschützte Anleihen relativ komplexe Instrumente, für deren Bewertung Inve- storen für die Investition in Einzeltitel über Spezial- wissen und eine detaillierte Markteinschätzung ver- fügen müssen, um das Rendite-/Risikoprofil der ein- zelnen Anleihen richtig einschätzen zu können. Um trotz der hohen Anforderungen bei der Titelanalyse und -selektion in inflationsgeschützte Anleihen inve- stieren zu können, nutzen viele Investoren aktiv ge- managte Investmentfonds und/oder ETFs, da diese in der Regel von Spezialisten verwaltet werden. Die- ser Trend zeigt sich auch bei der Anzahl der neuauf- gelegten Produkte und dem Anstieg der verwalteten Vermögen. Im Vergleich: Inflationsgeschützte vs. konventio- nelle Anleihen Wodurch unterscheiden sich inflationsgeschützte Anleihen von herkömmlichen Rentenpapieren? Wäh- rend konventionelle Staats- oder Unternehmensan- leihen den Anlegern einen fixen Zinssatz und einen festgelegten Rückkaufswert bieten, besteht der Zins- satz einer inflationsgeschützten Staatsanleihe aus einem unter dem allgemeinen Zinsniveau liegenden fixen Zinssatz und einer Anpassungskomponente, die den Nominalwert der Anleihe und den Zinssatz an die Entwicklung eines festgelegten Inflationsin- dex anpasst. Das heißt, wenn ein Anleger zu Beginn eines Jahres eine inflationsgeschützte Anleihe mit einem Nomi- nalwert von 100 kauft und die Inflation in dem dar- auffolgenden Jahr fünf Prozent beträgt, erhöht sich der Nominalwert der Anleihe zum Ende des Jahres auf 105. Durch diese dynamische Anpassungskom- ponente wird sichergestellt, dass die Kaufkraft des angelegten Kapitals erhalten bleibt. Den ebenfalls in- flationsangepassten Kupon bekommt der Anleger dann noch extra dazu. Fazit Auch wenn das angeführte Beispiel den Anlagezeit- raum von einem Jahr betrachtet, sollten Anleger, die in inflationsgeschützte Anleihen investieren möch- ten, einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont haben und über eine entsprechende Risikotragfähig- keit verfügen. Zudem müssen Investoren beachten, dass sie aufgrund des niedrigeren Kupons bei inflati- onsgeschützten Anleihen auf Zinserträge verzichten, wenn die in die Anleihe eingepreiste Inflationser- wartung nicht erfüllt wird. www.lipperleaders.com Detlef Glow, Head of Refinitiv Lipper EMEA Research März 2022 – GELD-MAGAZIN . 29 GASTBEITRAG . Detlef Glow, Lipper Research FOTO: Archiv Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Refinitv.

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