GELD-Magazin, Oktober 2021

S eit Ende der Finanzkrise war die In­ flation noch bis zum ersten Quartal 2021 kein Thema, ehe dann welt­ weit regelrechte Teuerungsschübe einset­ zten. Beispielsweise stieg in den USA die In­ flationsrate von Jänner bis Juni 2021 von 1,4 auf 5,4 Prozent und somit auf den höch­ sten Stand seit August 2008. Hier wirken aufgrund des niedrigen Ölpreises im Vorjahr Energiepreis-Basiseffekte. Hinzu kommen starke Preissteigerungen bei Gebrauchtwä­ gen und Agrarprodukten: Per 24. September stiegen die Preise für Weizen, Mais und Kaf­ MÄRKTE & FONDS . Anleihenstrategien Inflationsgeschützt Noch halten die Notenbanken das Renditeniveau niedrig, während die Inflation an Dynamik gewinnt. Das wäre ein ideales Umfeld für inflationsgeschützte Anleihen. Doch diese Bondkategorie hat auch ihre Tücken, die es zu beachten gilt. MICHAEL KORDOVSKY Credits: beigestellt/Archiv fee jeweils um 27, 37 bzw. 61 Prozent, jene der Ölsorte WTI um 72 Prozent und Erdgas um 209 Prozent. Sogar im Euroraum mehr­ ten sich die Teuerungsimpulse und der HVPI (Harmonisierter Verbraucherpreisindex) zeigte im August ein Plus von drei Prozent (Vorjahresmonat noch -0,2 Prozent). Längere Inflationsperiode möglich Noch gehen die weltweit einflussreichsten Notenbanker vor allem in der Fed und der EZB von nur vorübergehend höherer Inflati­ on aus, doch das Ingangsetzen einer Lohn- Preis-Spirale und neue CO 2 -Steuern könnten auch eine länger anhaltende Inflationsperio­ de einleiten. Dazu Thomas Schuckert, Fondsmanager der Erste Asset Management: „Die aktuellen Einschätzungen der EZB für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex liegen aktuell bei 2,2, 1,7 und 1,5 Prozent für die Jahre 2021 bis 2023. Dies beruht auf Annahmen eines stagflationären Einflusses der Pandemie auf nicht breiter Basis. Eng­ pässe bei Lieferketten und Logistik könnten mittelfristig ebenso abebben wie angehäufte Nachfragespitzen und öffnungsbedingte Preiserhöhungen wie z.B. Ticketpreise bei Flugreisen, und Schuckert ergänzt: „Der Ar­ beitsmarkt befindet sich derzeit in deutlich sichtbarer Anspannung. Während sich die Zahl der Arbeitslosen einem Niveau vor der Pandemie annähert und Kurzarbeit rückläu­ fig ist, suchen Unternehmen in einigen Branchen mitunter erfolglos nach Personal“. Hohe Lohnforderungen der Gewerkschaften sind zu erwarten. Inflationsschutz mit Schönheits­ fehlern Laut einer Publikation von Credit Suisse, die von Ende 2002 bis Ende 2015 die Inflations­ 36 . GELD-MAGAZIN – Oktober 2021 INFLATIONSTRENDS UND REALRENDITEN IM GLOBALEN ÜBERBLICK LAND INFLATIONS-TREND RENDITE STAATSANLEIHEN AKTUELLE JÄN. 21 AUG. 21 LAUFZEIT 10 JAHRE (27.9.) REALRENDITE** China -0,3% 0,8% 2,9% 2,1% Mexiko 3,5 % 5,6 % 7,4 % 1,7% Brasilien 4,6% 9,7% 11,0% 1,1% Indien* 3,3 % 5,3 % 6,2 % 0,9% Russland 5,2% 6,7% 7,3% 0,6% Japan -0,7 % -0,4 % 0,1 % 0,5% Türkei 15,0% 19,2% 18,6% -0,5% Singapur 0,2 % 2,4 % 1,5 % -0,9% Schweiz -0,6% 0,8% -0,2% -1,0% Italien 0,7 % 2,5 % 0,8 % -1,7% Ungarn 2,9% 4,9% 3,1% -1,7% Frankreich 0,8 % 2,4 % 0,1 % -2,2% UK 0,7% 3,2% 0,9% -2,2% Kanada 1,0 % 4,1 % 1,4 % -2,6% Polen 3,6% 5,0% 2,1% -2,8% Spanien 0,4 % 3,3 % 0,4 % -2,8% Österreich 1,1% 3,2% 0,0% -3,1% Deutschland 1,6 % 3,4 % -0,2 % -3,5% USA 1,4% 5,3% 1,5% -3,7% Quellen: eurostat, Statista, worldgovernmentbonds.com, diverse Online-Quellen *letzter Inflations-Stand Juli 21, **Berechnung: ((1 + Nominalzins/100)/1 + Inflationsrate/100) Datenerhebung: 27.09.2021 Fed-Chef Jerome Powell bereitet die Märkte auf eine straffere Geldpolitik vor. Steigende Dollarzinsen könnten dann zu Kapitalabflüssen aus Schwellenländern führen. Besonders korrektur- und währungs­ abwertungsgefährdet wären dann Lokalwährungsanleihen der Türkei, von Mexiko und Brasilien.

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=