GELD-Magazin, Februar 2021

Ü berspitzt könnte man es so ausdrü- cken: Corona geht (hoffentlich durch eine effiziente Durch-Imp- fung), der Klimawandel aber bleibt; mit ihm seine Probleme, wie ansteigende Meeres- spiegel, die Zerstörung von Lebensraum, ex- treme Wetterereignisse und so weiter und so fort. Politik, Wirtschaft, Konsumenten und Investoren sind jetzt gefragt, entschlos- sener zu handeln. Fünf vor Zwölf Wie sehr die Zeit drängt, zeigt der aktuelle Bericht der Weltorganisation für Meteorolo- gie: Auch wenn der Ausstoß durch die Coro- na-Pandemie vorübergehend zurückgegan- gen ist, hat die Konzentration der Treib- hausgase in der Atmosphäre auch 2020 wie- der zugelegt. Das letzte Mal hat die Erde vor drei bis fünf Millionen Jahren aufgrund der damals herrschenden meteorologischen Be- dingungen eine ähnliche CO2-Konzentrati- on erlebt. Zu diesem Zeitpunkt lag die welt- weite Durchschnittstemperatur sogar zwei bis drei Grad höher und der Meeresspiegel etwa 10 bis 20 Meter höher als heute. Aber es gab auch nicht 7,7 Milliarden Menschen auf dem Planeten, die jetzt das Klima weiter anheizen und sich um endliche Ressourcen balgen. Aber zum Glück ist der Homo Sapi- ens, falls er diese Bezeichnung verdient, nicht handlungsunfähig. Im Kampf gegen die Erderwärmung stehen viele Themen auf der Agenda: Etwa thermische Sanierung, Energieeffizienz, Aufforstung und natürlich der Ausbau regenerativer Energien. Neben den „Klassikern“, wie Wind und Solar, wer- den auch neue Wege bestritten: So will die EU den Bereich der Wasserstoffwirtschaft massiv forcieren, was in den nächsten 30 Jahren Investitionen von geschätzten 470 Milliarden Euro nach sich ziehen könnte. Trotz dieser enormen Summe wird staatli- ches Eingreifen alleine die Energiewende nicht stemmen können, was sogenannte Green Bonds ins Spiel bringt. Dabei handelt es sich grob gesagt um Anleihen, die zur Ka- pitalbeschaffung im Kampf gegen den Kli- mawandel dienen (siehe Definition links). Europa gilt noch immer als federführend, was solche Grünen Bonds betrifft. In ande- ren Ländern wurde das Thema etwas ver- nachlässigt. Zumindest bisher. USA als Game-Changer Vor allem Ex-Präsident Donald Trump wird als Klimaverweigerer in die Geschichte ein- gehen. Sein Abgang öffnet jetzt aber neue Möglichkeiten. Notenbank-Chef Jerome Po- well bestätigte bereits Ende des Vorjahres, dass die US-Notenbank dem „Network for Greening the Financial System“ (NGFS) bei- treten will, was mittlerweile auch vollzogen MÄRKTE & FONDS . Nachhaltige Anleihen Aufwind für Green Bonds Die Welt steht vor gewaltigen Umwälzungen: Soll der Kilmawandel aufgehalten werden, müssen Abermilliarden in „grüne Infrastruktur“ investiert werden. Das sollte Green Bonds stärken, die 2020 noch stagnierten. HARALD KOLERUS Credit: beigestellt/Archiv Definition: „Grüne Anleihen“ Der Begriff „Green Bond“ beschreibt ein festverzinsliches Wertpapier, das zur Kapitalbeschaffung für Aktivitäten zur Verringerung bzw. Verhinderung von Umwelt- und Klimaschäden dient. Arnaud-Guilhem Lamy, BNP Paribas, drückt es so aus: „Finanziell bieten grüne Anleihen die gleichen Merk- male wie klassische Bonds – den ökologischen Nutzen gibt es ohne Aufpreis dazu.“ Social Bonds unter- scheiden sich wiederum von Grü- nen Anleihen durch die Miteinbe- ziehung sozialer Verbesserungen. Marktanteile bei ESG-Bonds Social & Sustainability Bonds sind heute im Universum der Nachhaltigkeits-Anleihen am stärksten vertreten. Quelle: BBVA/Datastream ESG-Bonds 2020 57% 43% Social & Sustainability Bonds Green Bonds 34 . GELD-MAGAZIN – Februar 2021

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