GELD-Magazin, April 2020

I m letzten Jahr ist das Prämienvolumen der Lebensversicherung (LV) um 2,2 Prozent auf rund 5,5 Milliarden Euro zurückgegangen. Seit 2010 beträgt der Rückgang beim Prämienvolumen über zwei Milliarden Euro. VVO-Präsident Kurt Svobo- da warnt davor, dass Lebensversicherungen durch unattraktive Rahmenbedingungen in Zukunft in die Bedeutungslosigkeit rut- schen könnten. „Der Kapitalmarkt würde darunter leiden, denn mit einem Veranla- gungsvolumen von 70 Milliarden Euro ist die Versicherungswirtschaft einer der größ- ten Kapitalmarktteilnehmer.“ In der privaten Pensionsvorsorge herrscht also Krisenstimmung. Die Versicherungs- wirtschaft fordert daher von der Politik die Halbierung der Versicherungssteuer auf zwei Prozent. „Der vierprozentige Steuer- satz ist früher einmal gerechtfertigt gewe- sen, als das Zinsniveau noch höher war“, so Svoboda. Viele Experten empfinden diese Forderung noch immer als zu moderat. Die Forderung des Verbandes ist jedoch mit der Halbierung des Steuersatzes noch nicht zu Ende. Wird die Veranlagung bei LVs in nach- haltige Veranlagungen (z.B. ESG-Fonds) durchgeführt, so wünscht sich der Versiche- rungsverband von der Regierung die gänz- liche Steuerfreiheit, um einen Anreiz zur Umlenkung in „grüne Anlagen“ zu fördern. Hybrider Ansatz Das Niedrigzinsniveau führt derzeit dazu, dass bei einer klassischen Lebensversiche- rung der Kaufkraftverlust nicht ausgegli- chen werden kann. Auch wenn bei der klas- sischen Variante der Lebensversicherung von den Versicherern verstärkt in neue Be- reiche investiert wird (Private Equity, Pri- vate Debt, Infrastruktur), „stellen Anleihen und ähnlich zinsabhängige Instrumente wie Darlehen den Kern der Veranlagung“, wie Martin Sturzlbaum, Chef der Lebenssparte der Generali Österreich, erklärt. Daher liegt die Hoffnung der Versicherungsunterneh- mer in der Fondsgebundenen Lebensversi- cherung. Vor allem hier wird auch in die Entwicklung neuer Produkte investiert. 2017 war erstmals das Prämienvolumen bei Neuverträgen von Fondsgebundenen LVs (inklusive Vertragsveränderungen) höher als das der klassischen Variante. Immer stärker rücken dabei Hybridlösungen (Garantie der klassischen Lebensversiche- rung gepaart mit der Performancechance der Fondsgebundenen) in den Fokus der Produktentwickler. Zahlreiche neue Produkte Seit Anfang dieses Jahres hat die Allianz das Produkt „Meine Zukunft“ am Markt, das die Chancen des Kapitalmarktes in der Anspar- phase (inkl. Absicherungsmechanismus und Ablaufmanagement) mit Sicherheit in der Dekumulationsphase (inkl. garantiertem Rentenfaktor ab Vertragsbeginn) verbindet. Die Wiener Städtische hat mit ihrem Pro- dukt Hybrid Invest eine Lebensversicherung gegen Einmalerlag aufgelegt. Dabei ist das Verhältnis zwischen Fonds und Deckungs- stock (also zwischen Risiko und Sicherheit) je nach Risikoneigung frei wählbar. Es ist ein Fondsanteil bis 100 Prozent möglich, bis zu 90 Prozent können im Deckungsstock veranlagt werden. Damit versucht die Wie- VERSICHERUNG . Fondsgebundene Lebensversicherungen Neues Leben für die Pensionsvorsorge Das niedrige Zinsniveau hat die Lebensversicherungen stark beeinträchtigt. Mit verbesserten Rahmenbedingungen und Innovationen bei der Fondsgebundenen Lebensversicherung soll die Lebenssparte wieder auf Vordermann gebracht werden. CHRISTIAN SEC 78 . GELD-MAGAZIN – April 2020 Value-Aktien hinkten im Bullenmarkt der vergangenen zehn Jahre in der Gesamtper- formance den Wachstumstiteln hinterher. Stabilisierend wirken in Krisenzeiten bei Value-Titeln jedoch die hohen Dividenden, die derzeit bei 5,02 Prozent liegen. VALUE VERSUS GROWTH 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 -50% 250% 200% 150% 100% 50% 0% 300% 350% MSCI Global Value TR  MSCI Global Growth TR

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