GELD-Magazin, Juli/August 2019

Nicolas Janvier, Columbia Threadneedle Investments | SOMMERGESPRÄCH JULI/AUGUST 2019 – GELD-MAGAZIN | 33 Wie definieren Sie Small- und Mid Caps und was sind die speziellen Vorteile sol- cher Unternehmen? NICOLAS JANVIER: In unserem Fonds Thread- needle (Lux) American Smaller Companies nehmen wir Aktien mit einer Marktkapita- lisierung zwischen 500 Millionen und 10 Milliarden Dollar auf; wenn uns eine Idee besonders gut gefällt, können wir aber auch unter einer Liquidität von 500 Millionen ein- kaufen. Das durchschnittliche Volumen im Portfolio liegt bei rund 5,5 Milliarden Dol- lar. Small- und Mid Caps weisen gleich mehrere Vorteile auf: So haben sie ein deut- lich höheres Wachstumspotenzial als die ganz großen Unternehmen, und zwar was sowohl Umsatz als auch Gewinn betrifft. Weiters können Marktineffizienzen leichter genützt werden, weil kleinere Unternehmen bei weitem nicht so stark von Analysten ge- covert werden wie Large Caps. Letztlich bieten sie ein enormes Set an Investment- möglichkeiten: Wir können aus rund 3000 Aktien in diesem Feld auswählen, das bietet viele Chancen, wenn auch viel Arbeit für den Fondsmanager! Aber gerade dadurch finden wir immer wieder spezielle Anlagestorys. Können Sie dafür das eine oder andere Beispiel geben? Gerne, hier hätten wir etwa Planet Fitness. Zum Hintergrund: In Europa sind günstige Fitnesscenter mit monatlichen Gebühren rund um die 20 Euro keine Seltenheit, in den Vereinigten Staaten stellt sich die Situation etwas anders dar. Hier kommt man oft auf 50, 60 Dollar, in den „Gym Boutiquen“ be- tragen die monatlichen Raten sogar 500 bis 1000 Dollar, wofür man einen persönlichen Trainer etc. erhält. Planet Fitness geht hin- gegen einen anderen Weg und öffnet nach dem Prinzip hoher Wert – niedrige Kosten seine Fitnesscenter ab zehn Dollar monat- lich. Das Unternehmen genießt hier große Vorteile als first mover und sieht sich mit we- nig Konkurrenz konfrontiert. Wir rechnen mit starken Wachstumschancen für Planet Fit- ness. Ein anderes Beispiel ist Freshpet, ein Unternehmen, das frisches Futter für Haus- tiere in Supermärkten anbietet. Somit folgt man dem wachsenden Trend, seinen Lieblin- gen die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. Hier sieht man wiederum den Vorteil kleinerer Unternehmen: Wer von die- sem Trend fokussiert profitieren will, könnte nun auf Freshpet setzen. Im Vergleich dazu macht beim Großkonzern Nestlé die Sparte Haustiernahrung nur rund fünf Prozent des Umsatzes aus. Wie funktioniert nun die Titelselektion in Ihrem Fonds? Wir bilden uns immer eine Meinung zur Ent- wicklung der ganzen Welt, Makro-Trends spielen also durchaus eine Rolle. Im Mittel- punkt steht aber die Analyse der einzelnen Unternehmen, des Geschäftszyklus und des Geschäftsmodells. Wie die nächsten Handelsgespräche zwischen den USA und China ausfallen oder wie der Ölpreis steht – davon sind Unternehmen wie Planet Fitness unabhängig. Wichtig ist, dass die Gewinne der Gesellschaften noch unter ihrem erwarteten Potenzial liegen, was eben Wachstumsmöglichkeiten eröffnet. Bei der Auswahl ist aber auch die Risikoadjustie- rung entscheidend, der Begriff Stock Picking greift dabei vielleicht etwas zu kurz, weil eben das Gesamtportfolio im Auge behalten wird. Ein kleiner Vergleich sei an dieser Stel- le erlaubt: Die beste Pizza bäckt nicht der beste Käsespezialist, sondern derjenige, der Small- und Mid Caps sind wachstumsstark und überzeugen durch ihre ausgefeilten, manchmal ungewöhn- lichen Geschäftsideen. Somit landen zum Beispiel auch die Betreiber von Fitnesscentern oder Haustierfutter- produzenten bei Nicolas Janvier, der sein Portfolio auch launig mit einer guten Pizza vergleicht. Harald Kolerus Kleine Unternehmen, große Wirkung alle Zutaten zu vereinen versteht. Wir wollen das beste Portfolio mit Fokus auf Risiko- management konstruieren. Welche Rolle spielt dabei ESG (Environ- mental, Social, Governance)? Entsprechend unseres ganzheitlichen An- satzes genießen diese Aspekte große Bedeutung. Beim Bestreben, Alpha zu ge- nerieren, haben wir ESG-Kriterien völlig integriert, was alles andere als einen Wider- spruch darstellt. Wichtig ist es hierbei, nicht nur ein Augenmerk auf Ökologie, sondern eben auch auf soziale und Governance-Ele- mente zu legen. Wir haben dazu ein eigenes ESG-Rating-Schema entwickelt mit einer Ab- stufung von 1 bis 5: stärkste bis schwächste Outperformance-Aussichten.Wir halten aber nicht nur mit 1 oder 2, sondern auch mit 3 eingeschätzte Titel. Das erklärt sich durch die in die Zukunft gerichtete Perspektive: Unternehmen, die sich auf der ESG-Skala verbessern können, sind für uns interessant. www.columbiathreadneedle.com CREDIT: beigestellt Nicolas Janvier, Portfolio Manager, Columbia Threadneedle Investments

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