GELD-Magazin, Juni 2019

aktien | Deutschland 64 | GELD-MAGAZIN – juni 2019 B esonders schwer betroffen von der Konjunkturschwäche ist die deutsche Industrie. So verfehl­ ten die Einkaufsmanagerindizes des Instituts IHS Markit für Dienste und In­ dustrie in Deutschland die Erwartungen. Mit einem Stand von knapp über 44 – der niedrigste Wert seit Mitte 2012, als die Staatsschuldenkrise in Europa belastete – weisen sie auf eine Kontraktion im pro­ duzierenden Gewerbe hin. Entwarnung könnte nur gegeben werden, wenn die In­ dizes die Marke von 50 wieder über­ schreiten, doch das Gegenteil ist derzeit der Fall. Gleichzeitig fiel der ifo-Ge­ schäftsklimaindex erneut auf 97,9 Punkte von 99,2 Zählern und damit das zweite Mal in Folge. Es war sogar der achte Rückgang binnen neun Monaten. Ökonomen hatten für Mai nur mit einem leichten Minus auf 99,1 Punkte gerech­ net. Das ifo-Geschäftsklima gilt als ver­ lässliche Richtschnur für die wirtschaft­ liche Entwicklung. Eine positive Überra­ schung lieferten die Daten zum deut­ schen Bruttoinlandsprodukt. Es stieg im ersten Quartal 2019 um immerhin 0,4 Prozent. Dafür sorgten der Bauboom und die Kauflust der Verbraucher. Die gute Stimmung im Dienstleistungssektor und unter den Verbrauchern federt die In­ dustrieschwäche teilweise ab. Ökonomen warnten dennoch vor dem Rückfall in eine Rezession. Die gesamtwirtschaft­ lichen Kapazitäten seien ab Ende des Jahres unterausgelastet. „Der Auftrags- eingang insgesamt und die Exportorders gleichermaßen verzeichnen mittlerweile Rückgänge, wie man sie seit der globalen Finanzkrise nicht gesehen hat“, sagte Markit-Experte Phil Smith. Wie andere auch, rechnet das IHS Markit nur noch mit einem BIP-Anstieg von 0,5 Prozent. Die erhoffte Erholung im Automobilsek­ tor dürfte ausfallen. Ein Lichtblick sei die Chemische Industrie, wo der Optimis­ mus zurückgekehrt zu sein scheint. Doch eine schwache Industrieproduktion bei einem gleichzeitig anhaltenden Auftrags­ schwund lassen erahnen, dass der or­ dentliche BIP-Zuwachs nicht mehr als ein Strohfeuer war. Automobilzulieferer schwach Auch Deutschlands Börsenschwerge­ wichte bekamen zum Jahresauftakt Ge­ genwind zu spüren. Zwar stieg der Um­ satz der DAX-Konzerne im ersten Quar­ tal um 4,8 Prozent. Doch der operative Gewinn (Ebit) der 30 Unternehmen brach laut einer Analyse von EY in der Summe um 20 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein. Ein Beispiel, wie schlecht es derzeit um die Automobilindustrie bestellt ist, lie­ fert aktuell Leoni. Der Zulieferer hat die Kosten nicht im Griff. Die Schulden tür­ men sich, während der Umsatz zurück­ geht. Und weil diese Entwicklung anhal­ ten dürfte, könnte das Unternehmen in Existenzschwierigkeiten geraten. Im ers­ ten Quartal ging der Umsatz um knapp fünf Prozent zurück. Unter dem Strich verzeichnet Leoni einen Verlust von 132 Millionen Euro. Vor einem Jahr stand hier noch ein Gewinn von 44 Millionen Euro. Besorgniserregend ist der Schul­ denstand. Binnen drei Monaten stiegen die Nettofinanzschulden um 478 Millio­ nen auf den Rekordstand von 1,1 Milliar­ den Euro. Leoni will konzernweit 2000 Stellen abbauen und Unternehmensteile verkaufen. Die Refinanzierung der Schul­ denlast wird über eine Kapitalerhöhung nur durch umfangreiche Verwässerung möglich. Die Spirale dreht sich weiter nach unten. Mittlerweile kann auch eine Umwandlung von Schulden in Eigenka­ pital nicht ausgeschlossen werden. Das könnte Aktionärsvermögen vernichten. Siemens: Der groSSe Umbau Die Münchner spalten das Energiege­ schäft ab, vor allem die schwache Kraft­ werkssparte und aus dem Industriekon­ zern Siemens wird ein Digitalunterneh­ men. So steht es im Masterplan. „Vision Die Indizien mehren sich, dass Europas größte Volkswirtschaft dem Abgrund einer Rezession entgegen­ taumelt. Doch nicht nur die Konjunkturdaten fielen größtenteils schwach aus, auch bei den Unternehmen läuft es nicht mehr rund. Die Quartalsberichte waren von Zukunftsskepsis geprägt. Wolfgang Regner Zinsspekulationen leben auf Der Deutsche Aktienindex (DAX) konnte weiter zulegen, das charttechnische Kurs- ziel von 12.500 Punkten wurde aber verfehlt. Daraufhin setzte eine Korrektur ein, wobei die 12.000er-Marke wieder aufgegeben werden musste. Nun set- zen die Bullen darauf, dass die Unter- stützungszone zwischen 11.800 und 12.000 Punkten hält. Das Gewinnstopp bei 11.940 Punkten wurde ausgelöst. dax  | Unüberwindlich

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=