6. April 2021

China: Euphorie zum Jahreswechsel

Sicherlich ohne Wehmut nimmt China Abschied vom Jahr der Ratte und begrüßt das neue Jahr des Büffels mit Optimismus. Doch ist diese Euphorie aus Sicht eines Investors berechtigt? Diese Frage beleuchtet Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte bei J.P. Morgan Asset Management.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management
Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei
J.P. Morgan Asset Management

„Die Ausgangslage ist exzellent. China ist das einzige G20-Land mit positiven Wirtschaftswachstum in 2020. Diese Entwicklung war nur möglich durch die sehr erfolgreichen Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie, wodurch ab dem 2. Quartal die Wirtschaft stufenweise und nachhaltig geöffnet werden konnte“, so der Spezialist.

Stark wie nie zuvor

„Das Wachstum wurde anfänglich durch große staatliche Investitionen in Infrastruktur angekurbelt, bevor privater Konsum und neue Rekorde im Export die chinesische Wirtschaft über den Vorkrisenstand katapultierten. So ist es nicht vermessen zu konstatieren, dass Chinas Position im Vergleich zu den anderen großen Wirtschaftsmächten noch nie so stark war wie heute. Die positive Aktienmarktentwicklung im Jahr der Ratte mit einem Plus von knapp 60 Prozent ist ein Spiegelbild dessen. Doch die jüngsten Erfolge sollten den Blick auf die Herausforderungen und Risiken nicht vernebeln – und davon gibt es im Jahr des Büffels einige.“

Hohe Verschuldung

„So haben Steuersenkungen zur Stützung der von der Pandemie betroffenen Unternehmen sowie Ausgaben in Infrastruktur das Fiskaldefizit nach Schätzungen des IWF von 6,3 Prozent in 2019 auf 11,8 Prozent in 2020 ansteigen lassen. Die Staatsverschuldung Chinas steigt dadurch auf 62 Prozent zum BIP – was zwar niedriger ist, als die 98 Prozent in der Eurozone oder 131 Prozent in den USA. In der Summe mit dem hochverschuldeten Unternehmenssektor und den Privathaushalten steigt die Gesamtverschuldung der Wirtschaft jedoch auf 278 Prozent.“ 

Relativ günstig bewertet

„Der kräftige Kursanstieg lokaler Renminmbi-Aktien im vergangenen Jahr hat zudem Spuren bei den Bewertungen hinterlassen. Das KGV des CSI 300 Index ist in der Periode von 11,5x auf 16x gestiegen. Damit befinden wir uns auf einem ähnlich hohen Bewertungsniveau wie 2015 in der letzten Überhitzungsphase des Markets. Doch im Vergleich zu den Industrieländeraktien ist das immer noch ein Bewertungsabschlag von knapp 25 Prozent.“

„Gedämpfter Optimismus“

Tilmann abschließend: „In der Welt der chinesischen Horoskope sagt man, dass sich die Ratte und der Büffel gut verstehen, weil sie so komplementär zueinander sind. Im Jahr der Ratte erlebten wir eine durchwachsene Konjunktur und glänzende Aktienmärkte – für das kommende Büffeljahr hingegen erwarten wir kräftiges Wachstum und eher moderate Märkte. Wir schauen mit gedämpften Optimismus in das neue Jahr, denn trotz ausgezeichneter Ausgangslage ist schon viel in den Aktienkursen eingepreist. Hohe Verschuldung, die Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung und politische Risiken könnten sich im neuen Jahr zu erheblichen Störfaktoren entwickeln.“ 

Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens:
J.P. Morgan Asset Management/HK

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