GELD-Magazin, Juni 2018

80 ° GELD-MAGAZIN – Juni 2018 WISSEN Odysseus-Strategie E s sind viele Unbille, denen sich der wackere Investor stellen muss: Ge- fahren von der Zinsfront, politische Risiken, Konjunktureinbruch – sowie natürlich das tägliche Auf und Ab an den Börsen. Aber es gibt noch einen anderen „Feind“, der immer auf der Lauer liegt. Es handelt sich hier um die eigene Psyche bzw. die Emotionen des Anlegers selbst. Denn Investoren sind auch nur Menschen – eine Erkenntnis, die gut von der Behavioral Finance-Theorie (Ver- haltensökonomie) unterfüttert wird. Viele Fallstricke Demnach kommt es immer wieder zu Fehlentscheidungen, die oft allzu mensch- lich sind. Eine dieser Fehlleistungen ist das sogenannte „Framing“. Es liegt vor, wenn Anleger dieWelt wie aus einemRahmen he- raus betrachten. Sie sehen nur, was inner- halb dieses Sichtfensters liegt und schließen viele andere (bessere) Möglichkeiten aus. Der Framing-Effekt drückt sich häufig in zwei eng verwandten Anlagemustern aus: dem „Home Bias“ und dem Setzen auf soge- nannte „Glamour Stocks“. Beim „Home Bias“ sind die Aktien des Heimatlandes im Portfolio überrepräsen- tiert. Bei „Glamour Stocks“ liegt der Fokus auf populären Aktien, die zum Beispiel auf- grund ihrer Vergangenheitsperformance oder der Nähe ihrer Produkte zu Anlegern besonders im Bewusstsein verankert sind. Was wiederum nicht bedeutet, dass es sich dabei umdie aussichtsreichsten Aktien han- delt. Oft tappt man auch in die Falle der „Verlustaversion“. Menschen neigen näm- lich dazu, zuallererst Verluste zu vermeiden, was auch zu Verdrängungseffekten führt: Verluste werden dann nicht realisiert, son- dern als Buchverluste verdrängt – was häu- fig zu noch viel größeren Schäden im Port- folio führen kann. „Selbstfesselung“ Um diese Fehler zu vermeiden, emp- fiehlt sich die sogenannte „Odysseus-Strate- gie“. Odysseus soll der klügste Mensch sei- ner Zeit gewesen sein. In der nach ihm be- nannten Odyssee muss er eine ganze Reihe an Gefahren umschiffen. Einmal besteht die Herausforderung darin, unversehrt am Fel- sen der Sirenen vorbeizukommen. Diese sind bekannt für ihren schönen Gesang, der nur einem Zweck dient: die Seefahrer so zu verzaubern, dass sie an dem Felsen der Sire- nen zerschellen. Odysseus will die Fahrt überleben und dennoch die Sirenen hören. Die Lösung: Er versiegelt seinen Mitstrei- tern auf der Galeere die Ohren und lässt sich an den Mast des Schiffes fesseln. So sehr er auch an seinen Fesseln reißt und zerrt, seine Kumpane hören nichts und steuern an dem Sirenen-Felsen vorbei. Die Lehre daraus wird von Allianz Global In­ vestors zusammengefasst: „Überlege dir eine Strategie, halte daran fest und erliege nicht den ,Sirenen-Gesängen‘ der Kapital- märkte, die dich mit immer neuen Mel- dungen zu einem hektischen Hin und Her verleiten können. Halte Kurs!“ Multi Asset-Lösungen Es geht hier also um Selbstdisziplin, um nicht zu sagen „Selbstfesselung“, was ohne Hilfe gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Allianz Global Investors empfiehlt in ei- ner ausführlichen Studie zur „Odysseus- Strategie“ deshalb auch professionelle Bera- tung bzw. Fondsmanagement zu suchen. Als besonders interessant erachten die Ex- perten hierbeiMulti Asset-Lösungen: Inves­ toren können ihren Kurs (das Anlageziel) festlegen – der Multi Asset-Manager han- delt dann flexibel und switcht flexibel zwi- schen den verschiedenen Anlageklassen, um den Kurs möglichst zu halten. Dabei umschifft er schwieriges Gewässer, weicht Sturmböen des Kapitalmarkts aus und um- schifft gefährliche Klippen. Dabei ist er durchaus den Verlockungen der „Sirenen- gesänge“ ausgesetzt. Aber ein Profi hat schon viel gehört und wird das Schiff – hof- fentlich – in den sicheren Hafen bringen. credit: Shutterstock Oft herrscht an der Börse raue See , die schon so manchen Anleger zum Kentern gebracht hat. Man kann sich aber aus der Sage vom antiken Helden Odysseus einiges abschauen, um sicher ans Ziel zu gelangen. Das Zauberwort lautet hier: Selbstdisziplin. Harald Kolerus Episch investieren Odysseus: Antikes Vorbild für moderne Anleger

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