GELD-Magazin, Juni 2018

J eder Pensionsanwärter könnte theore­ tisch als Millionär in den Ruhestand ge­ hen und mehrere tausend Euro Pensions­ zahlung genießen, hätte er sein Geld nicht in Anleihen, sondern in Aktien investiert. Das grobe Rechenbeispiel dazu: Bei Einzah­ lung von 500 Euro monatlich und einer Ver­ zinsung von fünf Prozent entwickelt sich das Vermögen in 45 Jahren auf 958.000 Euro. In der österreichischen Versiche­ rungswirtschaft stehen jedoch Anleihen – laut Statistik des Versicherungsverbandes – bei den Kapitalanlagen von insgesamt 88,4 Milliarden Euro mit einem Anteil von rund 67,5 Prozent hoch im Kurs. Der Anteil an Aktien liegt bei 13,4 Prozent, jener von Im­ mobilienveranlagungen bei 7,0 Prozent. Aktien schlagen Anleihen auf lange Sicht immer Den Vorteil von Aktien bei der Pen­ sionsvorsorge dokumentiert eine Rechnung des deutschen Finanzanalytikers Volker Looman, der das für die vergangenen 45 Jahre durchrechnete: Ein durchschnittlicher Rentner hat in den vergangenen 45 Jahren rund 200.000 Euro an Pensionsbeiträgen eingezahlt (370 Euro pro Monat). Dafür er­ hält er ab dem 65. Lebensjahr eine Monats­ rente von etwa 1400 Euro. Hätte er seine Beiträge im gleichen Zeitraum in den Ak­ tienmarkt – z.B. in den DAX – investiert, könnte er sich in den kommenden zwanzig Jahren monatlich 6100 Euro auszahlen las­ sen. Dieser Betrag ergibt sich, wenn man sich den heutigen Wert der DAX-Aktien – nicht weniger als 1,46Millionen Euro – 240- mal als Monatsbetrag überweisen lassen würde. Und das trotz diverser Börsenab­ stürze und politischer Krisen. Bestätigt wird diese Rechnung von einer Studie der Professoren Dimnson, Marsh und Staunton von der London Business School. Sie untersuchten die Kapitalmärkte in 23 Nationen und bezogen neben Divi­ denden- und Zinspapieren auch Immobi­ lien, Edelmetalle und Sammlerobjekte in die Untersuchung mit ein. Das Ergebnis war, dass sich seit 1900 Aktienveranla­ gungen um 4,3 Prozent besser als kurzlau­ fende und um 3,2 Prozent besser als lang­ laufende Anleihen entwickelten. Insgesamt konnte global im Schnitt mit Aktien 5,2 Prozent p.a. erzielt werden. Sparverhalten in Österreich ist unvernünftig Demgegenüber wirkt das Sparverhalten der Österreicher unverständlich: Etwa die Hälfte des Geldvermögens von rund 470 Milliarden Euro ist in Sparanlagen „ge­ parkt“, womit die Österreicher 2017 real – also unter Berücksichtigung der Inflation – rund 2,2 Milliarden Euro an Kaufkraft ver­ loren haben. Lediglich ein Viertel des Geld­ vermögens – 115 Milliarden Euro – ist in Wertpapiere investiert und erwirtschaftete immerhin 2,2 Milliarden Euro, obwohl der Anteil der in Aktien veranlagten Gelder nur rund fünf Prozentpunkte ausmachte. Ak­ tien seien zu riskant, so der allgemeine Te­ nor. Und das, obwohl empirisch erwiesen ist, dass Aktien beim Ertrag Renten eindeu­ tig schlagen. Doch hierzulande will man das noch immer nicht glauben – selbst der Gesetzge­ ber nicht. Versicherungen und Pensions­ kassen sind nach wie vor dazu gezwungen, den größten Teil der Beiträge in Anleihen anzulegen. Argumentiert wird mit dem Verlustrisiko bei Aktien, demman die sauer verdienten Pensionsbeiträge nicht ausset­ zen will. Aber stimmt das wirklich? Risiko von AKtienveranlagungen liegt praktisch bei null Aktien sind zugegebenermaßen eine riskante Geldanlage – wenn man kurzfristig denkt. Das sollte man bei der Pensionsvor­ sorge aber nicht. Das beweisen Statistiken, die das Risiko von Aktienveranlagungen im Verhältnis zur Behaltedauer dokumentie­ ren (siehe Grafik rechte Seite). Dabei ver­ blüfft einigermaßen, dass das Risiko, mit Aktienanlagen Verluste zu machen, ab dem 15. Veranlagungsjahr praktisch vernachläs­ sigbar ist. Auf lange Sicht spielt auch der so­ genannte Cost Average-Effekt eine wichtige Rolle. Er bedeutet, dass bei fallenden Ak­ tienmärkten mit einem regelmäßigen Spar­ plan für denselben Betrag mehr Aktien ge­ kauft werden als bei höheren Aktienkursen – und so der zukünftige Gewinn höher aus­ fällt. Als Resümee aus diesen Untersu­ chungen lässt sich folgender „idealer“ Vor­ sorgeplan ableiten: Bei einer Veranlagungs­ dauer von mehr als 15 Jahren zu 100 Pro­ zent in Aktien investieren – am besten in ei­ nen globalen Dividendenfonds, über 15 Jahre Small Cap-Fonds beimischen. Unter 15 Jahre langsam in Anleihen umschichten, um die Kursgewinne abzusichern. Besser Aktiensparplan oder eine Versicherungslösung? Bei langfristiger Veranlagung macht je­ des Zehntelprozent an Spesen oder Steuern einen großen Unterschied beim Sparerfolg aus. Bei unserem eingangs erwähnten Bei­ spiel (45 Jahre lang 500 Euro und 5 Prozent VERSICHERUNG  ° Als Millionär in Pension 78 ° GELD-MAGAZIN – Juni 2018 Es ist empirisch belegt, dass Aktien langfristig höhere Renditen erwirtschaften als jede andere Geldanlage. Interessant dabei ist der Umstand, dass mit zunehmender Veranlagungsdauer das Verlustrisiko gegen null tendiert. Bei langfristiger Pensionsvorsorge geht der Unterschied in die hunderttausende Euro. Mario Franzin Richtig vorsorgen mit Aktien credit: Shutterstock

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