GELD-Magazin, Juni 2018

R ussland ist ein hartes Pflaster. Han- delssanktionen, Rubel-Abwertungen, schrumpfende Kaufkraft und enorm hohe Zinsen machen den Unternehmern das Le- ben zur Hölle. Kein Wunder also, dass auch das Management der erst seit Juli 2017 bör- sennotierten Ceconomy verzweifelt eine Lö- sung für die defizitäre MediaMarkt-Tochter in Russland sucht (60 Märkte, rund 2000 Mitarbeiter). Und sie ist offensichtlich ge- funden worden. Gut informierte Kreis spre- chen davon, dass man sich mit der im Besitz der Familie Gutseriyev stehenden Safmar Retail Group, dem Großaktionär der bör- sennotierten M.Video, so gut wie einig ist. ZWIELICHTIGE PARTNER Ursprünglich war die russische Familie Gutseriyev hauptsächlich im Ölgeschäft tä- tig und besitzt unter anderem Russneft. Es gibt eine Menge Gerüchte, wie die Familie zu ihrem Reichtum gelangt ist, der auf rund zehn Milliarden Dollar geschätzt wird. Fak- tum ist, dass das Clan-Oberhaupt Mikhail Gutseriyev lange von der Polizei gesucht wurde, bis er einen Deal mit der Staatsan- waltschaft schloss. Nachdem dieses Kapitel beendet war, entschied sich Gutseriyev, in die Finanzbranche zu investieren und grün- dete die Bin Bank. Ein Vehikel, um die Ge- schäfte der Familie zu finanzieren, egal wie riskant und verlustträchtig sie auch waren. Nach zwei ausgedehnten Finanzkrisen be- gann auch die russische Zentralbank den Fi- nanzmarkt und die Banken strenger zu re- gulieren. Als Ergebnis dieser strengeren Vorschriften schlitterte die Bin Bank in der zweiten Jahreshälfte 2017 in die Pleite und wurde vom Staat gerettet. Milliarden Rubel waren notwendig, um die Bank und deren Gläubiger zu stabilisieren. Nun werden alle Transaktionen hinterfragt und geprüft. Die Untersuchungen sind noch nicht abge- schlossen. Aber eines ist klar, der Staat wird alles daran setzen, um sich von den Schuldi- gen der Pleite so viel wie nur möglich zu- rückzuholen. Die Schieflage der Bank vorhersehend, entschied die Familie Gutseriyev, ihr Ge- schäft zu diversifizieren. ImDezember 2016 erwarb sie über ihre Safmar Group die Re- tail-Kette Eldorado und 57,7 Prozent an M.Video. Finanziert wurde der Deal haupt- sächlich von der dann später insolventen Bin Bank. M.Video ist börsennotiert und ein geeignetes Vehikel, um weitere Deals einzufädeln. Und es dauerte auch gar nicht lange. Vor wenigen Monaten wurde be- kannt gegeben, dass M.Video die zu 100 Prozent im Eigentum der Safmar Group stehende Eldorado um 650 Millionen Dol- lar kauft. Finanziert durch Banken. Die Kontrolle über beide Gesellschaften bleibt in der Hand der Safmar Group. Der Deal schaut auf den ersten Blick sauber aus, auf den zweiten Blick stellt sich die Situation aber ganz anders dar. Der Kaufpreis der El- dorado Gruppe beträgt das 16-fache EBIT- DA, während M.Video derzeit mit dem 4,6- fachen EBITDA bewertet ist. Eine Diskre- panz, die selbst mit Synergieeffekten nicht mehr darstellbar ist. Da kommt die mögliche Übernahme der MediaMarkt-Gruppe gerade recht. Hin- ter vorgehaltener Hand spricht man vom nächsten Opfer der Familie Gutseriyev. Ge- gen eine Zahlung von 398 Millionen Euro soll Ceconomy 15 Prozent der Anteile an M.Video übernehmen. Im Gegenzug kauft M.Video um 144 Millionen Euro die Media- Markt-Kette in Russland ab. Für Gutseriyev ein toller Deal – 254 Millionen Euro mehr in der Tasche und MediaMarkt Russland als Sahnehäubchen dazu. BILANZKOSMETIK BEI CECONOMY Ceconomy belasten nun die Verluste der russischen MediaMarkt-Kette nicht länger den Gewinn der Gruppe, da der Anteil an M.Video nicht konsolidiert werden muss. Außerdem bezahlt M.Video auch noch 144 Millionen Euro für das Sorgenkind. Fraglich ist nur, wie man den Aktionären erklären wird, dass man für eine 15 Prozent-Beteili- gung an M.Video mit einem Börsewert von rund 140 Millionen Euro stolze 254 Millio- nen Euro bezahlt hat. Durch diese Transak- tion ist die Bilanz von Ceconomy zwar kurz- fristig „gerettet“, ein hoher Wertberichti- gungsbedarf bei der M.Video-Beteiligung schwebt aber in den Folgejahren über der Transaktion. Zusätzlich geht Ceconomy In- sidern zufolge ein Risiko von mehr als 20 Millionen Euro ein, da einige Mietverträge der MediaMarkt Russland ohne Zustim- mung der Vermieter nicht auf den neuen Eigentümer übergehen können. Die Kosten dafür muss Ceconomy übernehmen. Wei- teres Ungemach droht Ceconomy durch ei- nen möglichen Imageschaden. Am 2. April 2015 gab die russische Zentralbank bekannt, Verfehlungen der Familie Gutseriyev aufs Schärfste zu verfolgen, womit Ceconomy ein Gau an negativen Schlagzeilen droht. Aber der Aktienkurs reflektiert dies bereits. Notierte die Ceconomy-Aktie noch zu Be- ginn des Jahres bei 13,40 Euro, ist sie derzeit um nur noch 8,60 Euro zu haben – und es droht auch noch der Rauswurf aus dem MDAX. AKTIEN ° Ceconomy 66 ° GELD-MAGAZIN – JUNI 2018 Die de zitäre russische MediaMarkt-Tochter der börsennotierten Ceconomy soll veräußert werden. Statt Geld für den Verkauf zu bekommen, muss Ceconomy dem Vernehmen nach erst einmal 394 Millionen Euro über- weisen. Überdies wird der Deal mit einer dubiosen russischen Unternehmens-Gruppe abgewickelt. Thomas Müller Ein zweifelhafter Deal

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