GELD-Magazin, Juni 2018

aktien  ° Deutschland 64 ° GELD-MAGAZIN – juni 2018 Vorerst Entwarnung Insgesamt sanken die Erlöse um 0,5 Prozent auf zusammengerechnet rund 343 Milliar- den Euro. In Summe habe der starke Euro zu Umsatzeinbußen von fast 15 Milliarden Euro geführt. Der operative Gewinn (Ebit) ging um 1,0 Prozent auf insgesamt knapp 37 Milliarden Euro zurück. 16 Konzerne ver- zeichneten Gewinneinbußen. Zuletzt hat die Gemeinschaftswährung allerdings an Wert verloren. Das zweite Quartal könnte somit besser ausfallen. Risiken kommen vom starken Ölpreis. So würde den deut- schen Haushalten bis zum Jahresende ge- schätzte –0,7 Prozent weniger Einkommen zur Verfügung stehen, wenn der Ölpreis das derzeit erreichte Niveau hält. Schwankende Finanzmärkte und der schwache US-Dollar haben auch Europas größten Versicherer Allianz zum Jahresstart belastet. Dennoch sieht Vorstandschef Oliver Bäte den Kon- zern auf Kurs, 2018 wie geplant einen ope- rativen Gewinn von 10,6 bis 11,6 Milliarden Euro zu erreichen. Doch von Ankündi- gungen, den Konzern über Zukäufe deut- lich zu stärken, ist bislang nichts geworden. Deutsche Bank: 10.000 Jobs weg Sinkende Erträge und hohe Kosten – die Deutsche Bank ist in einer Negativdyna- mik gefangen, die Ratingagenturen erhöhen den Druck, der Aktienkurs ist ein Desaster. Als Ursache sehen Analysten eine Fehlallo- kation imGeschäftsmodell. Die Bilanzsum- me im Investmentbanking stehe in keinem Verhältnis zu Marktkapitalisierung und Profitabilität. Besorgnis erregend sei, dass es die Deutsche Bank trotz starker Kon- junktur nicht gelänge, die Erträge zu stei- gern. Wie groß das Problem sei, werde sich offenbaren, wenn die Wirtschaftsdynamik W eder die einseitige Aufkündigung des Iran-Atomabkommens noch der auch dadurch deutlich gestiegene Rohölpreis und vorerst auch nicht die ge- stiegenen politischen Risiken in Italien und Spanien konnten den DAX ausbremsen. Denn es kamen auch positive Nachrichten aus dem fundamentalen Bereich der deut- schen Wirtschaft. So hat sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschenWirtschaft im Mai überraschend stabilisiert. Der ifo- Geschäftsklimaindex verharrte bei 102,2 Punkten. „Der Abwärtstrend ist gestoppt“, sagte ifo-Präsident Clemens Fuest. Damit endete eine Negativserie von fünf Rückgän- gen in Folge. Und es wird offenkundig, dass sich die deutscheWirtschaft in einer schwie- rigen Weltlage gut behauptet. Die 9000 be- fragten Manager beurteilten die Geschäfts- lage besser, die Aussichten für die kommen- den sechs Monate aber etwas weniger opti- mistisch als zuletzt. Zudem fanden die jüngsten negativen Entwicklungen (Auto- zölle, Italien) in der ifo-Umfrage noch kaum Berücksichtigung. Daher sei bei der ifo- Umfrage im Juni mit einem neuen Dämpfer zu rechnen. Immerhin stiegen zuletzt die Nachfrage und der Auftragsbestand in der Industrie und im verarbeitenden Gewerbe. Bei den Dienstleistern und imHandel hellte sich die Stimmung sogar auf. Einige Exper- ten sind da vorsichtiger: Die Commerzbank etwa senkte ihre Wachstumsprognose von 2,5 auf 2,0 Prozent. „Die zwischenzeitlich starke Euro-Aufwertung wirkt in der Regel länger dämpfend, zumal mit dem gestie- genen Ölpreis ein weiterer Belastungsfaktor hinzugekommen ist“, begründete Chef- volkswirt Jörg Krämer. Nachgebende Kon- junkturvorlauf-Indikatoren und ein schwä- cherer Auftragseingang sind untrügliche Zeichen, dass die deutsche Wirtschaft einen Gang zurückschaltet. Euro belastet erstes Quartal Der starke Euro hat vielen DAX-Kon- zernen den Start ins Jahr 2018 verdorben. 15 Börsenschwergewichte verzeichneten im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahres- zeitraum einen Umsatzrückgang, wie aus einer Auswertung durch das Beratungs- und Prüfungsunternehmen EY hervorgeht. dax Kurz über 13.000. Beim Deutschen Aktien­ index (DAX) gelang es den Bullen, den Haupt- widerstand bei 12.700 Punkten zu knacken. Kurzfristig schaffte der Index gar den Sprung über die 13.000-Punkte-Marke. Bald war er wieder darunter, doch nun wirkt die überwun­ dene 200-Tage-Linie bei 12.650 Punkten als gute Unterstützung. Ob der DAX den kurzfris- tigen Aufwärtstrend halten kann, liegt am wirt- schaftspolitischen Umfeld. Hauptunterstüt­ zung bleibt die 11.800-Punkte-Marke. Nach den starken Kursverlusten schnellte der Deutsche Aktienindex (DAX) fast ebenso rasant wieder nach oben. Das ist bemerkenswert, wenn man das politisch-wirtschaftliche Umfeld betrachtet. Doch die Bullen sollten sich nicht zu früh freuen. Mit Ende Mai beginnt die oft schwache Sommerperiode. Wolfgang Regner

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