GELD-Magazin, Juni 2018

brennpunkt Panorama 6 ° GELD-MAGAZIN – JUNI 2018 CrediTS: Wikimedia Commons/Rob Janoff, Archiv, Shutterstock Zahlenspiel 50 Millonen Menschen leben heute rund um den Globus mit einer De- menz-Erkrankung – und diese Zahl wird sich Schätzungen zufolge alle 20 Jahre sogar verdop- peln. 2030 werden es bereits 82 Millionen sein, 2050 152 Millionen. Grund dafür: Die steigende Lebenserwartung der Menschen. „Die zuneh- mende Zahl von Demenz-Patienten könnte Re- gierungen und Gesundheitssysteme vor Pro- bleme stellen: Die Behandlungskosten werden aktuell auf eine Billion Dollar geschätzt, und bis 2030 könnten sie sich auf zwei Billionen verdop- peln“,erläutert Dani Saurymper,leitender Analyst für Ageing und Lifestyle bei AXA IM Framlington Equities. Unternehmen verschiedenster Sektoren müssten ihre Geschäftsstrategien anpassen, um der drohenden Demenz-Krise als Folgeerschei- nung einer schnell alternden Gesellschaft entge- genzuwirken. „Unternehmen sind dazu angehal- ten, die Versorgungsforschung voranzutreiben, Anreize für ein gesünderes Konsumverhalten zu bieten und bedarfsgerechte Langfristlösungen zu entwickeln,um die Krankheit für künftige Genera- tionen in den Griff zu bekommen. Schätzungen zufolge werden Unternehmen bis 2021 über zehn Milliarden Dollar in die Entwicklung von Me- dikamenten investieren“, so Saurymper. DWS. Der Klimawandel hat sich zu einem ho- hen finanziellen Risiko entwickelt, so die DWS. Hier stehen vor allem Emittenten von Treib­ hausgasen im Fokus. Beispielsweise würden diese Unternehmen bei staatlich verordneten Maßnahmen zur Emissionsverringerung das Risiko einer Anpassung an eine kohlenstoff- arme Wirtschaft tragen, das finanzielle Risiko müssten Investoren schultern. Man könne ESG (Environment Social Governance) aber auch als Chance sehen. Ein guter Weg ist es, solche Konzerne zu priorisieren, die am besten da- rauf vorbereitet sind, den Übergang zu einem kohlenstoffarmen Unternehmen zu bewälti- gen. Untersuchungen der DWS haben gezeigt, dass es für einen Investor eine interessante An- lagechance bedeuten kann, in solchen Aktien engagiert zu sein. Chance Nachhaltigkeit Uniqa-analyse. Vor dem Start der Fußball- WM in Russland begab sich Präsident Putin auf Charmeoffensive und war dabei in Öster­ reich zu Gast. Aber wie ist es eigentlich abseits des runden Leders um Russlands Wirtschaft bestellt? Uniqa hat das untersucht und ist zu demErgebnis gekommen: Das Land hat makroökonomisch an Stabilität gewonnen. So war bei den Verbraucherindika- toren in den ersten Monaten 2018 weiterhin eine Verbesserung zu beobachten. Im April lag dasWachstum der Reallöhne bei neun Prozent (Drei-Monats-Durchschnitt),die Nominallöhne stiegen (11,6%),die Verbraucherpreisinflation war niedrig. Laut Haushaltsbefragungen (russ. Markt- und Meinungsforschungsunternehmen VCIOM) hellte sich die Stimmung in der Ge- sellschaft mit Blick auf die wirtschaftliche Lage des Landes seit 2015/16 auf. Darüber hinaus Russland: Aus dem abseits gedribbelt reformen. Die heimische Regierung will den Föderalismus reformieren: Konkret geht es um die Abschaffung des Verfassungsartikels 12, der gemischte Zuständigkeiten von Bund und Ländern regelt. „Eine reine Kompetenz- Entflechtung ist viel zu wenig. Während die Bundesländer ihre Ausgaben mit nicht einmal drei Prozent über eigene Steuern finanzieren, gehen fast 17 Prozent der Staatsausgaben auf ihr Konto. Ein System, das geradezu auf Geld- verschwendung ausgerichtet ist“, so Agenda Austria-Ökonomin Monika Köppl-Turyna. In keinem anderen OECD-Land würden Bundes- länder ihre Ausgaben zu einem so niedrigen Anteil über eigene Steuern finanzieren wie in Österreich.Wäre es hingegen Österreichs Bundesländern möglich, unterschiedliche Steuersätze einzuheben, könnten diese besser auf örtliche Gegeben- heiten eingehen. Ein gutes Beispiel bundesLänder: Stark beim Ausgeben verbesserte sich die Haushaltslage der Ver- braucher dank günstigeren Bedingungen bei der Kreditvergabe an private Haushalte und niedrigeren Kreditkosten. Die Arbeitslosenquo- te liegt seit einiger Zeit relativ stabil bei rund fünf Prozent. Die Erholung lässt sich laut der Uniqa-Analyse bislang auf Haushaltsausga- ben zurückführen und die oben genannten Faktoren deuten auf eine anhaltendeVerbesse- rung der wirtschaftlichen Lage der Verbraucher hin. Darüber hinaus sind Konsumenten weni- ger unmittelbar von Finanzsanktionen aus dem Ausland betroffen. „Kurz gefasst kann man sa- gen:Verbesserte wirtschaftliche Bedingungen der russischen Haushalte, die eine wenn auch schwache Erholung ermöglicht haben, eine niedrigere Inflation, höhere Währungsreserven und mehr Spielraum bei der Geldpolitik so- wie eine umsichtige Haushaltspolitik stärken die russische Wirtschaft und ihre Widerstands- fähigkeit gegen weitere Finanzschocks“, so Uniqa-Chefvolkswirt Martin Ertl in seiner Unter- suchung zu Russland. dafür ist die Schweiz: In einem Ballungsraum wie Zürich hat der Staat andere Aufgaben zu erledigen als in einem Bergkanton und hebt daher aus guten Gründen höhere Steuern ein. In Österreich können Länder und Gemeinden derzeit allerdings fast keine Steuern selbst festlegen – so gut wie alle Steuereinnahmen werden vom Bund abgeschöpft und für die Er- ledigung regionaler Aufgaben gemäß eines fixen Verteilschlüssels wieder an die Länder zurücküberwiesen. „Das wirkt sich ähnlich aus wie Preisabsprachen bei Unternehmen: Die Bürger bzw. Kunden zahlen für die Leistungen zu viel. Bisher gibt es bei den Ländern kei- nen Anreiz zu sparen, eine Steuerautonomie hätte zur Folge, dass Politi- ker transparent und sorgsam mit dem Geld der Steuerzahler umgehen müssten“,so Köppl-Turyna.

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