GELD-Magazin, Juni 2018

E ines müssen sogar die vehementesten Gegner von George Soros zugeben: Der Mann weiß mit Geld umzugehen. 2017 schätzte „Forbes“ sein Vermögen auf über 25 Milliarden Dollar, somit liegt er in der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Rang 19. Außerdem ist er der wohlha­ bendste Hedge Fund Manager der Welt – und bereits hier setzen die ersten Kritik­ punkte an. Soros sei nämlich ein skrupel­ loser, überaus mächtiger Spekulant, der ganze Volkswirtschaften in die Knie zwin­ gen könne. Was steckt Wahres dahinter? keIn „PFUndSkerL“ Erinnern wir uns zurück an den 16. September 1992 (auch als „Schwarzer Mitt­ woch“ bekannt), als Soros massiv gegen das englische Pfund wettete. Und gewann. Zur Vorgeschichte: Der damalige Europäische Wechselkursmechanismus (European Ex­ change Rate Mechanism, ERM) sah vor, dass die einzelnenMitglieds­ länder ihre Währung inner­ halb einer bestimmten Bandbreite zu den ande­ ren Währungen halten mussten. Mehr und mehr wurde aber klar, dass Großbri­ tannien und an­ dere ERMMit­ glieder wie Ita­ lien ihre Wäh­ rungen auf Dauer nicht innerhalb der vom ERM festge­ legten Grenzen halten konnten, ohne ihrer Wirtschaft durch zu hohe Zinsen schweren Schaden zuzufügen. Spekulanten wie Geor­ ge Soros setzten deshalb darauf, dass das Pfund früher oder später deutlich abwerten würde und bauten deshalb riesige ShortPo­ sitionen auf das britische Pfund auf. HeFtIgeS geFecHt Am Vormittag des Schwarzen Mitt­ wochs spitzten sich dann die Ereignisse zu. Die Bank of England versuchte verzweifelt, das Pfund unter Einsatz ihrer Devisenreser­ ven unter der vereinbarten Grenze von 2,773 Deutsche Mark zu halten. Doch trotz deren Bemühungen setzten sich die Speku­ lanten, die immer mehr Pfund verkauften, durch. Und die britische Währung fiel tat­ sächlich immer weiter und notierte am frü­ hen Abend deutlich unter der festgelegten Untergrenze. Die Spekulantenwussten, dass sie am längeren Hebel saßen: Die Bank of England konnte ihre Stützungskäufe nur fortsetzen, solange sie noch über Devisen­ reserven verfügte. Am Abend des 16. Sep­ tember war klar, dass die Spekulanten gegen die Notenbank gewonnen hatten. Sie hatte ohne Erfolg Milliardenbeträge verbrannt und Soros ging als Sieger vomPlatz – er hat­ te an diesem Tag mehr als eine Milliarde Dollar für seinen Hedgefonds verdient und gilt seither als „The man who broke the Bank of England“. Daraus kann man aber wohl nicht ablei­ ten, der Milliardär hätte sich unlauter ver­ halten – andere Investoren hatten auf das gleiche Pferd gesetzt, Soros war lediglich der erfolgreichste unter ihnen. Und dass ein Anleger (auch wenn man ihn unfein Speku­ lant nennt) möglichst viel Geld verdienen will, liegt in der Natur der Sache. Aber es gibt viel krassere Vorwürfe gegen Soros, die in Wirklichkeit ebenso abstrus wie unappe­ titlich sind. SoroS eIn naZI? So hat vor Kurzem etwa die bekannte Schauspielerin Roseanne Barr (unter ande­ remHauptdarstellerin der Fernsehserie Ro­ seanne) Soros via Twitter als Nazi bezeich­ net und ihm vorgeworfen, an der Ermor­ dung und Enteignung jüdischer Bürger während des Zweiten Weltkriegs beteiligt gewesen zu sein. Solche Anfeindungen sind nicht neu, so schrieb Andreas von Rétyi in seinem Buch „George Soros“: „Soros gilt als der einzige bekannte Überlebende des Ho­ locaust, dem sogar vorgeworfen wurde, als Jude mit den Nazis kollaboriert zu haben.“ Dank väterlicher Bestechung habe der junge György 1944 eine Anstellung im unga­ rischen Landwirtschaftsministerium be­ kommen und dort dabei geholfen, das Eigentum von Juden zu beschlagnahmen. Außerdem habe er dabei zugesehen, wie Ju­ den in Todeslager abtransportiert wurden. Der Knackpunkt dabei: Der 1930 in Buda­ pest geborene Soros ist selbst Jude und war somit 1944 gerade einmal 14 Jahre alt. Seine Machtfülle und Mitverantwortung wird zu diesem Zeitpunkt wohl eher überschaubar gewesen sein. Tatsächlich hielten sich Geor­ ge und sein Vater Tivadar über Monate hin­ weg vor den Nazis versteckt. Die Anfein­ dung von alternden Schauspielerinnen wie Roseanne oder dem genannten Andreas von Rétyi (er wird übrigens auf Wikipedia als Autor parawissenschaftlicher Bücher mit dem Schwerpunkt Ufologie und Ver­ Brennpunkt ° George Soros 10 ° GELD-MAGAZin – juni 2018 Ist er ein gewissenloser Spekulant mit dunklen politischen Hintergedanken oder doch ein Philanthrop, der sich für Demokratie und freie Geisteshaltung einsetzt? Der Multimilliardär George Soros scheidet die Geister und wird vor allem in Ungarn stark angefeindet. Wobei Kritik ja immer erlaubt ist, viele der Attacken zielen aber weit unter die Gürtellinie. Harald Kolerus Feindbild und Menschenfreund dIeaLcHeMIe der FInanZen george Soros. Börsenbuchverlag.398 Seiten. CREDITS: beigestellt, Alamy

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